Multiple Sklerose

Multiple Sklerose (MS) – Ursachen, Symptome, Verlauf, Therapie

Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Nervensystems. Die neurologische Erkrankung zeigt sich in unterschiedlichen Verlaufsformen. 70 Prozent der von dieser Autoimmun-Krankheit Betroffenen sind Frauen.


Was ist Multiple Sklerose?

Multiple Sklerose, auch kurz als MS bezeichnet oder medizinisch Encephalomyelitis disseminata, ist eine Autoimmunerkrankung. Die chronisch-entzündliche Krankheit betrifft das Zentrale Nervensystem (ZNS), also Rückenmark und Gehirn sowie den Sehnerv. Körpereigene Abwehrzellen greifen die Schutzschicht der Nervenfasern an (Myelinscheiden), wodurch es zu einer Entzündungsreaktion kommt. Dies führt zum Abbau der Myelinscheiden und somit zu einer gestörten Funktion der betroffenen Nerven. Seh- oder Hörstörungen sind häufig die Folge. Multiple Sklerose ist nicht heilbar. Der Verlauf und die Lebenserwartung können jedoch mit Medikamenten günstig beeinflusst werden. Die Krankheit kann in jedem Alter auftreten, meist zeigen sich die ersten Symptome zwischen dem 20. und 40.  Lebensjahr. Deutschlandweit sind rund 200.000 Menschen an Multipler Sklerose erkrankt. 70 Prozent davon sind Frauen.

Ursachen für Multiple Sklerose

Die genauen Ursachen, die zu der fehlgesteuerten Reaktion des Abwehrsystems führen, sind bislang nicht bekannt. Man vermutet, dass unterschiedliche erbliche Faktoren, aber auch Umweltbedingungen zusammentreffen müssen, damit es zum Ausbruch der Krankheit kommt. Bei dieser Autoimmunerkrankung richten sich die Abwehrzellen (Immunzellen) gegen die körpereigenen Strukturen. Man spricht daher von Autoantikörpern. Sie bewirken, dass die Leukozyten (weiße Blutkörperchen) das Nervengewebe angreifen und dort Entzündungen auslösen. Dadurch werden die Myelinscheiden (Hüllen der Nervenfasern) zerstört. Der Vorgang wird als Entmarkung oder Demyelinisierung bezeichnet. Gleichzeitig kommt es auch zur Schädigung von Nervenfasern und -zellen. Nervenreize werden dann schlechter oder nicht mehr weitergeleitet. Die zerstörten Schutzhüllen umgeben normalerweise die Nervenfortsätze, ähnlich einer Isolierschicht bei elektrischen Kabeln. Nur wenn sie einwandfrei funktionieren, wie bei gesunden Menschen, können Nervenimpulse in angemessener Geschwindigkeit an den jeweils bestimmten Ort gelangen.

Symptome und erste Anzeichen von Multiple Sklerose

Die Symptome von Multiple Sklerose sind vielfältig, da sich die Entzündungsherde in allen Regionen des zentralen Nervensystems entwickeln können. Es gibt keine typische Krankheitsgeschichte. Sowohl im zeitlichen Verlauf als auch in Ausprägung und Intensität der Beschwerden zeigen sich die Symptome bei Betroffenen ganz unterschiedlich. Multiple Sklerose wird daher auch „die Krankheit mit den vielen Gesichtern“ genannt. Allerdings treten einige Beschwerden häufig auf und sind für bestimmte Phasen der Erkrankung typisch. So beginnt MS oft mit einzelnen neurologischen Symptomen, beispielsweise mit Sehstörungen, Taubheit, Kraftminderung oder Gleichgewichtsstörungen. Die Beschwerden setzen innerhalb von Stunden bis Tagen ein. Sie sind häufig auf Läsionen im Gehirn zurückzuführen, die auf den Bildern eines MRT (Magnetresonanztomograph) sichtbar sind. Dieses sogenannte „klinisch isolierte Syndrom“ (KIS) ist zu 85 Prozent Vorbote der Erkrankung. Bis zur endgültigen Diagnose einer MS können jedoch Monate oder Jahre vergehen, da dazu eine räumliche und zeitliche Streuung von entzündlich-entmarkender Plaque erforderlich ist. Eine Behandlung setzt heute aber meist schon früher ein. Denn je eher eine Therapie beginnt, desto besser wirkt sich dies bei vielen auf Krankheitsverlauf und Lebenserwartung aus.

