Inkontinenz

Inkontinenz – Ursachen, Symptome, Therapie

Wer unter Harn- oder Stuhlinkontinenz leidet, scheut sich oft, darüber zu sprechen. Dabei verzögert falsche Scham nur den Beginn einer zumeist hilfreichen Therapie. Die Ursachen für ungewollten Verlust von Harn beziehungsweise Stuhl sind unterschiedlich. In vielen Fällen kann man etwas dagegen unternehmen.


Tipps bei Inkontinenz

Die Kontrolle über Blase oder Darm zu verlieren ist für jeden Betroffenen mit Angst, Sorge und auch Scham verbunden. Einiges kann man aber unternehmen, um mit der Situation besser klar zu kommen:

  • Hilfsmittel nutzen, die es in Drogerien, Apotheken und Sanitätshäusern zu kaufen gibt: Einlagen in unterschiedlichen Saugstärken, Einmalschlüpfer mit integrierter Vorlage, Inkontinenzslips, Analtampons, Kondom-Urinal (ein spezielles Kondom für Männer, das den Urin in einen Beutel weiterleitet);
  • Auf Lebensmittel verzichten, die die Blase reizen können, wie: Scharfe Gewürze, Kaffee oder schwarzer Tee;
  • Bei Stuhlinkontinenz: Auf eine ballaststoffeiche Ernährung achten; Blähende Nahrungsmittel meiden;
  • Übergewicht vermeiden bzw. Gewicht reduzieren: Zu viel Gewicht erhöht den Druck auf die Bauchhöhle und kann eine bestehende Inkontinenz verschärfen. Übergewicht kann gleichermaßen eine Inkontinenz auslösen.
  • Beckenbodenmuskulatur trainieren: Bei vielen Formen der Inkontinenz ist ein gezielter Muskelaufbau am Beckenboden hilfreich.
  • Entspannungstechniken erlernen: Das regelmäßige Üben von Entspannungstechniken erleichtert Betroffenen den Umgang mit ihrer Erkrankung. Sind psychische Faktoren maßgeblich an der Inkontinenz beteiligt, kann Entspannung sich positiv auf die Symptomatik auswirken.Geeignet sind unter anderem Muskelrelaxation nach Jacobson, Autogenes Traning, Qigong oder Meditation.

Was ist Inkontinenz?

Normalerweise kann man über das Ausscheiden von Urin oder Stuhl selbst entscheiden. Man spürt, dass Blase oder Darm entleert werden müssen und sucht eine Toilette auf. Zeitpunkt und Ort werden bewusst gewählt. Dieses Vermögen des kontrollierten Ausscheidens wird als Kontinenz bezeichnet. – Kommt es hingegen zu ungewolltem Harn- oder Stuhlverlust, spricht man von Inkontinenz bzw. von Blasen- oder Darmschwäche. Deutschlandweit leiden rund 9 Millionen Menschen unter Inkontinenz. Viele Betroffene vermeiden es, darüber zu sprechen und zögern einen Arztbesuch unnötig lange hinaus. Da Inkontinenz viele verschiedene Ursachen haben kann, sind auch die Behandlungsmöglichkeiten vielfältig. Steckt eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur dahinter, hilft meist schon gezieltes Training. Blasen- oder Darmschwäche können jedoch auch ernste Ursachen haben. Je eher man einen Arzt aufsucht, desto besser sind die Prognosen für die Heilung einer möglichen Erkrankung oder eine deutliche Besserung der Symptomatik.

Inkontinenz – Arten

Harninkontinenz

Man unterscheidet Harninkontinenz von der seltener auftretenden Stuhlinkontinenz. 

Betroffene können ihren Urin nicht kontrolliert zurückhalten. Das Leiden wird häufig auch als Blasenschwäche bezeichnet. Folgende Arten werden unterschieden:

Belastungsinkontinenz (frühere Bezeichnung „Stressinkontinenz“): Ursache der Belastungsinkontinenz ist meist körperliche Belastung. Bei bestimmten Bewegungen wie dem Heben schwerer Dinge, beim Husten, Niesen oder Lachen verlieren Betroffene Urin, ohne dies kontrollieren zu können. Ist die Inkontinenz ausgeprägter, dann geht bei jeder Bewegung Urin ab, selbst beim einfachen Liegen und Stehen. Wer an Belastungsinkontinenz leidet, verliert Urin, ohne Harndrang zu empfinden. 

