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Gicht: Ursachen, Symptome, Behandlung

Schmerzende und entzündete Gelenke können ein Hinweis auf Gicht sein. Die weit verbreitete Stoffwechselstörung beruht auf einem erhöhten Harnsäurespiegel im Blut. Zur Linderung der typischen Symptome kann man selbst beitragen.


Inhaltsverzeichnis

SOS – Erste-Hilfe-Tipps bei Gichtanfällen

Oft stellt sich ganz plötzlich eine starke Schmerzattacke in den kleinen Gelenken ein. Sehr häufig im Großzehengelenk, manchmal auch im Knie. Dabei kann es sich typischerweise um einen akuten Gichtanfall handeln. Die Beschwerden sind nicht selten so stark, dass jede Berührung an der betroffenen Stelle extreme Schmerzen bereitet. Ein Gichtanfall kann Tage, manchmal sogar Wochen, anhalten. Die Dauer des Anfalls lässt sich jedoch durch gezielte Behandlung verkürzen.

Die Betroffenen sollten viel Flüssigkeit (mindestens zwei Liter am Tag) trinken, um die auslösenden Harnsäureüberschüsse so weit wie möglich aus dem Körper zu spülen. Am besten eignen sich hierfür Wasser oder Kräutertee. Auf keinen Fall aber sollten Obstsäfte oder Bier (auch kein alkoholfreies Bier) getrunken werden. Diese Getränke erhöhen den Harnsäurespiegel im Blut zusätzlich und können die Beschwerden noch verstärken. Zur Akutbehandlung des Gichtanfalls verschreibt der Arzt in der Regel entzündungshemmende Schmerzmittel. Mit einer Selbstmedikation sollte man sich zurückhalten. Manche Schmerzmittel, wie zum Beispiel ASS, erhöhen den Harnsäurespiegel ebenfalls und verursachen womöglich eine Verschlechterung der Beschwerden. Geeignete Mittel für die Linderung eines Gichtanfalls sind:

  • NSAR, wie Diclofenac oder Indometacin. Die nichtsteroidalen Antirheumatika bewirken meist ein Nachlassen der Schmerzen innnerhalb weniger Stunden. Nicht geeignet bei eingeschränkter Nierenfunktion!
  • Kortisolhaltige Glukokortikoide, wie Prednisolon als Tablette oder Spritze
  • Colzichin – wird allerdings von einigen Patienten wegen bekannter Nebenwirkungen schlechter vertragen (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall) und daher selten verordnet.

Was ist Gicht?

Während der Stoffwechselprozesse im Körper entsteht Harnsäure. Das ist ein normaler Vorgang beim Abbau von bestimmten Stoffen (Purine), die in Lebensmitteln und Genussmitteln, aber auch in den eigenen Körperzellen enthalten sind. Diese Purine werden unter anderem in Harnsäure umgewandelt und über die Nieren aus dem Körper ausgeschieden. Gicht ist eine Stoffwechselstörung, bei der die Ausscheidung der Harnsäure über den Urin nicht im ausreichenden Maß erfolgt. Dies führt dazu, dass kristallisierte Harnsäure im Körper eingelagert wird. In den Gelenken, in der Haut, später auch in den Nieren und anderen Organen. Diese Anreicherung im Gewebe führt zu schmerzhaften Entzündungen und weiteren Folgeerkrankungen.

Gicht kann entstehen, wenn dem Körper zu viele Purine zugeführt werden. Zum Beispiel durch den übermäßigen Konsum von Fleisch, Innereien, Fisch oder auch Bier. Erkranken kann man aber auch, wenn normale Mengen an Purinen aufgenommen werden. Dann liegt das Problem darin, dass der Körper die anfallende Harnsäure nicht mehr in ausreichendem Maß ausscheiden kann. In diesem Fall filtert die Niere nicht genug Harnsäure aus. Meistens handelt es sich hierbei um eine angeborene Störung. Man nennt diese Form der Erkrankung primäre Gicht. Dazu zählt auch das Lesch-Nyhan-Syndrom. Bei dieser seltenen Stoffwechselstörung produziert der Körper selbst soviel Harnsäure, dass die Nieren den Stoff nicht mehr komplett mit dem Urin ausscheiden können.

