Zahnfleischentzündung© Khosro

Zahnfleischentzündung (Gingivitis): Symptome & Behandlung

Aktualisiert am Erstellt am Uhr
Autor Text fachlich geprüft von Rumen Stanchev, Zahnarzt mit Behandlungs­schwerpunkte Alters­zahnmedizin, Kiefer­orthopädie, Implantologie, Prothetik
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Unter einer Zahnfleischentzündung versteht man im Volksmund eine entzündliche Veränderung des Zahnfleisches. Der medizinische Begriff für die Erkrankung im Mundraum lautet Gingivitis. Die Zahnfleischentzündung ist eine weitverbreitete Volkskrankheit. In Deutschland zeigen über 80 % der Erwachsenen Anzeichen einer Gingivitis.

Notfall-Tipps bei Zahn­fleisch­ent­zün­dung - Diese Haus­mittel helfen:

Gründliche und gute Mundhygiene: Bei empfindlichem Zahnfleisch sollten Sie eine weiche Zahnbürste sowie Zahnseide nutzen.

Kamille und Salbei: Spülen Sie Ihren Mund mehrmals täglich mit Kamillen- oder Salbeitee. Das wirkt desinfizierend und beruhigend auf das entzündete Zahnfleisch.

Salzwasser: Lösen Sie einen Teelöffel Salz in einem Glas Wasser auf. Die Lösung können Sie als Mundspülung nutzen oder direkt mit der Zahnbürste auf die betroffenen Stellen auftragen.

Apfelessig: Apfelessig regt den Speichelfluss an, wirkt entzündungshemmend und antibakteriell. Mischen Sie zwei Teelöffel Apfelessig mit einem Glas Wasser und gurgeln Sie damit eine halbe Stunde vor dem Zähneputzen.

Massage: Auch wenn Ihr Zahnfleisch blutet, empfehlen Zahnärzte dieses mit einer Zahnbürste zu massieren. Dadurch wird die Durchblutung angeregt und die Heilung beschleunigt.

Teebeutel: Legen Sie einen Teebeutel auf die entzündete Stelle und lassen ihn fünf Minuten einwirken. Am besten eignet sich dafür schwarzer Tee. Das darin enthaltene Tannin verschafft Linderung.

Ingwer: Ingwer wirkt entzündungshemmend und antibakteriell. Trinken Sie Ingwertee und gurgeln mehrmals täglich damit.

Kokosnussöl: Massieren Sie das Öl auf die betroffene Stelle.

Knoblauch: Knoblauch bekämpft die Infektion. Würzen Sie Ihre Speisen möglichst oft damit.

Lavendel: Gurgeln Sie damit oder trinken Sie Lavendel als Tee. Eine Mundspülung aus Wasser und drei Tropfen Lavendelöl ist ebenfalls empfehlenswert.

Ätherische Öle: Nelken-, Pfefferminz- und Teebaumöl können Sie als Mundspülung nutzen, indem Sie zwei bis drei Tropfen davon in ein Glas Wasser geben. Damit einfach mehrmals täglich gurgeln und danach den Mund ausspülen.

Was ist eine Zahnfleischentzündung?

Unter einer Zahn­flei­schent­zün­dung ver­steht man im Volks­mund eine ent­zünd­li­che Ver­än­de­rung des Zahn­flei­sches. Der me­di­zi­ni­sche Be­griff für Zahn­fleisch lau­tet Gin­gi­va. Das Zahn­fleisch bil­det ge­mein­sam mit dem Kie­fer­kno­chen und fei­nen Fa­sern den Zahn­hal­teap­pa­rat. Ei­ne Zahn­flei­schent­zün­dung (me­di­zi­nisch: Gin­gi­vi­tis) ent­steht in den meis­ten Fäl­len durch Bak­te­ri­en in der Mund­höh­le. Nach dem Es­sen bil­det sich durch Bak­te­ri­en Zahn­be­lag, die so­ge­nann­te Plaque. Bei man­gel­haf­ter Mund­hy­gie­ne ver­fes­tigt sich die­se Plaque in Form von Zahn­stein. Von dort aus kön­nen Bak­te­ri­en be­son­ders gut auf das Zahn­fleisch und den Zahn­hal­teap­pa­rat über­ge­hen und Ent­zün­dun­gen aus­lö­sen. Da­bei ist am häu­figs­ten der un­mit­tel­bar an den Zahn an­gren­zen­de Be­reich des Zahn­flei­sches be­trof­fen, ge­nau­er der Spalt zwi­schen Zahn und Zahn­fleisch. Oh­ne The­ra­pie kann aus der Zahn­flei­schent­zün­dung ei­ne Par­odon­ti­tis (Ent­zün­dung des Zahn­hal­teap­pa­rats) ent­ste­hen. Schlimms­ten­falls lo­ckern sich die Zäh­ne und fal­len schlie­ß­lich aus. Die Gin­gi­vi­tis tritt in ver­schie­de­nen For­men auf.