Dranginkontinenz: Der Harndrang tritt so plötzlich auf, dass es Betroffene häufig nicht mehr rechtzeitig zur Toilette schaffen. Die Blase ist meist gar nicht voll, dennoch geht der Urin schwallartig ab.

Reflexinkontinenz: Trotz voller Blase spüren dies Betroffene nicht. Es kommt immer wieder zu ungesteuerten Entleerungen, allerdings keiner vollständigen.

Überlaufinkontinenz: Wenn die Blase gefüllt ist, gehen kontinuierlich kleine Mengen Urin ab. Viele verspüren einen andauernden Harndrang.

Extraurethrale Harninkontinenz: Bei dieser Form der Inkontinenz verliert man ständig und unkontrolliert Urin, allerdings nicht über den Harnweg. Der Urin geht über andere Öffnungen ab, zum Beispiel durch Scheide oder After.

Stuhlinkontinenz

Von einer Stuhlinkontinenz Betroffene sind nicht in der Lage, Stuhlabgang oder Winde willkürlich zurückzuhalten. Man differenziert in drei Grade: 

Teilinkontinenz 1. Grades: Darmgase gehen unfreiwillig ab, außerdem kommt es bei Belastung zu gelegentlichem Stuhlschmieren.

Teilinkontinenz 2. Grades: Weder Darmgase noch dünner Stuhl können gehalten werden.

Teilinkontinenz 3. Grades: Es kommt zum kompletten Kontrollverlust über die Darmentleerung und ständigem Stuhlschmieren. Fester Stuhl kann ebenso wenig gehalten werden.

Einige von Stuhlinkontinenz Betroffene merken zwar, dass sie zur Toilette müssen, schaffen es aber nicht rechtzeitig zum kontrollierten Entleeren.

Ursachen für Inkontinenz

Damit die Blase ihre Funktion richtig erfüllen kann, müssen Blasenmuskel, Schließmuskel, Beckenbodenmuskulatur, steuernde Nerven sowie Zentren in Gehirn und Rückenmark ungehindert und aufeinander abgestimmt interagieren. Ist dieses optimal koordinierte System in seiner Funktionsweise gestört, führt dies zu Problemen. 

Im Fall einer Stuhlinkontinenz liegt eine Störung im Verschlussapparat des Afters sowie den dazugehörigen Nervenstrukturen vor. 

Harninkontinenz – Ursachen

Den verschiedenen Formen einer Harninkontinenz ist eines gemeinsam: Die Funktion der Harnblase ist eingeschränkt. Aufgabe der Harnblase ist es, Urin zu speichern und ihn zu einem Zeitpunkt zu entleeren, den man selbst bestimmt. Während der Urinanreicherung ist der Blasenmuskel entspannt und der Schließmuskel ist angespannt. Dies verhindert das Abfließen des Urins. Soll die Blase entleert werden, zieht sich der Blasenmuskel zusammen und Schließmuskel sowie Beckenbodenmuskulatur erschlaffen nun. Anschließend kann der Urin über die Harnröhre abfließen. Ist dieses Zusammenspiel gestört, kann Harninkontinenz entstehen.

Eine bereits bestehende Harninkontinenz kann durch Medikamente wie Diuretika, Antidepressiva, Neuroleptika und auch durch den Konsum von Alkohol verstärkt werden.

Ursachen für Belastungsinkontinenz

Der zwischen Blasenhals und Harnröhre befindliche Verschlussmechanismus arbeitet hier nicht mehr richtig. Mögliche Gründe dafür sind eine Verletzung des Beckenbodengewebes (beispielsweise durch eine Operation der Prostata oder einen Unfall), Nervenverletzungen und -reizungen oder eine Vorwölbung der Harnblase. Eine Frau ist von der Belastungsinkontinenz häufiger betroffen als ein Mann, denn ihre Beckenbodenmuskulatur ist schwächer. Zudem gibt es drei sogenannte „natürliche Schwachstellen“: die Öffnungenvon Scheide, After und Harnröhre. 

Das Bindegewebe kann an den genannten Stellen durch Belastungen wie Schwangerschaften, Entbindungen, eine Gebärmuttersenkung oder hormonelle Umstellungen während der Wechseljahre nachgeben. Dies führt dann meist zu ungewolltem Harnverlust.