Bei einer sekundären Gicht steht hinter der Stoffwechselstörung eine andere Krankheit. Zum Beispiel, wenn durch Leukämie eine sehr große Zahl an Blutzellen abstirbt. Der Abbau der Zellen setzt in der Folge Purine frei, die zum Anfall großer Harnsäure-Mengen führt. Einen zu hohen Harnsäurespiegel können ebenso Tumore, Anämie, Nierenkrankheiten oder Diabetes mellitus verursachen. Auch medizinische Behandlungen mit Röntgenstrahlung oder Zytostatika haben manchmal eine vergleichbare Auswirkung.

Ein weiterer Faktor für die Entstehung von Gicht ist Fehlernährung. Ein Zuviel an Fleisch, Fett, Fruktose und Alkohol treibt die Harnsäure-Werte in die Höhe und belastet Nieren und Gelenke. Eine Änderung der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten kann bereits eine Verbesserung der Gichterkrankung bewirken.

Nahrungsmittel, die bei Gicht gemieden werden sollten:

Stark purinhaltige oder für die Harnsäurewerte ungünstige Lebens- und Genussmittel können die Häufigkeit von Gichtanfällen erhöhen. Folgende Produkte sollten nicht mehr oder nur noch selten konsumiert werden:

  • Fleisch
  • Wurst
  • Geflügel (besonders die Haut)
  • Innereien
  • fetter Fisch (Sardinen, Hering, Sardellen)
  • Bier (auch alkoholfrei)
  • Spirituosen
  • Obstsäfte
  • Fruktose-haltige Süßspeisen und Fertiggerichte
  • Fettreiche Lebensmittel

Gicht – Symptome

Die Krankheit verläuft zunächst ohne spürbare Symptome. Diese Phase mit leicht erhöhten Harnsäurewerten nennt man Hyperurikämie. Das klassische Symptom der Gicht ist ein stark schmerzendes Gelenk der Großzehe während eines akuten Gichtanfalls. Es können aber auch andere Gelenke schmerzen, häufig im Bein oder Fuß. Bei vielen Betroffenen zeigen sich zudem Hautrötungen und Schwellungen, manchmal auch Hautjucken. Seltener schält sich darüber hinaus die Haut im betroffenen Bereich. Die schmerzende Körperpartie ist extrem berührungsempfindlich. Die Beschwerden halten über Stunden an, können sich aber auch über Tage erstrecken und lassen dann allmählich nach.

Manche Gichtpatienten leiden unter Entzündungssymptomen. Fieber und Kopfschmerzen sind begleitet von Schwäche und verminderter Leistungsfähigkeit. Einige Patienten klagen während des Gichtanfalls über Herzrasen. Die Gichtanfälle kommen typischerweise nachts. Mit anhaltender Gichterkrankung werden die Gelenke immer unbeweglicher und zeigen deutliche Deformationen. In den Nieren bilden sich Nierensteine. Auch in der Haut und anderen Organen lagern sich Harnsäurekristalle ab. Es entstehen Schäden, die teilweise nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Wenn die Beschwerden nicht mehr nur bei einem Anfall vorhanden sind, sondern sich permanent zeigen, handelt es sich um eine chronische Gicht.

Gicht – Ursachen

Die Ursache für Gicht liegt grundsätzlich im überhöhten Harnsäurespiegel. Die hohen Harnsäurewerte entstehen durch die mangelnde Fähigkeit, die überschüssige Harnsäure mit dem Urin auszuscheiden. Oder es wird im Rahmen der Stoffwechselprozesse im Körper zu viel Harnsäure produziert. Harnsäure bildet sich durch die Umwandlung von Purinen aus der Nahrung oder dem eigenen Körpergewebe. Harnsäure, die der Körper nicht ausscheiden kann, wird in Form von Kristallen im Körper eingelagert. Diese Einlagerungen in Gelenken und Organen sind es, die Probleme und Beschwerden verursachen.

Bei vielen Menschen ist die Anlage für die Entwicklung einer Gichterkrankung angeboren. Nicht selten wird Gicht aber auch durch eine andere Grunderkrankung ausgelöst. Viele Mediziner sehen in der Gicht nicht zuletzt auch eine Wohlstandskrankheit, denn in ärmeren Ländern kommt die Stoffwechselstörung nur selten vor.