Die regelmäßige Entfernung festsitzender bakterieller Beläge durch den Zahnarzt dient der Gesunderhaltung von Zahn und Zahnfleisch. Die Kosten für eine professionelle Zahnreinigung (PZR) lassen sich durch eine private Zahnzusatzversicherung komplett abdecken.

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Formen der Gingivitis

Akute Zahnfleischentzündung

Die akute Zahn­flei­schent­zün­dung ist weit ver­brei­tet und tritt häu­fig schon im Ju­gend­al­ter auf. Sie be­ginnt in den Zahn­zwi­schen­räu­men -  das Zahn­fleisch ist ober­fläch­lich ent­zün­det (Zahn­flei­schrand oder Saum), der Kno­chen je­doch nicht be­trof­fen und sie lässt sich in al­ler Re­gel leicht be­han­deln. Er­kenn­bar ist sie an ei­ner Rö­tung und Schwel­lung des Zahn­flei­sches. Die Ur­sa­chen lie­gen meis­tens in me­cha­ni­schen und ther­mi­schen Rei­zen so­wie bak­te­ri­el­len Ver­un­rei­ni­gung aus der Plaque. Gu­te Mund­hy­gie­ne und un­ter­stüt­zen­de Mund­spü­lun­gen schaf­fen recht schnell Ab­hil­fe. Wird die Ent­zün­dung al­ler­dings nicht be­han­delt, geht sie in ei­ne chro­ni­sche Gin­gi­vi­tis über.

Chronische Zahnfleischentzündung

Eine chro­ni­sche Gin­gi­vi­tis gilt als die häu­figs­te Ent­zün­dung im mensch­li­chen Kör­per. Da­bei sind die Bak­te­ri­en be­reits vom Zahn­fleisch­saum zum Kie­fer vor­ge­drun­gen und schä­di­gen dort den ge­sam­ten Zahn­hal­teap­pa­rat. Das Zahn­fleisch bil­det sich zu­rück und Zahn­häl­se so­wie Zahn­wur­zeln lie­gen frei. Die Bak­te­ri­en ver­meh­ren sich wei­ter und füh­ren im schlimms­ten Fall zu ei­ner Par­odon­ti­tis und da­mit der Lo­cke­rung und dem Aus­fall der Zäh­ne.

Akute nekrotisierende und ulzeröse Zahnfleischentzündung (ANUG)

Bei der nekrotisierenden Gingivitis ist sogar das Zahnfleisch zwischen den Zähnen infiziert. Die Ursache liegt oftmals in einer ungesunden Lebensweise (Stress, Alkohol, Medikamente, Nikotin). Die Entzündung kann aber auch bei einem erschwertem (Weisheits-) Zahndurchbruch bei Kindern und Jugendlichen auftreten. Sie geht mit Vereiterungen (Ulzerationen) der Zahnzwischenräume und des Zahnfleisches einher. In schlimmen Fällen kommt es zur Entzündung der gesamten Mundschleimhaut (Stomatitis). Typische Symptome sind starke Schmerzen, fauliger Atem sowie Fieber. In jedem Fall ist eine zahnärztliche Behandlung notwendig, da es ansonsten zu schweren gesundheitlichen Komplikationen kommen kann. Eine Zahnzusatzversicherung für Kinder deckt viele Leistungen ab, die eine gesetzliche Krankenkasse nicht übernimmt.