Frühe Anzeichen einer MS

Störungen der Gefühlswahrnehmung in Armen und Beinen (Kribbeln, Taubheit), der Sicherheit beim Gehen, des Gleichgewichts und des Sehens. Oft kommt es auch zu Darmentleerungsproblemen.

Bei vielen Patienten tritt zu Krankheitsbeginn nur ein Symptom auf. Andere leiden gleich unter mehreren.

Weitere Beschwerden, die später dazukommen können

  • starke Ermüdungserscheinungen (Fatigue), 
  • Blasenentleerungsstörungen (Drangblase, Harnverhalt, Harninkontinenz)
  • Sprechstörungen wie beispielsweise eine undeutliche, verwaschene Sprache
  • Schwäche in den Beinen
  • Gangstörungen durch krampfhafte Erhöhungen der Muskelspannung (Spastik)
  • Koordinationsstörungen
  • Schmerzen
  • Sexuelle Störungen
  • Kognitive Störungen (Gedächtnisstörungen)
  • Psychische Veränderungen
  • Lähmungen der Muskeln, die langfristig zu schweren Behinderungen führen können. Rund ein Drittel der Erkrankten sind davon betroffen.

Verlaufsformen von Multiple Sklerose

Die Entwicklung von Multipler Sklerose kann sich bei jedem Betroffenen anders darstellen. Häufig verläuft die Krankheit schubförmig, das heißt, es kommt immer wieder zu akuten Verschlechterungen. Einen MS-Schub kennzeichnet, dass Beschwerden neu oder wieder auftreten, mindestens 24 Stunden lang anhalten und nicht durch Fieber oder Infektionen zu erklären sind. Außerdem muss der letzte Schub mindestens 30 Tage zurückliegen.

Nach dem ersten Schub können Beschwerden ganz oder zum Teil wieder verschwinden und nach kurzer Zeit wieder auftreten. Hin und wieder kommen weitere Symptome dazu, die sich aber auch wieder zurückbilden können. Bei einigen Betroffenen nehmen die Beschwerden von Beginn an kontinuierlich zu, ohne dass Schübe eintreten.

Multiple Sklerose wird in drei Verlaufsformen unterteilt – abhängig davon, ob ein Patient Schübe hat oder nicht.

Schubförmig remittierender Verlauf(schubförmige MS)

Bei den meisten an Multiple Sklerose Erkrankten (80 Prozent) äußert sich der Beginn der MS mit Schüben. Während dieser Schübe verschlechtert sich die bestehende Symptomatik oder neue Beschwerden tauchen auf. Bei einigen trifft beides zu: vorhandene Symptome verschlechtern sich und neue kommen zusätzlich dazu. Diese Schubsymptomatik kann sich in nur wenigen Stunden ausprägen, aber auch innerhalb einiger Tage. Die Dauer eines Schubes variiert, er hält jedoch mindestens 24 Stunden an. Meistens bilden sich Schübe in einem Zeitraum von sechs bis acht Wochen komplett oder teilweise zurück. Es ist möglich, dass Behinderungen zurückbleiben. Während der schubfreien Zeiten kommt es zu keinen weiteren Beschwerden und die Erkrankung schreitet nicht voran. Wie lange krankheitsfreie Intervalle bestehen, ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Manchmal liegen einige Monate zwischen den Schüben, in einigen Fällen vergehen Jahre, bis es zu einem erneuten Schub kommt.

Sekundär chronisch-progredienter Verlauf(sekundär fortschreitender Verlauf)

Wird MS nicht behandelt, führt der anfangs schubförmige Verlauf, bei mindestens 50 Prozent der Erkrankten, nach rund zehn Jahren zu einem Zustand, indem sich die Beschwerden vermehren. Es kommt zu Beeinträchtigungen – sowohl mit gelegentlichen Schüben als auch ohne Schübe. Ausmaß und Schwere der Symptome nehmen innerhalb der kommenden Monate (sechs Monate oder auch mehr) stetig zu. Möglich sind jedoch auch Phasen, in denen die Erkrankung vorübergehend pausiert.