Gicht – Verlauf

1. Stadium

Hyperurikämie: Die Harnsäurewerte sind leicht erhöht. Das bedeutet konkret, höher als der Grenzwert von 6,5 mg je dl. Dieses Stadium kann mehrere Jahre andauern, ohne dass sich Beschwerden einstellen. Man nennt die symptomfreie Phase daher asymptomatische Hyperurikämie.

2. Stadium

Akute Gicht: Der Harnsäurespiegel ist weiter gestiegen. Erstmals treten Gichtanfälle auf. Starke Schmerzen in den Gelenken mit ausgeprägter Berührungsempfindlichkeit zeigen sich – meist schon beim ersten Gichtanfall. Seltener Entzündungsreaktionen. Hautrötungen, Hautschwellungen, Hautjucken und Hautveränderungen an den schmerzhaften Stellen. Manchmal auch Fieber und Kopfschmerzen. Einige Patienten klagen über Herzjagen, Übelkeit und Erbrechen. Dazu kommen eingeschränkte Leistungsfähigkeit, Schwächegefühl und teilweise eine verminderte Beweglichkeit der Gelenke. Spätestens jetzt muss eine harnsäuresenkende Therapie begonnen werden.

3. Stadium

Interkritische Phase: Dieses Stadium beschreibt die Zeitspanne bis zum nächsten Gichtanfall. Die Harnsäurewerte sind häufig nicht mehr erhöht und die Patienten haben kaum oder keine Beschwerden.

4. Stadium

Chronische Gicht: Anhaltende Gelenkschmerzen mit Rötungen und Schwellungen. Die Beweglichkeit der Gelenke verschlechtert sich. Es zeigen sich Verformungen der kranken Gelenke. Harnsäurekristalle lagern sich in den Weichteilen ab. Es erscheinen weiß gefleckte Knötchen in der Haut der Hände und Füße sowie am Ohrknorpel. In der Niere bilden sich kleine Steine, die zusammenwachsen bis schließlich der Harnabfluss in die Blase behindert ist. Nierenentzündungen und Nierenversagen sind mögliche Folgen, die auf eine chronische Gicht zurückzuführen sind.

Gicht – Diagnose

Der Arzt erkundigt sich zunächst nach den konkreten Beschwerden der Patienten. Er fragt nach den Ernährungsgewohnheiten. Ihn interessiert auch, ob bei anderen Familienmitgliedern Gichtanfälle aufgetreten sind. Er möchte wissen, ob man regelmäßig Alkohol trinkt.

Bei der körperlichen Untersuchung werden Bauch und Gelenke abgetastet, um festzustellen, ob bereits Ablagerungen von Harnsäurekristallen spürbar sind. Auch Einschränkungen der Gelenkbeweglichkeit werden ermittelt. Durch eine Blutuntersuchung lässt sich der aktuelle Harnsäurespiegel messen. Dieser kann kurz nach einem erlittenen Gichtanfall aber auf Normalmaß gesunken sein. Unter Umständen ist eine spätere Kontrolluntersuchung notwendig. Parallel können im Blut auch Entzündungsmarker bestimmt werden. Erhöhter CRP-Wert, erhöhte Leukozyten-Zahl oder eine auffällige Blutsenkung sprechen für eine Erkrankung. Bei Gicht-Verdacht kann ebenfalls eine Untersuchung der Gelenkflüssigkeit zur Klärung beitragen.

Mögliche Gelenkschäden erkennt der Arzt auf Röntgenbildern. Auch Schäden an den Nieren können mit Röntgenstrahlen dargestellt werden. Dafür ist eine Kontrastmittelgabe nötig. Per Ultraschall lassen sich die Organe ebenfalls untersuchen. Wenn Nierenschäden zu befürchten sind, kann ein Nierenfunktionstest Anhaltspunkte für die weitere Therapie geben.