Außerdem gibt es weitere Risikofaktoren, die eine Belastungsinkontinenz auslösen können. Dazu zählen: chronischer Husten, häufiges Heben von schweren Gegenständen, Übergewicht und mangelnde Beckenbodenmuskulatur aufgrund Bewegungsmangels.

Ursachen für Dranginkontinenz

Bei dieser sogenannten „überaktiven Blase“ meldet sich die Blase, obwohl sie nur geringfügig gefüllt ist. Das fälschlicherweise zu früh ans Gehirn gesendete Signal, sorgt dafür, dass ein nicht zu kontrollierender Harndrang einsetzt. Mögliche Ursachen sind:

Nervenschäden oder -reizungen (meist nach Operationen), ständige Blasenreizung durch Blasensteine oder Harnwegsinfekte, neurologische Erkrankungen (u.a. Multiple Sklerose, Alzheimer, Parkinson, Schlaganfall oder Hirntumor), Diabetis mellitus (nur bei unzureichender Therapie) und psychische Faktoren.

Ursachen für Reflexinkontinenz

Hierbei sind Nerven in Gehirn oder Rückenmark geschädigt, die die Blasenfunktion steuern. Betroffen sind häufig Menschen mit neurologischen Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson, Multiple Sklerose, mit Querschnittslähmung oder nach einem Schlaganfall. 

Ursachen für Überlaufinkontinenz

Ist die Prostata vergrößert oder liegt eine Harnröhrenverengung (zum Beispiel durch Harnsteine) vor, kommt es zu einer Blockade des Harnausgangs und damit zu einem gestörten Abfluss des Urins.

Extraurethrale Inkontinenz

Ursache für diese Form der Blasenschwäche ist entweder eine angeborene Fehlbildung oder eine Fistel. Wenn die Fistel sich zwischen dem harnableitenden System (Blase oder Harnröhre) und der Haut, dem Darm oder dem weiblichen Genitaltrakt befindet, kann dies dazu führen, dass der Urin über die Hautöffnung, den After oder die Scheide abgeht. Eine Fistel entsteht zum Beispiel aufgrund entzündlicher Prozesse, nach einer Operation oder nach Röntgenbestrahlung.

Stuhlinkontinenz – Ursachen

Das Anorektum (sog. Kontinenzorgan) setzt sich aus Mastdarm, in dem der Stuhl gelagert wird, und Schließmuskel (Sphinkter), der den Analkanal umgibt, zusammen. Kommt es zu einer Schädigung oder Störung des Anorektums, kann dies zu Stuhlinkontinenz führen. 

Folgende Ursachen können für eine Stuhlinkontinenz verantwortlich sein:

  • Verletzungen, zum Beispiel durch eine Geburt oder eine Operation. Dadurch kann eine gestörte Funktion des Schließmuskels resultieren. Auch die Nervenwahrnehmung am Darmausgang kann sich verändern.
  • Neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Demenz oder Schlaganfall
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie unter anderem Morbus Crohn.
  • Tumore in der Nähe des Enddarms, zum Beispiel Mastdarmkrebs
  • Beckenbodenschwäche
  • Darmträgheit und Verstopfung: Harter, festsitzender Stuhl kann den Darmausgang blockieren, so dass lediglich wässriger Stuhl ausgeschieden werden kann.
  • Prolaps (Vorfall) von Mastdarm oder Enddarm
  • Medikamente wie Abführmittel, Antidepressiva, Parkinson-Mittel
  • Hämorrhoiden (bei größerem Umfang)
  • In seltenen Fällen führen angeborene Fehlbildungen zu Stuhlinkontinenz.

Inkontinenz – wann zum Arzt?

Wer feststellt, dass Urin oder Stuhl nicht mehr gehalten werden können, auch wenn es nur Tröpfchen sind, die unkontrolliert abgehen, sollte seinen Arzt aufsuchen. Es ist wichtig, die Ursache für die Inkontinenz herauszufinden. Oft hilft bereits ein Training der Muskulatur, um wieder alles unter Kontrolle zu bringen. Es können jedoch auch ernste Erkrankungen vorliegen.