Hormonelle Zahnfleischentzündung

Die hormonell be­ding­te Gin­gi­vi­tis tritt vor al­lem in der Schwan­ger­schaft, der Pu­ber­tät oder bei der An­ti­ba­by­pil­le auf und kann sich im schlim­men Fäl­len zu ei­ner hor­mo­nel­len Par­odon­ti­tis wei­ter­ent­wi­ckeln. Die Ent­zün­dung tritt im Nor­mal­fall nur vor­über­ge­hend auf. Das Zahn­fleisch schwillt an, so dass die schä­di­gen­den Bak­te­ri­en­stoff­wech­sel­pro­duk­te die­sen Schutz­wall des Kör­pers leich­ter pas­sie­ren kön­nen. Wei­ter­hin kön­nen die Hor­mo­ne das Wachs­tum und die Ver­meh­rung be­stimm­ter Keime fördern und es kommt zu Zahnfleischbluten. Zur Behandlung und Prophylaxe ist gute Mundhygiene unabdingbar.

Desquamative Gingivitis

Diese Form der Zahn­flei­schent­zün­dung tritt nur sehr sel­ten auf und ist äu­ßerst schmerz­haft. Be­trof­fe­ne lei­den un­ter star­kem Mund­bren­nen. Die obers­ten Zahn­fleisch­schich­ten wer­den un­ter Bla­sen­bil­dung ab­ge­sto­ßen. Die des­qua­ma­ti­ve Gin­gi­vi­tis stellt al­ler­dings kein ei­ge­nes Krank­heits­bild dar, son­dern ist in den meis­ten Fäl­len auf ei­ne an­de­re Er­kran­kung zu­rück­zu­füh­ren. Au­to­im­mun­er­kran­kun­gen und hor­mo­nel­le Stö­run­gen kön­nen bspw. die Ursache sein.

Wie kommt es zu einer Zahnfleischentzündung?

Mangelhafte Mundhygiene

Wer seine Zähne nicht ordentlich putzt, der bietet Keimen im Mund besten Nährboden um sich zu vermehren. Sie ernähren sich von den Speiseresten und verarbeiten sie zu Zahnbelag (Biofilm, Plaque), der auf den Zähnen haftet. In diesem Biofilm geben die Keime aggressive Stoffwechselprodukte, Säure und Giftstoffe ab, die ins Zahnfleisch gelangen. Es entsteht eine Entzündung – die Zahn­fleisch­ent­zün­dung. Die Plaque haftet fest auf den Zähnen und lässt sich nur schwer runterputzen. Haftet sie zu lange, dann lagern sich Mineralstoffe aus dem Speichel in den Zahnbelag ein und der Zahnbelag verfestigt sich zu Zahnstein. Dieser kann nur noch vom Zahnarzt entfernt werden.

Bakteriell verursachte Gingivitis

Erfolgt die Entfernung des Zahnsteins nicht umgehend, können sich auf der rauen Oberfläche des Zahnsteins umso leichter Bakterien ansiedeln. Die Plaque breitet sich dann noch weiter aus und gelangt tiefer in den Spalt zwischen Zahnfleisch und Zahn. Der Spalt vergrößert sich und es kommt zur Bildung von Zahnfleischtaschen. Sobald das passiert, handelt es sich bereits um eine Parodontitis, die letztlich sogar zum Verlust der Zähne führen kann.

Mechanische Reizungen

Zu weiteren Ursachen einer Gingivitis zählen auch mechanische Reizungen des Zahnfleischs z. B. durch überhängende Füllungen und unebene Kronenränder. Dabei ist keine bakterielle Infektion beteiligt.

Rauchen fördert die Entzündung

Ein begünstigender Faktor für jede Form der Entzündung des Zahnfleisches ist das Rauchen, denn dadurch verengen sich die Blutgefäße und behindern somit die Durchblutung und Selbstheilungskräfte des Zahnfleischgewebes. Darüber hinaus hat das Rauchen einen negativen Einfluss auf die Immunabwehr des menschlichen Körpers, was den Bakterien das Wachstum und die Ausbreitung in der Mundhöhle erleichtert.