Gicht – Behandlung

Bei einem akuten Gichtanfall konzentriert sich der Arzt zunächst auf die Linderung der auftretenden Schmerzen und der Entzündungsreaktionen. Nicht alle Schmerzmittel sind geeignet. Bewährt haben sich nichtsteroidale Antirheumatika (außer bei eingeschränkter Nierenfunktion). Bei Bedarf werden diese ergänzt durch Kortison. Die Präparate führen meist innerhalb von Stunden zum Abklingen des Gichtanfalls. Erst dann geht der Arzt die eigentliche Ursache der Gicht an: den überhöhten Harnsäurespiegel. Eine Senkung kann durch konsequente Umstellung der Ernährung gelingen. Oft hilft aber nur die mehrjährige Einnahme von Medikamenten. Zwei Ansätze gibt es bei der medikamentösen Therapie. Zum einen Mittel, die für eine erhöhte Harnausscheidung sorgen (Urikosorika). Damit können zusätzliche Mengen von Harnsäure aus dem Körper ausgeschwemmt werden. Zum anderen Mittel, die die Harnsäureproduktion verringern und eingelagerte Harnsäure sogar teilweise abbauen können (Urikostatika).

Gelenk-OP bei Gicht

Wenn betroffene Gelenke zu stark verformt oder unbeweglich geworden sind, hilft unter Umständen nur noch eine Operation mit Ersatz durch ein künstliches Gelenk. Die OP erfolgt stationär im Krankenhaus. Mit der Unterstützung von Ergotherapeuten ist die Beweglichkeit der Patienten in der Regel sehr schnell wiederhergestellt. Im Vergleich zu den Schmerzen eines Gichtanfalls empfinden die meisten Patienten den Eingriff als eine geringere Belastung.

Physiotherapie bei Gicht

Die physikalische Behandlung der Krankheit soll Schmerzen lindern oder Bewegungseinschränkungen verringern. Durch Wärme, Kälte oder Muskelentspannung lässt sich der Schmerz in den Gelenken oft reduzieren. Spezielle Krankengymnastik entlastet die betroffenen Gelenke durch gezielten Muskelaufbau. Auch entstandene Fehlstellungen der Gelenke können in gewissen Grenzen wieder korrigiert und die Beweglichkeit verbessert werden.

Was kann man selbst tun bei Gicht?

Eine gesunde Ernährung kann schon eine Besserung bewirken. Neben dem weitgehenden Verzicht auf Lebensmittel und Getränke, die viel Purine enthalten (s.o.), können auch einfache Umstellungen der Lebensgewohnheiten hilfreich sein. Übergewicht begünstigt das Auftreten von Gicht. Wenn der Body-Mass-Index den Wert von 25 überschreitet sollte das Körpergewicht reduziert werden. Die Gewichtsabnahme darf aber nicht zu abrupt erfolgen. Strenge Fastenkuren können zu einem stark erhöhten Harnsäurespiegel führen. Regelmäßige sportlich Bewegung regt den Stoffwechsel an und hat einen positiven Einfluss auf die Beweglichkeit der Gelenke. Auch hier darf aber nicht übertrieben werden, um Überlastungen zu vermeiden. Ein wichtiger Tipp zum Schluss: Täglich mindestens zwei Liter Flüssigkeit trinken. Am besten Wasser oder ungesüßten Tee. Fruchtsäfte sind dagegen nicht geeignet, weil sie Fructose enthalten, die sich ungünstig auf die Harnsäurewerte auswirkt.

Homöopathie bei Gicht

Die Homöopathie setzt bei Gicht verschiedene Präparate ein. Die homöopathischen Mittel sollen gegen die typischen Schmerzen und Entzündungsreaktionen bei Gicht beziehungsweise einem akuten Gichtanfall helfen. Die Einnahme sollte vorher immer mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden. Je nach individueller Ausprägung der Symptome werden unter anderem diese Mittel vom homöopathischen Therapeuten empfohlen:

  • Colchicum bei Schmerzen, geschwollenen Gelenken, Berührungsempfindlichkeit, besonders abends und nachts
  • Ledum bei aufsteigenden Schmerzen in den Füßen
  • Causticum bei schubartig auftretenden Schmerzen
  • Belladonna bei akuten pulsierenden Schmerzen, Schwellungen an den betroffenen Stellen
  • Acidum benzoicum, wenn Gichtknötchen an den Gelenken abgelagert sind, wenn nachts Gichtanfälle am Grundgelenk der großen Zehe auftreten