Inkontinenz – Diagnose

Der Arzt wird sich genau schildern lassen, welche Beschwerden vorliegen und auch die bisherige Krankengeschichte erheben (Anamnese). Mögliche Fragen, die gestellt werden, sind:

  • Wie lange leidet der Betroffene bereits an der Inkontinenz?
  • Gab es einen Auslöser dafür?
  • Wie oft werden Urin oder Stuhl ausgeschieden?
  • Besteht das Gefühl, Blase oder Darm nicht vollständig entleert zu haben?
  • Ist das Empfinden für eine gefüllte oder leere Blase vorhanden?
  • Kann wahrgenommen werden, ob der Darm gefüllt oder entleert ist?
  • In welchen Situationen treten unkontrollierter Urinabgang oder Stuhlabgang auf?
  • Kommt es dabei zu Schmerzen?
  • Hatte der Patient schon einmal eine OP? Bei einem Mann möglicherweise eine Prostata-Operation?
  • Wurde ein Kind entbunden? 
  • Welche Grunderkrankungen sind bekannt?

Der Umfang der anschließend eingeleiteten Untersuchungen hängt von der Schwere der Symptome ab. In der Regel werden folgende Schritte zur Diagnosestellung unternommen.

Körperliche Untersuchung

Die Untersuchung von äußeren Genitalien und Enddarm kann möglicherweise Hinweise auf den Grund für die Inkontinenz geben. Zum Beispiel können so Fisteln oder eine vergrößerte Prostata erkannt werden. Ebenso lässt sich der Spannungszustand der Schließmuskeln feststellen.

Eine gynäkologische Untersuchung bei der Frau kann Aufschluss über eine mögliche Senkung von Gebärmutter oder Scheide geben.

Laboruntersuchung

Abhängig von der vermuteten Ursache werden zusätzlich Laboruntersuchungen vorgenommen. Besteht beispielsweise der Verdacht auf eine Entzündung oder Infektion, werden Blut- und Urinwerte analysiert.

Bildgebende Verfahren

Je nach vermuteter Inkontinenz-Ursache werden verschiedene bildgebende Verfahren für die Diagnostik herangezogen.

Ultraschalluntersuchungen: bei Harninkontinenz lässt sich die Restharnmenge abschätzen. Ebenso können Blasen- und Nierensteine, Tumore oder angeborene Fehlbildungen sichtbar gemacht werden.

Röntgenkontrastaufnahmen: Blase oder Enddarm werden mit einem Kontrastmittel angereichert. Während des Wasserlassens oder Stuhlgangs werden dann Röntgenaufnahmen erstellt. Man kann so eventuelle Fehlfunktionen von Blase oder Enddarm feststellen, aber auch Aus- bzw. Einstülpungen und innere Vorfälle (Prolaps) sehen.

Blasenspiegelung oder Darmspiegelung: Die Untersuchung kann Aufschluss über Schleimhautentzündungen oder vorhandene Tumore geben.

Urodynamik: Die urodynamische Untersuchung hilft dabei, bei Harninkontinenz die Blasenfunktion zu beurteilen.

Inkontinenz – Behandlung

Nachdem Haus- oder Facharzt die Diagnose gestellt haben, kann eine ursachenspezifische Therapie eingeleitet werden. Diese richtet sich nach dem jeweiligen Auslöser der Inkontinenz. 

Behandlungsmöglichkeiten bei Harninkontinenz

Wurde beispielsweise eine Belastungsinkontinenz festgestellt, kann ein Beckenbodentraining helfen, die Muskulatur wieder zu kräftigen. Patienten lernen so, die Belastungen des Beckenbodens im Alltag zu vermindern und falsche Anspannungsgewohnheiten abzulegen.

Bei unfreiwilligem Harnverlust kann auch ein Biofeedbacktraining sinnvoll sein. Wer seine Beckenbodenmuskulatur oder auch die Schließmuskeln nicht gut wahrnimmt, kann das mittels dieser Methode trainieren. 

Mit einer Elektrotherapie kann die Beckenbodenmuskulatur passiv – durch elektrische Impulse – trainiert werden. Die Behandlung ist schmerzfrei.

Ein Blasen- oder Toilettentraining unterstützt dabei, das geregelte Entleeren der Blase wieder zu erlernen. Dazu führt der Patient ein sogenanntes Miktionsprotokoll (Trink- und Toilettenprotokoll). Auf dessen Basis wird der Arzt dann einen Plan erstellen, der zeigt, wie viel künftig an Flüssigkeit aufgenommen werden darf und wie häufig zur Toilette gegangen werden sollte. 

Besteht eine Reflexinkontinenz, kann es sein, dass die Blase regelmäßig über einen Katheter entleert werden soll. Hormonbehandlungen sind dann sinnvoll, wenn die Inkontinenz bei Frauen aufgrund eines Östrogenmangels hervorgerufen wurde. 