Primär chronisch-progredienter Verlauf (Primär fortschreitender Verlauf)

Von dieser Verlaufsform sind rund zehn bis 15 Prozent betroffen. Hier kommt es gleich zu Beginn der Erkrankung zu einer schleichenden Zunahme der Symptome. Schübe gibt es nicht. Möglich sind allerdings gelegentliche Unterbrechungen des Fortschreitens und auch geringfügige Verbesserungen.

Prognose von Multiple Sklerose

Von einem gutartigen (benignen) Krankheitsverlauf spricht man, wenn die Beschwerden im Anschluss an einen MS-Schub weitestgehend zurückgehen und wenn es auch nach zehn Jahren zu keiner Behinderung gekommen ist. Allerdings ist dennoch zu einem späteren Zeitpunkt ein schwerer Schub möglich, der dann zu einer Behinderung führen kann.

Ein bösartiger (maligner) Verlauf der Multiplen Sklerose äußert sich in einer schnellen Krankheitsentwicklung mit stetig zunehmenden Beschwerden, die starke Beeinträchtigungen mit sich bringen. Dies kann die Lebenserwartung deutlich begrenzen.  

Wie genau eine Prognose der MS-Erkrankung im individuellen Fall aussieht, kann man nicht vorhersagen. Es gibt allerdings Anhaltspunkte für einen günstigen bzw. ungünstigen Verlauf:

Anhaltspunkte für einen eher günstigen Verlauf der MS

  • Die Krankheit beginnt mit nur einem Symptom.
  • Es treten nur sensible Symptome wie z.B. Gefühlsstörungen auf.
  • Die Schübe dauern nicht lang.
  • Die Schübe bilden sich gut zurück.
  • Die Gehfähigkeit bleibt erhalten.
  • Die Erkrankung beginnt nicht vor dem 35. Lebensjahr.

Anhaltspunkte für einen eher ungünstigen Verlauf der MS

  • Die Krankheit beginnt mit mehreren Symptomen.
  • Es kommt bereits früh zu motorischen und zerebellären (das Kleinhirn betreffende) Symptomen wie z.B. Gangstörungen.
  • Die Schübe dauern lang an.
  • Die Schübe bilden sich schlecht zurück.
  • Im MRT zeigen sich früh zahlreiche Läsionen.
  • Es kommt früh zu krankhafter SEP und MEP. 

SEP(somatosensibel evozierte Potenziale): Hierbei wird die Zeit gemessen, die ein elektrischer Impuls benötigt, um von der Hand oder vom Fuß bis ins Gehirn zu gelangen. Außerdem registriert man Seitenunterschiede nach Stimulation der rechten oder linken Seite (beispielsweise Augen, Ohren, Arme oder Beine). Daraus lassen sich krankhafte Veränderungen schließen.

MEP(motorisch evozierte Potenziale): mittels einer Magnetspule wird die Gehirnoberfläche stimuliert, um eine Muskelantwort an Hand oder Fuß zu erhalten

Diagnose von Multipler Sklerose

MS zu diagnostizieren bedarf einer umfangreichen Untersuchung. Da es kein typisches Beschwerdebild gibt und auch keine nur für MS typischen Symptome, müssen immer erst andere Erkrankungen ausgeschlossen werden. Zum Beispiel Durchblutungsstörungen des Gehirns oder Bandscheibenvorfälle. Erster Ansprechpartner bei Beschwerden ist der Hausarzt. Bei einem Verdacht auf Multiple Sklerose wird er den Patienten an einen Neurologen überweisen. 

Untersuchungen für eine sichere Diagnosestellung

  • Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte)
  • Körperliche Untersuchung (klinisch-neurologisch)
  • Apparative Untersuchung (unter anderem Kernspintomografie (MRT) und Evozierte Potenziale (EP), also Funktionsmessungen von Seh- und Hörbahn, sensiblen und motorischen Bahnen
  • Laboruntersuchungen (Analyse von Nervenwasser und Blut)

Anamnese:

Im Gespräch mit Arzt, werden sowohl die aktuellen Beschwerden als auch die bisherige Krankengeschichte ausführlich beleuchtet. Von Interesse sind unter anderem diese Fragen:

  • Seit wann bestehen die Symptome?
  • Haben sie sich mit der Zeit verändert?
  • Gab es früher schon einmal Missempfindungen in Armen oder Beinen?
  • Ist es schon einmal zu Sehstörungen gekommen?