Akupunktur bei Gicht

Wie in vielen Bereichen der Schmerztherapie wird Akupunktur häufig auch bei Gichtschmerzen zur Linderung der häufig sehr starken Beschwerden eingesetzt. Die Traditionelle Chinesische Medizin betrachtet Gicht als eine Leberstörung. Bei Gicht werden bis zu 14 Punkte am Körper mit Akupunkturnadeln behandelt. Manche Patienten berichten von einem vollständigen Nachlassen der Schmerzen unter der Behandlung. Weitere Aspekte der Stoffwechselstörung Gicht müssen allerdings zusätzlich mit anderen Mitteln therapiert werden (Ernährungsumstellung, medikamentöse Behandlung der überhöhten Harnsäurewerte). Akupunktur ist bei Gichtbeschwerden auch von der Schulmedizin als begleitende Therapie anerkannt.

Gicht bei älteren Menschen

Patienten, denen es gelingt, den Harnsäurespiegel konstant unter dem Grenzwert von 6,5 Milligramm je 100 ml Blutserum zu halten, haben auch bis ins hohe Alter eine gute Prognose. Ansonsten können sich Folge- und Spätschäden einstellen. Dazu zählen Nierensteine und Nierenschäden durch Ablagerung von Harnsäurekristallen. Die Schäden an den Gelenken können dauerhafte Bewegungseinschränkungen verursachen. Gicht kann sogar chronisch werden. Dann halten die bisher vorübergehenden Beschwerden eines Gichtanfalls dauerhaft an. Es lohnt sich also, die Harnsäurewerte durch Ernährungsumstellung oder Medikamenteneinnahme langfristig niedrig zu halten.

Gicht – ICD-Code

Jeder Krankheit ist in der Medizin ein eigener ICD-Code zugeordnet. Die Abkürzung ICD (englisch) steht dabei für International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems. Das Klassifizierungssystem ist weltweit anerkannt und eines der wichtigsten für medizinische Diagnosen. So wird Gicht unter dem ICD-Code: „M10“ erfasst. Häufig hilft die Eingabe dieses Codes auch bei der Recherche im Internet weiter.

Gicht – Was bezahlt die Krankenkasse und was muss man selbst bezahlen?

Angehörige einer gesetzlichen Krankenversicherung haben grundsätzlich ein Recht auf stationäre sowie ambulante Versorgung, auf Arzneimittel und weitere Leistungen. In aller Regel sind jedoch bestimmte Eigenleistungen (Zuzahlungen) gesetzlich festgeschrieben. Diese Zuzahlungen betragen 10 Prozent der Kosten, pro Zuzahlung aber maximal 10 Euro. Kostet die Leistung weniger als 5 Euro, hat der Versicherte den tatsächlichen Preis zu entrichten.

Bei Arzneimitteln gelten diese Grenzen ebenfalls. Wenn der Betroffene ein besonders preiswertes Präparat erhält, entfällt die Zuzahlung. Dabei dürfen die Krankenkassen feste Beträge bestimmen, die sie erstatten, sofern mehrere Präparate mit gleichem Wirkstoff erhältlich sind. Arzneimittel, deren Preis 30 Prozent unter diesem Festbetrag liegt, werden von den Krankenkassen ohne Zuzahlung erstattet.

Zudem besteht die Regelung, dass die GKV bei bestimmten Präparaten nicht mehr den Einzelpreis des jeweiligen Arzneimittels erstatten muss, sondern nur den Festbetrag, der für eine Gruppe von vergleichbaren Präparaten festgelegt wurde. Ist das verschriebene Medikament teurer, muss der Patient den Mehrpreis selbst zahlen plus der gesetzlichen Zuzahlung für den erstatteten Kostenanteil.

Zuzahlungen fallen ebenfalls bei einem Krankenhausaufenthalt an. Sie betragen 10 Euro pro Kalendertag, wobei die Zuzahlung nur für maximal 28 Tage pro Jahr geleistet werden muss. Dabei können mehrere Krankenhausaufenthalte in einem Jahr zusammengenommen werden, so dass die maximale Zuzahlung bei stationärer Behandlung 280 Euro pro Kalenderjahr beträgt.