Auch Medikamente können in einigen Fällen unterstützend wirken. So setzt man bei einer Dranginkontinenz zum Beispiel krampflösende Mittel ein. Alpharezeptorenblocker können bei der Überlaufinkontinenz den Blasenverschluss lockern oder bei Reflexinkontinenz die spontane Aktivität der Harnblasenmuskulatur hemmen.

Operationen sind bei einem Verschluss durch eine Fistel oder auch bei vergrößerter Prostata sinnvoll. 

Wenn keine der üblichen Therapiemaßnahmen anschlägt, können chirurgische Eingriffe auch in anderen Fällen sinnvoll sein. Zum Beispiel: Verschließen der Harnröhre durch einen künstlichen Schließmuskel oder eine adjustierbare Schlinge, Stabilisierung der Harnröhre mittels Kollagen oder Silikon oder die Implantierung eines Blasenschrittmachers. 

Behandlungsmöglichkeiten bei Stuhlinkontinenz

Viele Therapien für den unkontrollierten Abgang von Stuhl sind auch auf eine Stärkung der Muskulatur ausgerichtet. So greifen hier, wie bei der Harninkontinenz, Beckenbodentraining, Toilettentraining und Elektrotherapie. Außerdem besteht die Möglichkeit, einen Schrittmacher zu implantieren. Er soll die Koordination zwischen Gehirn, Darm, Beckenboden und Schließmuskel optimieren.

Zur Behandlung der Stuhlinkontinenz kommen auch Medikamente zum Einsatz: Mobilitätshemmer unterstützen Patienten bei der Reduzierung von häufigem Stuhlgang. Die Wirkung besteht in der Hemmung der Darmperistaltik. Abführmittel wiederum sorgen für das gezielte Ausscheiden des Stuhls.

Operationen sind dann sinnvoll, wenn beispielsweise ein verletzter Schließmuskel genäht werden muss. Oder wenn der Dickdarm aufgrund einer Beckenbodenschwäche abgesunken ist und wieder am Kreuzbein fixiert werden soll. Die Option, einen künstlichen Schließmuskel zu erhalten, besteht auch bei der Stuhlinkontinenz.

Homöopathie bei Inkontinenz

Die homöopathische Anamnese setzt den Fokus auf individuelle, ungewöhnliche und auffallende Symptome des Patienten. Auch bestimmte Vorlieben und Abneigungen helfen dem behandelnden Homöopathen bei der Bestimmung der passenden Arzneimittel. So werden bei Harninkontinenz unter anderem folgende Mittel empfohlen:

  • Alumina
  • Kalium phosphoricum
  • Xerophyllum

Akupunktur bei Inkontinenz

Die chinesische Medizin geht davon aus, dass bestimmte Störungsmuster im Körper für Inkontinenz verantwortlich sein können. Entsprechend der traditionellen Vorstellung umfasst das chinesische Nierensystem „Shen“ neben der Nierenfunktion auch die Funktion aller Urogenitalorgane (Harn- und Geschlechtsorgane). Urologischen Erkrankungen liegt demnach häufig eine Schwächestörung des Nierensystems zugrunde. Symptome sind unter anderem Funktionsstörungen der Harnwege, Schwächegefühl, Müdigkeit, Abnahme der Libido. Die Behandlung von Harninkontinenz mittels Akupunktur kann laut TCM (Traditioneller Chinesischer Medizin) in vielen Fällen erfolgversprechend sein.

Inkontinenz bei älteren Menschen

Harninkontinenz im Alter ist keine Seltenheit. Viele Menschen leiden dann unter dem belastenden Symptom, denn mit zunehmenden Lebensjahren verändert sich die Struktur des Blasenmuskels. Es kommt häufig zu Störungen der neurogenen Steuerung (zum Beispiel durch einen Schlaganfall, Multiple Sklerose, Diabetes mellitus) und durch altersbedingte Veränderungen der Anatomie des unteren Harntraktes. Auch medikamentöse Nebenwirkungen können Inkontinenz auslösen. Wichtig ist, die Ursache von einem Arzt untersuchen zu lassen. Häufig liegt auch nur eine schwache Beckenbodenmuskulatur vor oder eine nervöse Blase. Dann helfen gezieltes Beckenbodentraining, Medikamente oder in manchen Fällen auch eine Operation.