Risikofaktoren für Zahnfleischentzündung

Ob sich eine Zahnfleischentzündung bildet, ist von individuellen Kriterien abhängig und keinesfalls nur eine Frage der Mundhygiene. Bei manchen Menschen kann eine leichte Plaquebildung bereits zu Entzündungen führen, während bei anderen starke Plaque keine Beschwerden hervorruft.

Folgende Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit für eine bakteriell bedingte Zahnfleischentzündung:

  • Mundatmung
  • geringer Speichelfluss
  • geschwächtes Immunsystem (z. B. durch HIV)
  • Leukämie (Blutkrebs)
  • chronische Krankheiten wie Diabetes mellitus
  • Rauchen
  • Stress
  • Schwangerschaft
  • Unterernährung
  • Anabolika
  • eng stehende Zähne
  • Karies
  • Alter, Pflegebedürftigkeit
  • bestimmte Medikamente gegen Bluthochdruck (Kalziumantagonisten mit dem Wirkstoff Nifedipin)
  • Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems bei Transplantationen, Blutdrucksenker, Arzneien gegen Epilepsie
  • Vitamin-C-Mangel

Zahnfleischentzündung Symptome:

Die Symptome einer Zahnfleischentzündung sind schwer erkennbar und werden deshalb oft übersehen.

Die häufigsten Symptome einer Gingivitis sind:

  • stark gerötetes Zahnfleisch
  • geschwollenes Zahnfleisch
  • Zahnfleischbluten
  • Mundgeruch

Gesundes Zahnfleisch hat normalerweise eine blass-rosafarbene Optik, füllt den Zwischenraum der Zähne vollständig aus und blutet nicht. Blutet das Zahnfleisch allerdings regelmäßig, muss es dringend zahnärztlich untersucht werden. In den meisten Fällen beginnt das Bluten während des Essens harter Lebensmittel oder während des Zähneputzens. In einigen Fällen genügt bereits leichter Druck, um das Zahnfleisch bluten zu lassen.

Zahnfleischentzündung: Untersuchungen und Diagnose

Eine Zahnfleischentzündung erkennt der Zahnarzt in den meisten Fällen mit bloßem Auge. Mit einer Sonde testet er die Beschaffenheit des Zahnfleischs und prüft, ob sich Zahnfleischtaschen gebildet haben, in denen sich Bakterien ansiedeln. Je nachdem wie schwerwiegend die Entzündung bereits ist, blutet das Zahnfleisch nach Kontakt mit der Sonde unterschiedlich stark. Mit dieser Methode überprüft der Zahnarzt den Parodontalen Screening Index (PSI). Dieser dient der Früherkennung von Krankheiten des Zahnhalteapparats.

Besteht die Zahnfleischentzündung bereits seit längerer Zeit, kann eine Röntgenuntersuchung des Kiefers sinnvoll sein. Somit können Ursache und mögliche Folgen bestimmt werden. Eine Untersuchung des Speichels gibt zudem Aufschluss über die Bakterienarten im Mundraum.

Zahnfleischentzündung: Behandlung

Was tun bei Zahnfleischentzündung? Tipps für zuhause

Das wichtigste Mittel gegen Zahnfleischentzündung ist die tägliche Mundhygiene:

  • zweimal täglich gründlich Zähne putzen
  • Zahnbürste mit weichen bis mittelharten Borsten verwenden
  • Zahnzwischenräume reinigen
  • antibakterielle Mundspül-Lösungen gurgeln oder eine spezielle Salbe auftragen

Zahnfleischentzündung: Homöopathie

Auch die Homöopathie hält Mittel bereit, um einer Zahnfleischentzündung entgegenzuwirken. Deren Wirksamkeit ist allerdings wissenschaftlich nicht eindeutig belegt.