Bei häuslicher Krankenpflege werden einmalig zehn Euro für die Verordnung fällig. Darüber hinaus sind 10 Prozent pro Tag als Eigenanteil zu tragen. Die Zuzahlung ist auf 28 Kalendertage pro Kalenderjahr begrenzt und wird nur bei Erwachsenen über 18 Jahren erhoben. Auch bei häuslicher Krankenpflege gilt die Obergrenze von 280 Euro pro Kalenderjahr. Zuzahlungen für Krankenhausaufenthalte werden bei der Obergrenze der Zuzahlung für häusliche Krankenpflege angerechnet.

Wenn die Kosten für eine Haushaltshilfe von der Krankenkasse übernommen werden, müssen Versicherte eine Zuzahlung in Höhe von 10 Prozent der anfallenden Kosten leisten. Die Grenzen liegen bei mindestens 5 und maximal 10 Euro pro Kalendertag. Diese Zuzahlungspflicht gilt für den gesamten Zeitraum, in dem eine Haushaltshilfe in Anspruch genommen wird.

Bei Hilfsmitteln müssen Versicherte eine Zuzahlung in Höhe von 10 Prozent des Abgabepreises leisten, wobei ebenfalls eine Ober- und Untergrenze von 10 und 5 Euro pro Verordnung gelten.

Die Höhe der Zuzahlungen für Rehabilitationsmaßnahmen hängt von der Maßnahme und vom jeweiligen Kostenträger ab.

Die Kosten für eine Schmerztherapie in einer Schmerzklinik übernimmt in der Regel jede gesetzliche Krankenkasse, da es sich um eine vertragsärztliche Leistung handelt. Allerdings können weitere Kosten (wie z. B. Zuzahlungen für Verordnungen) privat anfallen.

Die Kosten einer klassischen Körperakupunktur werden von allen gesetzlichen Krankenkassen, bei chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule oder bei Kniegelenkarthrose, übernommen. Der Leistung wird vorausgesetzt, dass die Schmerzen seit mindestens sechs Monaten bestehen. In solchen Fällen haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf bis zu zehn Akupunktursitzungen pro Krankheitsfall innerhalb von maximal sechs Wochen. Eine erneute Behandlung kann frühestens zwölf Monate nach Abschluss der letzten Akupunkturbehandlung erfolgen. Die Krankenkasse erstattet die Kosten nur, wenn die Behandlung von einem qualifizierten Arzt durchgeführt wird. Akupunktur bei einem Heilpraktiker wird nicht übernommen. Die Kosten sind dann privat zu leisten.

Gicht – Was übernimmt die DFV?

Die ambulante Krankenzusatzversicherung DFV-AmbulantSchutz erstattet Ihnen gesetzlich vorgesehene Zuzahlungen für Arznei-, Verbands-, Heil- und Hilfsmittel und die Fahrtkosten im Rahmen einer ambulanten Behandlung. Der DFV-AmbulantSchutz bietet Ihnen zudem erweiterte Vorsorgeleistungen und steht Ihnen auch finanziell zur Seite, wenn eine schwere Krankheit festgestellt wird.

Im Falle einer Erkrankung warten Sie mit der Krankenhauszusatzversicherung DFV-KlinikSchutz Exklusiv nicht länger als 5 Tage auf einen Termin bei einem spezialisierten Facharzt.

Sie profitieren zudem von Chefarztbehandlung, Einbettzimmer, freier Krankenhauswahl und Krankenhaustagegeld bei einem stationären Klinikaufenthalt. Der DFV-KlinikSchutz macht Sie zum Privatpatienten im Krankenhaus inkl. Auslandskrankenversicherung.

FAQ zum Thema Gicht

Wie häufig kommt Gicht in der Bevölkerung vor?

In Deutschland haben etwa zwei Prozent der Erwachsenen eine Gichterkrankung. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. In der Regel zeigen sich erste Symptome im Alter zwischen vierzig und sechzig Jahren. Die Anlagen für die Krankheit sind meist angeboren. Ein ungünstiger Lebensstil kann der Entstehung von Gicht aber Vorschub leisten. Gicht zählt wie Typ-2-Diabetes zu den typischen Zivilisationskrankheiten, die hauptsächlich in wohlhabenden Ländern vorkommen.