Inkontinenz bei Frauen

Die am häufigsten auftretende Form der Inkontinenz bei der Frau ist eine Belastungsinkontinenz. Husten, Niesen, Laufen oder Treppensteigen können zu einem erhöhten Druck auf die Blase führen und somit eine Störung im Bereich des Harnröhrenverschlusses auslösen. Es kommt zu unfreiwilligem Urinverlust. Ursache dieser Blasenschwäche sind meist eine schwache Beckenbodenmuskulatur und/oder eine Schädigung des Bandhalteapparates. Schwangerschaft und Geburt führen zu einer starken Dehnung der Beckenbodenmuskulatur bzw. des Bindegewebes, häufig reißt das Gewebe auch ein. Schwere körperliche Arbeit, Übergewicht und chronische Bronchitis können ebenfalls Auslöser sein. Aber auch Gebärmuttersenkungen und Scheidensenkungen verursachen oftmals die typischen Symptome einer Belastungsinkontinenz.

Bei der Behandlung setzt man in der Regel auf eine sogenannte konservative Therapie:

  • Training der Beckenbodenmuskulatur
  • Gewichtsreduktion
  • Lebensstiländerungen, zum Beispiel

    • Einstellen des Rauchens (bei chronischem Husten mit Urinabgang)
    • Vermeidung harntreibender Lebensmittel wie Kaffee und schwarzem Tee
    • weniger Trinken am Abend, um nachts seltener zur Toilette zu müssen
    • Reduzierung von Stress
    • Erlernen von Entspannungstechniken

  • Östrogentherapie (wenn die Inkontinenz während oder nach der Menopause aufgrund eines Mangels an Östrogen bei der Frau auftritt

Von Dranginkontinenz sind Frauen ebenfalls oft betroffen. Es kommt dabei zu häufigem, nicht unterdrückbarem Harndrang mit unwillkürlichem Urinverlust. Rund 20 bis 40 Prozent der Betroffenen leiden sowohl unter Belastungs- als auch unter Dranginkontinenz. Die sogenannte überaktive Blase tritt bei der Frau meist nach einer Schwangerschaft, vor allem jedoch im Alter auf. Auch ein Mangel an Östrogen während der Wechseljahre gilt als Auslöser. Weitere Ursachen sind Harnleiter- und Blasensteine, Harnwegsentzündungen, Tumore und neurologische Erkrankungen.

Bei der Behandlung setzt man unter anderem auf:

  • Blasentraining
  • Miktionstagebuch
  • Östrogentherapie
  • Operation: Ist der Auslöser der Dranginkontinenz eine Senkung der Blase und der Gebärmutter- Scheidenregion, kann die überaktive Blase durch einen Senkungseingriff in vielen Fällen geheilt werden. 

Inkontinenz – ICD-Code

Jeder Krankheit ist in der Medizin ein eigener ICD-Code zugeordnet. Die Abkürzung ICD (englisch) steht dabei für International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems. Das Klassifizierungssystem ist weltweit anerkannt und eines der wichtigsten für medizinische Diagnosen. So wird beispielsweise Belastungsinkontinenz unter dem ICD-Code „N39.3“erfasst. Häufig hilft die Eingabe dieser Codes auch bei der Recherche im Internet weiter.

Inkontinenz – Wie finde ich das richtige Krankenhaus?

Auf der Suche nach einem passenden Krankenhaus, das sich mit der Behandlung von Inkontinenz gut auskennt erhält man über die Webseite www.aerzteblatt.deeinige hilfreiche Verlinkungen. Unter anderem zu www.weisse-liste.de, www.kliniken.deund www.krankenhaus.de. Eine besonders umfassende Übersicht bietet die Seite www.kliniken.de. Hier sind aktuell 3.846 Krankenhäuser aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gelistet. Zusätzlich gibt es detaillierte Informationen zu Fachabteilungen der Kliniken sowie Qualitätsberichte.

Auf die Startseite von www.kliniken.degehen: Unter dem Menüpunkt „Top-10“ kann man speziell nach Krankheiten und Diagnosen suchen. Für Inkontinenz beispielsweise, klickt man hier in der linken Spalte (unter „Krankheiten und Diagnosen nach ICD10“) auf das Feld 

„XVIII Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind“. Dann noch einmal auf das Feld darunter klicken „R30-R39 Symptome, die das Harnsystem betreffen“. Anschließend auf das Feld „R32 Nicht näher bezeichnete Harninkontinenz“ gehen. Dann erscheinen rechts davon die gesuchten Krankenhäuser, sortiert nach dem Ranking ihrer Fallzahlen. Auf Platz 1 findet sich das St. Josefs-Krankenhaus in Potsdam, auf Platz 2 die Paracelsus-Klinik in Henstedt-Ulzburg und Platz 3 belegt das Klinikum in den Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg, usw.