Zu diesen Mitteln gehören:

  • Kalium phosphoricum
  • Erigeon canadensis
  • Carbo vegetabilis
  • Carbo animalis

Zahnfleischentzündung: Behandlung durch den Zahnarzt

Wenn Sie mit einer Zahnfleischentzündung den Zahnarzt aufsuchen, wird er zunächst alle Zahnflächen reinigen und hartnäckige Beläge entfernen. Die Plaque wird mittels Handinstrumenten und Ultraschallgeräten beseitigt und die Zahnflächen erhalten eine sanfte Polierung.

Je nach Schwere der Entzündung ist die Einnahme eines Antibiotikums erforderlich. Dies kann auch bereits im Vorfeld der zahnärztlichen Behandlung geschehen. Bei den schweren und chronischen Formen der Parodontitis ist unter Umständen ein chirurgischer Eingriff erforderlich, um das entzündliche Gewebe gründlich zu entfernen und eine Ausbreitung des Entzündungsherdes zu verhindern. Sind die Zähne oder der Kieferknochen in Mitleidenschaft gezogen, schließt sich an die Behandlung der akuten Entzündungssymptome die Versorgung des Zahnbestandes sowie eventueller Zahnersatz durch Implantate an.

Folgen einer Zahnfleischentzündung

Wird eine Zahnfleischentzündung nicht behandelt, kann sie sich zu einer Parodontitis entwickeln.

Verlauf einer Zahnfleischentzündung

Chronische Parodontitis

Bei der chro­ni­schen Par­odon­ti­tis hat, aus­ge­hend vom Zahn­fleisch, die Ent­zün­dung auf den Zahn­hal­teap­pa­rat über­ge­grif­fen. Die Ent­zün­dung ist da­bei be­reits fort­ge­schrit­ten und be­trifft ne­ben dem Zahn­fleisch auch den Kie­fer­kno­chen. Der Zahn­hal­teap­pa­rat ist nach­hal­tig ge­schä­digt und es kann zur Lo­cke­rung und Zahn­ver­lust in der be­trof­fe­nen Re­gi­on füh­ren. Durch Rau­chen und Dia­be­tes er­höht sich das Ri­si­ko, aus ei­ner ein­fa­chen Zahn­flei­schent­zün­dung (Gin­gi­vi­tis) ei­ne chro­ni­sche Par­odon­ti­tis zu ent­wi­ckeln. Die Be­hand­lung durch ei­nen Zahn­arzt ist un­be­dingt er­for­der­lich um Zahn­ver­lust und fort­schrei­ten­de Ent­zün­dun­gen im Zahn- und Kieferbereich zu verhindern.

Aggressive Parodontitis

Die aggressive Par­odon­ti­tis ver­läuft sehr schnell und hef­tig. Sie tritt bis zum 35. Le­bens­jahr auf und kann oh­ne The­ra­pie zum Ver­lust der Zäh­ne in­ner­halb von zwei Jah­ren füh­ren. Wie es zur über­mä­ßig star­ken Ver­meh­rung der be­son­ders bös­ar­ti­gen Bak­te­ri­en in der Mund­höh­le kommt, ist wis­sen­schaft­lich noch nicht ab­schlie­ßend er­forscht. Häu­fig liegt ei­ne ent­spre­chen­de ge­ne­ti­sche Dis­po­si­ti­on in der Fa­mi­lie vor, die im Zu­sam­men­hang mit Im­mun­schwä­che steht. Ei­ne dau­er­haf­te zahn­me­di­zi­ni­sche Be­hand­lung in Kom­bi­na­ti­on mit Zahn­er­satz und Im­plan­ta­ten ist hier meist der ein­zi­ge Weg die Zäh­ne und den Zahn­hal­teap­pa­rat dau­er­haft zu erhalten.

Prophylaxe: So beugen Sie einer Zahnfleischentzündung vor

Um einer Zahnfleischentzündung ausreichend vorzubeugen, gilt es, Bakterien gezielt bekämpfen. Das funktioniert am besten durch:

  • Gründliches Zähneputzen zweimal täglich
  • Zahnzwischenräume reinigen (Zahnseide, Zahnzwischenraumbüste und Interdentalhölzchen)
  • Zungenbürste verwenden
  • Antibakterielle Mundspülung nutzen
  • zucker- und säurehaltige Speisen vermeiden
  • mindestens einmal pro Jahr professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt durchführen lassen
  • erhöhte Aufnahme von Vitamin C

Durch intensive Mundhygiene klingt eine Zahnfleischentzündung normalerweise innerhalb einiger Tage ab. Stellt sich keine Besserung ein oder verschlimmern sich die Symptome, ist ein Zahnarztbesuch erforderlich.