Zu welchem Arzt bei Gicht?

Während oder spätestens nach einem erstmals aufgetretenen Gichtanfall sollte unbedingt medizinischer Rat gesucht werden. So kann man einen folgenden Anfall erfolgreich abmildern oder herauszögern. Sowohl der Hausarzt als auch der Internist sind die richtigen Ansprechpartner für die Therapie. Häufig werden erhöhte Harnsäurewerte als Zufallsbefund bei einer Laboruntersuchung ermittelt. Auch hier ist es sinnvoll mit dem Arzt zu sprechen, ob vorbeugend etwas gegen die Erkrankung unternommen werden kann.

Wie kommt es zu einem akuten Gichtanfall?

Stark erhöhte Harnsäurewerte können einen akuten Gichtanfall auslösen. Dem erhöhten Harnsäurespiegel liegen unterschiedliche Auslöser zu Grunde: übermäßiger Genuss von Fleisch und Innereien, reichlich mit Fructose gesüßte Säfte oder Alkohol. Ein weiterer Risikofaktor ist eine strikte Fastenkur. Auch bestimmte Medikamente können einen Anfall verursachen, genauso wie eine anstrengende sportliche Betätigung, die mit Muskelkater verbunden ist. Der Gichtanfall kommt häufig in der Nacht und zeigt sich meist durch starke Schmerzen in der großen Zehe oder im Knie.

Woran erkennt man eine Gichterkrankung?

Schon vor dem ersten Gichtanfall kann die Krankheit festgestellt werden. Meistens als Zufallsbefund bei einer Blutuntersuchung. Es werden hierbei erhöhte Harnsäurewerte gemessen. Diese, noch symptomfreie, Phase nennt man Hyperurikämie. Erst bei einer weiteren Verschlechterung des Harnsäurespiegels können dann anfallsartig starke Gelenkschmerzen am Fuß oder Knie auftreten. Weitere typische Symptome sind Hautrötungen und Entzündungsreaktionen. Die Schmerzen halten Stunden oder manchmal sogar Tage an. Mit ärztlicher Hilfe können die Schmerzen gelindert und die Länge des Gichtanfalls verkürzt werden.

Welche Hausmittel helfen bei Gicht?

Bei einem akuten Gichtanfall können kühlende Umschläge am betroffenen Gelenk für Erleichterung sorgen: Mit kaltem Wasser angefeuchtete Tücher oder Quarkwickel, die länger anhaltend kühlen, werden auf die schmerzende Stelle gelegt. Wenn das nicht hilft, kann Wärme eine positive Wirkung bringen: Warme Bäder mit Kamillenblüten oder Heublumen entspannen die Muskeln und entlasten die Gelenke. Die Gelenke sollten in jedem Fall geschont werden. Ruhe ist hilfreich. Teetrinken ebenfalls. Am besten ein Aufguss mit harntreibenden Kräutern.

Quellen

  • Herold, Gerd et al: Innere Medizin, Herold Verlag, 2019
  • S2e-Leitlinie: Häufige Gichtanfälle und chronische Gicht, Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e.V., www.degam.de (Abruf 15.03.2021)
  • Langfassung zur S2e-Leitlinie: Gichtarthritis (fachärztlich), Evidenzbasierte Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) 2016, www.dgrh.de (Abruf 16.03.2021)
  • Ann Rheum Dis: ard.bmj.com (Abruf 18.03.2021)
  • Müller, Sven-David; Weißenberger, Christiane: Ernährungsratgeber Gicht, Verlag Schlütersche, 6. Auflage 2015
  • Rieke, H.E. Alten; Manger, Bernhard: Gicht – Der aktuelle Wissensstand zu Ätiologie, Pathogenese, Diagnostik, Klinik und Therapie, De Gruyter Verlag 2016
  • Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention: Ernährungstherapie bei Hyperurikämie und Gicht, 2020, www.fet-ev.eu (Abruf 17.03.2021)
  • HalloVita Verlag: www.hallo-homeopathie.de (Abruf 17.03.2021)
  • Deutsche Akupunktur Gesellschaft: www.deutsche-akupunktur-gesellschaft.de (Abruf 18.03.2021)

Alle Angaben ohne Gewähr.

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