Inkontinenz – Was bezahlt die Krankenkasse und was muss man selbst bezahlen?

Angehörige einer gesetzlichen Krankenversicherung haben grundsätzlich ein Recht auf stationäre sowie ambulante Versorgung, auf Arzneimittel und weitere Leistungen. In aller Regel sind jedoch bestimmte Eigenleistungen (Zuzahlungen) gesetzlich festgeschrieben. Diese Zuzahlungen betragen 10 Prozent der Kosten, pro Zuzahlung aber maximal 10 Euro. Kostet die Leistung weniger als 5 Euro, hat der Versicherte den tatsächlichen Preis zu entrichten.

Bei Arzneimitteln gelten diese Grenzen ebenfalls. Wenn der Betroffene ein besonders preiswertes Präparat erhält, entfällt die Zuzahlung. Dabei dürfen die Krankenkassen feste Beträge bestimmen, die sie erstatten, sofern mehrere Präparate mit gleichem Wirkstoff erhältlich sind. Arzneimittel, deren Preis 30 Prozent unter diesem Festbetrag liegt, werden von den Krankenkassen ohne Zuzahlung erstattet.

Zudem besteht die Regelung, dass die GKV bei bestimmten Präparaten nicht mehr den Einzelpreis des jeweiligen Arzneimittels erstatten muss, sondern nur den Festbetrag, der für eine Gruppe von vergleichbaren Präparaten festgelegt wurde. Ist das verschriebene Medikament teurer, muss der Patient den Mehrpreis selbst zahlen plus der gesetzlichen Zuzahlung für den erstatteten Kostenanteil.

Zuzahlungen fallen ebenfalls bei einem Krankenhausaufenthalt an. Sie betragen 10 Euro pro Kalendertag, wobei die Zuzahlung nur für maximal 28 Tage pro Jahr geleistet werden muss. Dabei können mehrere Krankenhausaufenthalte in einem Jahr zusammengenommen werden, so dass die maximale Zuzahlung bei stationärer Behandlung 280 Euro pro Kalenderjahr beträgt.

Bei häuslicher Krankenpflege werden einmalig zehn Euro für die Verordnung fällig. Darüber hinaus sind 10 Prozent pro Tag als Eigenanteil zu tragen. Die Zuzahlung ist auf 28 Kalendertage pro Kalenderjahr begrenzt und wird nur bei Erwachsenen über 18 Jahren erhoben. Auch bei häuslicher Krankenpflege gilt die Obergrenze von 280 Euro pro Kalenderjahr. Zuzahlungen für Krankenhausaufenthalte werden bei der Obergrenze der Zuzahlung für häusliche Krankenpflege angerechnet.

Wenn die Kosten für eine Haushaltshilfe von der Krankenkasse übernommen werden, müssen Versicherte eine Zuzahlung in Höhe von 10 Prozent der anfallenden Kosten leisten. Die Grenzen liegen bei mindestens 5 und maximal 10 Euro pro Kalendertag. Diese Zuzahlungspflicht gilt für den gesamten Zeitraum, in dem eine Haushaltshilfe in Anspruch genommen wird.

Bei Hilfsmitteln müssen Versicherte eine Zuzahlung in Höhe von 10 Prozent des Abgabepreises leisten, wobei ebenfalls eine Ober- und Untergrenze von 10 und 5 Euro pro Verordnung gelten.

Die Höhe der Zuzahlungen für Rehabilitationsmaßnahmen hängt von der Maßnahme und vom jeweiligen Kostenträger ab.

Die Kosten einer klassischen Körperakupunktur werden von allen gesetzlichen Krankenkassen, bei chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule oder bei Kniegelenkarthrose, übernommen. Der Leistung wird vorausgesetzt, dass die Schmerzen seit mindestens sechs Monaten bestehen. In solchen Fällen haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf bis zu zehn Akupunktursitzungen pro Krankheitsfall innerhalb von maximal sechs Wochen. Eine erneute Behandlung kann frühestens zwölf Monate nach Abschluss der letzten Akupunkturbehandlung erfolgen. Die Krankenkasse erstattet die Kosten nur, wenn die Behandlung von einem qualifizierten Arzt durchgeführt wird. Akupunktur bei einem Heilpraktiker wird nicht übernommen. Die Kosten sind dann privat zu leisten.