Zahnfleischentzündung in der Schwangerschaft

Eine Zahnfleischentzündung tritt bei ca. 50 % aller Schwangeren auf. Je nach Gründlichkeit bei der Mundhygiene prägt sich die Entzündung mehr oder weniger aus. Grund für Zahnfleischprobleme während der Schwangerschaft sind die Hormone. Vor allem in den ersten 3 Monaten der Schwangerschaft verändert sich der Östrogenhaushalt, so dass die Hormone die Zahnfleischdurchblutung stark beeinflussen. Durch entsprechende Zahnpflege und geeignete Hausmittel, lässt sich die Zahnfleischentzündung bekämpfen, so dass Antibiotika nicht unbedingt notwendig sind.

FAQ - Häufige Fragen zum Thema Zahnfleischentzündung

Was hilft am schnellsten gegen Zahn­fleisch­ent­zün­dung?

Zur schnel­len Lin­de­rung von Zahn­flei­schent­zün­dun­gen kön­nen Haus­mit­tel wie Ka­mil­len- oder Sal­bei­tee, Salz­was­ser und Ap­fel­es­sig wirk­sam sein. Die­se Mit­tel bie­ten durch ih­re an­ti­bak­te­ri­el­le Wir­kung ei­ne schnel­le Ent­las­tung bei ers­ten An­zei­chen ei­ner Zahn­flei­schent­zün­dung. Es ist je­doch rat­sam, die­se Haus­mit­tel nur als ers­te Hil­fe zu nut­zen und bei an­hal­ten­den Sym­pto­men oder schmerz­emp­find­li­chen Zäh­nen ei­nen Zahn­arzt auf­zu­su­chen. Ei­ne früh­zei­ti­ge zahn­ärzt­li­che Kon­sul­ta­ti­on kann da­zu bei­tra­gen, schwer­wie­gen­de­re Er­kran­kun­gen der Mund­höh­le zu ver­hin­dern und die rich­ti­ge Be­hand­lung si­cher­zu­stel­len.

Kann man eine Zahnfleischentzündung mit Mundspülung behandeln?

Eine Mundspülung kann dabei helfen, Plaque und Bakterien von Zähnen, Zunge und den Zahnzwischenräumen zu entfernen.

Wie lange dauert eine Zahnfleischtaschenentzündung?

Die Dau­er ei­ner Zahn­fleisch­ta­schen­ent­zün­dung va­ri­iert je nach Schwe­re­grad und in­di­vi­du­el­len Ge­sund­heits­be­din­gun­gen. Ei­ne ge­naue Zeit­an­ga­be kann nur nach ei­ner Un­ter­su­chung durch ei­nen Zahn­arzt er­fol­gen. Wich­tig ist es, bei den ers­ten An­zei­chen ei­ner sol­chen Ent­zün­dung pro­fes­sio­nel­le Hil­fe zu su­chen, da ei­ne un­be­han­del­te Zahn­fleisch­ta­schen­ent­zün­dung zu wei­te­ren Kom­pli­ka­tio­nen füh­ren kann, ein­schlie­ß­lich der Ver­schlech­te­rung der Mund­hy­gie­ne und zu­neh­men­den Schmerz­emp­find­lich­keit der Zäh­ne.

Kann ich durch eine gute Mundhygiene eine Zahnfleischentzündung vorbeugen?

Um einer Zahnfleischentzündung ausreichend vorzubeugen, gilt es, Bakterien durch gute Mundhygiene zu bekämpfen. Dazu gehört gründliches Zähneputzen zweimal täglich, Reinigen der Zahnzwischenräume (Zahnseide, Zahnzwischenraumbüste und Interdentalhölzchen), Verwendung einer Zungenbürste und antibakterieller Mundspülung.