Inkontinenz – Was übernimmt die DFV?

Die ambulante Krankenzusatzversicherung DFV-AmbulantSchutz erstattet Ihnen gesetzlich vorgesehene Zuzahlungen für Arznei-, Verbands-, Heil- und Hilfsmittel und die Fahrtkosten im Rahmen einer ambulanten Behandlung. Der DFV-AmbulantSchutz bietet Ihnen zudem erweiterte Vorsorgeleistungen und steht Ihnen auch finanziell zur Seite, wenn eine schwere Krankheit festgestellt wird.

Im Falle einer Erkrankung warten Sie mit der Krankenhauszusatzversicherung DFV-KlinikSchutz Exklusiv nicht länger als 5 Tage auf einen Termin bei einem spezialisierten Facharzt.

Sie profitieren zudem von Chefarztbehandlung, Einbettzimmer, freier Krankenhauswahl und Krankenhaustagegeld bei einem stationären Klinikaufenthalt. Der DFV-KlinikSchutz macht Sie zum Privatpatienten im Krankenhaus inkl. Auslandskrankenversicherung.

FAQs zum Thema Inkontinenz

Woran merkt man, ob man inkontinent ist?

Unkontrollierter Verlust von Harn oder Stuhl bzw. Darmgasen deutet auf eine Inkontinenz hin. Wer darunter leidet, sollte für eine sichere Diagnose den Arzt konsultieren. Abhängig von der spezifischen Ursache der Harn- oder Stuhlinkontinenz, kann dann eine gezielte Behandlung erfolgen.

Wie entsteht Inkontinenz?

Eine Blasenschwäche kann verschiedene Ursachen haben. So kann beispielswiese eine Operation, beim Mann an der Prostata, eine Harninkontinenz auslösen. Aber auch eine schwache Beckenbodenmuskulatur ist häufig Grund für unwillkürlichen Urinverlust. Ebenso gelten neurologische Erkrankungen, Tumore oder Infekte als mögliche Auslöser. Medikamentöse Behandlungen mit Diuretika, Antidepressiva oder Neuroleptika können die Symptome verstärken. Auch psychische Belastung kann bei einer Frau oder einem Mann zu Inkontinenz führen. Gewissheit über die Ursache bringt eine gründliche ärztliche Untersuchung. 

Wie kann man Blasenschwäche vorbeugen?

Vor Inkontinenz kann man sich nicht grundsätzlich schützen. Mit einer gut trainierten Beckenbodenmuskulatur ist es aber möglich, einer Belastungsinkontinenz vorzubeugen. Außerdem ist es sinnvoll, Übergewicht zu vermeiden, denn ein hohes Gewicht erhöht den Druck auf die Bauchhöhle und dies kann eine Blasenschwäche auslösen oder verstärken. Ebenso wird empfohlen, Toilettengänge sinnvoll einzuteilen: Denn zu häufiges Wasserlassen, birgt das Risiko, dass sich die Blase an kleine Urinmengen gewöhnt und dann keine größeren Mengen mehr speichern kann. Wer zu selten Wasser lässt, dessen Blasenmuskulatur kann sich überdehnen und das führt unter Umständen zu Funktionsstörungen.

Wer behandelt Inkontinenz?

Betroffene, die unfreiwillig Urin oder Stuhl verlieren, können sich zuerst an ihren Hausarzt wenden. Abhängig von der Ausprägung der Symptomatik und der vermuteten Ursache kann er dann beispielsweise an einen Urologen, Gynäkologen oder anderen Facharzt überweisen. 

Wo erhalte ich weitere Informationen über Inkontinenz?

Betroffene Frauen und Männer können sich für Informationen und Tipps an eine der bundesweit aktiven Selbsthilfegruppen wenden, beispielsweise an die Inkontinenz Selbsthilfe e.V.: www.inkontinenz-selbsthilfe.com. Aber auch an die Deutsche Kontinenz Gesellschaft: www.kontinenz-gesellschaft.de. Für Frauen, die an Inkontinenz leiden, ist außerdem die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe Ansprechpartner: www.dggg.de.

Alle Angaben ohne Gewähr.                                                                                                                      

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