Was verschlimmert eine Zahn­fleisch­ent­zün­dung?

Schlech­te Mund­hy­gie­ne, Rau­chen und ei­ne un­aus­ge­wo­ge­ne Er­näh­rung kön­nen Zahn­flei­schent­zün­dun­gen ver­schlim­mern. Das Auf­recht­er­hal­ten ei­ner gu­ten Mund­hy­gie­ne, ein­schlie­ß­lich re­gel­mä­ßi­gem Zäh­ne­put­zen und Zahn­sei­de­ge­brauch, kann hel­fen, den Ent­zün­dungs­pro­zess zu ver­lang­sa­men und die an­ti­bak­te­ri­el­le Wir­kung zu ver­stär­ken. Zu­dem wird emp­foh­len, Rau­chen und schlech­te Er­näh­rungs­ge­wohn­hei­ten zu mei­den, um die Mund­ge­sund­heit nicht wei­ter zu ge­fähr­den und schmerz­emp­find­li­che Zäh­ne zu schüt­zen.

Ist eine Zahn­fleisch­ent­zün­dung ansteckend?

Eine Zahnfleischentzündung ist ansteckend, denn dabei handelt es sich um eine durch Bakterien verursachte Infektion.

Was ist der Unterschied zwischen Parodontitis und Gingivitis?

Bei einer Gingivitis ist nur das Zahnfleisch entzündet. Bei einer Parodontitis ist der gesamte Zahnhalteapparat (Parodontium) betroffen. Bei Parodontitis droht langfristig Zahnverlust.

Verliere ich mein Implantat bei entzündetem Zahnfleisch?

Ist die Schleimhaut um das Implantat herum entzündet, kann eine Periimplantitis entstehen. Dann droht Implantatverlust.

Ich habe sehr empfindliches Zahnfleisch. Worauf sollte ich bei der Wahl meiner Zahnpasta achten?

Achten Sie darauf, dass Ihre Zahnpasta nicht zu viele Abrasivstoffe enthält. Diese erkennen Sie an Aufschriften wie „für weiße Zähne“ oder „gegen Verfärbungen“. Typische in Zahnpasta verwendete Abrasivstoffe sind Schlemmkreide und Bimspulver.

Welche Zahnbürste ist bei Gingivitis zu empfehlen?

Bei ausreichender Putzzeit und richtiger Technik ist sowohl eine Hand- als auch eine elektrische Zahnbürste geeignet. Am besten eignet sich eine Zahnbürste mit mittlerem Härtegrad. Weiche Zahnbürsten reinigen oft nicht gründlich genug und harte Bürsten können zu Zahnfleisch-Verletzungen führen. Wichtig ist auch, die Zahnbürste nicht zu lange zu benutzen.

Welcher Mangel verursacht Zahnfleischentzündung?

Ein Vit­amin-C-Man­gel kann Zahn­flei­schent­zün­dun­gen be­güns­ti­gen, doch auch an­de­re Fak­to­ren wie man­geln­de Mund­hy­gie­ne spie­len ei­ne we­sent­li­che Rol­le. Re­gel­mä­ßi­ges Zäh­ne­put­zen und die Ver­wen­dung von Zahn­sei­de sind ent­schei­dend, um das Ri­si­ko von Zahn­flei­schent­zün­dun­gen zu re­du­zie­ren. Zu­sätz­lich kön­nen be­stimm­te Er­kran­kun­gen das Ri­si­ko für Ent­zün­dun­gen er­hö­hen. Es ist da­her wich­tig, nicht nur auf ei­ne aus­ge­wo­ge­ne Er­näh­rung zu ach­ten, son­dern auch auf ei­ne gründ­li­che Mund­hy­gie­ne, um Ent­zün­dun­gen vor­zu­beu­gen.

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Eine Zahnfleischentzündung sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Tretten Symptome wie Zahnfleischbluten, Wundschmerz, Rötungen und Schwellungen regelmäßig auf, sollte ein Zahnarzt aufgesucht werden. Bei zusätzlich auftretendem Fieber , Mundgeruch sowie gelbem Belag ist unmittelbares Handeln erforderlich.

Kann eine Zahnfleischentzündung eine Zahnwurzelentzündung auslösen?

Eine Zahnfleischentzündung ist eher selten Grund für eine Zahnwurzelentzündung. In den meisten Fällen ist die Zahnwurzelentzündung auf das weit verbreitete Problem der Karies zurückzuführen.

Zahnfleischentzündung nach einer Zahnextraktion?

Bei einer Zahnextraktion entsteht zwangsläufig eine große Wunde im Mundraum. Solange diese nicht vollständig geschlossen ist, besteht das Risiko einer Entzündung. Sobald Sie nach einer Zahnextraktion den Verdacht haben, dass sich die Wunde entzündet hat, sollten Sie in jedem Fall Ihren Zahnarzt aufsuchen.

Zahnfleischentzündung nach einer Wurzelbehandlung?

Nach größeren Behandlungen wie z. B. nach einer Weisheitszahnentfernung oder einer Wurzelbehandlung, kann sich das Zahnfleisch entzünden und anschwellen. Diese Art der Beschwerden ist in den meisten Fällen allerdings nur temporär und vollkommen normal. 

Unterschied zwischen einer Zahnfleischentzündung und einer Zahnwurzelentzündung?

Eine Zahnfleischentzündung ist eine akute oder chronische Zahnfleisch-Infektion. Sie entsteht meistens durch eine unzureichende Mundhygiene. Eine Zahnwurzelentzündung ist eine Entzündung des nicht sichtbaren, verborgenen Teils des Zahns. Diese Art der Entzündung betrifft das Gewebe im Inneren des Zahns und ist in aller Regel schmerzhaft. Oft wird eine Wurzelbehandlung nötig.

Was tun bei Zahnfleischentzündung mit Zahnspange?

Sollte sich durch eine feste Zahnspange das Zahnfleisch entzündet haben, kann ein entzündungshemmendes Gel mit Kamillenblüten helfen. Gurgeln mit Kamillentee wirkt ebenfalls schmerzlindernd und wird von Zahnspangen-Träger häufig als angenehm empfohlen.

Was tun bei Zahnfleischentzündung an der Brücke?

Bei einer Zahnfleischentzündung an der Brücke kann Kochsalzlösung helfen, Schmerzen und Schwellungen zu lindern. Auch regelmäßiges Kühlen mit Eiswürfeln oder einer Kältekompresse, Mundspülungen mit Kamille, zerkaute oder zerhackte Knoblauchzehen, Lavendelöl oder Nelkenöl können bei einer Zahnfleischentzündung an der Brücke ebenfalls  helfen.

Die Artikel im Ratgeber der Deutschen Familienversicherung sollen Ihnen allgemeine Informationen und Hilfestellungen rund um das Thema Zahngesundheit bieten. Sie sind nicht als Ersatz für eine professionelle Beratung gedacht und sollten nicht als Grundlage für eine eigenständige Diagnose und Behandlung verwendet werden. Dafür sind immer Mediziner zu konsultieren. Unsere Inhalte werden auf Basis aktueller, wissenschaftlicher Studien verfasst, von einem Team aus Fachärzten und Redakteuren erstellt, dauerhaft geprüft und optimiert.

Quellen

Deutsche Zahnärztliche Zeitschrift (2019): Häusliches chemisches Biofilmmanagement in der Prävention und Therapie der Gingivitis, in: Deutsche Zahnärztliche Zeitschrift. (Stand: 29.01.2024).

Dr. med. dent. Werner, Luca: Zahnfleischentzündung, in: Zahnklinik-ABC-Bogen. (Stand: 29.01.2024).

Padilla, Alfonso: Zahnfleischentzündung (Gingivitis), in: AP Dental Team (Stand: 29.01.2024).

Meyer-Stolten, Nicolas: Gingivitis, in: Nicolas Meyer-Stolten Zahnmedizin & Prophylaxe. (Stand: 29.01.2024).

Dr.med.dent. Pöggeler, Rasmus: Gingivitis – Entzündung des Zahnfleisches, in: Dr. Pöggeler Sanfte Zahnheilkunde (Stand: 29.01.2024).

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