Auch Vorfälle, denen der Patient früher keine weitere Bedeutung beigemessen hat, können wichtig sein. Häufig kann dies ein erster Hinweis auf ein MS-Anzeichen sein.

Körperliche Untersuchung:

Im Fokus dieser klinisch-neurologischen Untersuchung steht das Nervensystem, speziell 

  • die Funktion von Augen und Hirnnerven
  • Empfindungen bei Berührungen, Schmerzen und Temperatur
  • Muskelkraft und Muskelspannung

Zusätzlich kann bei Verdacht auf Multiple Sklerose eine neuropsychologische Untersuchung folgen. Mittels unterschiedlicher Tests werden dann Lernfähigkeit, Sprachverarbeitung und Gedächtnis näher geprüft.

Apparative Untersuchung

Durch Funktionsmessungen der Seh- und Hörbahn sowie der sensiblen und motorischen Bahnen (evozierte Potenziale) kann der Neurologe feststellen, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist. Dabei reizt der Arzt einen Nerv oder ein Sinnesorgan. Im Gehirn löst das ein Signal aus, das von Elektroden gemessen wird. Trifft die Antwort auf den Reiz mit einer Verzögerung ein, ist die Reaktionsstärke vermindert. Bei rund 75 Prozent der Erkrankten tritt dies ein.

Bei 85 Prozent der Patienten sind bereits im Frühstadium der Multiplen Sklerose  Veränderungen im Gehirn erkennbar. Dies kann der Neurologe auf den Bildern der Magnetresonanztomografie ablesen. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung sind alle Patienten von den Veränderungen im Gehirn betroffen. 

Laboruntersuchungen

Liquordiagnostik (Untersuchung des Nervenwassers): Die Liquordiagnostik kann Aufschluss über die Entzündung in Gehirn und Rückenmark geben. Mit einer feinen Nadel wird dabei in Höhe der mittleren Lendenwirbelsäule zwischen die Wirbel gestochen, um das benötigte Nervenwasser zu gewinnen. Liegt eine MS vor, ist die Anzahl einiger Abwehrzellen (Lymphozyten, Plasmazellen) erhöht und Antikörper wie Immunglobulin G (IgG) sind nachweisbar. Bei der Untersuchung lässt sich auch feststellen, ob eventuell Keime (z.B. Borreliose) für die Entzündung verantwortlich sind. In diesem Fall wären die Beschwerden nicht durch MS verursacht.

Blutanalyse: Bislang gibt es noch keinen Bluttest, der Multiple Sklerose nachweisen kann. Die Bestimmung einiger Werte ist jedoch hilfreich, da auf diesem Weg andere Erkrankungen ausgeschlossen werden können. Auch Leber- und Nierenwerte sowie Entzündungsmarker verändern sich durch eine MS nicht.

Folgende Werte werden bestimmt: Leberwerte, Nierenwerte, Großes Blutbild, Blutzucker, Schilddrüsenwerte, Vitamin B12, Rheumafaktor, Antinukleare Antikörper (ANA), Antiphospholipid-Antikörper, Anti-ds-DNS-Antikörper, Lupus-Antikoagulans, Entzündungsmarker (C-reaktives Protein, CPR), Angiotensin-Converting-Enzyme (ACE) sowie Borrelien und Borrelien-Antikörper (Borrelien-Serologie).

Multiple Sklerose: Therapie

Die Behandlung von MS zielt darauf ab, die Krankheitsaktivität aufzuhalten oder wenigstens ihr Fortschreiten zu verlangsamen. Heilbar ist Multiple Sklerose nicht. Die Therapie wird dabei immer individuell auf den Patienten und seinen Krankheitsverlauf abgestimmt.

In der Therapie von Multiple Sklerose unterscheidet man die Schubtherapie von der verlaufsmodifizierten Therapie und der symptomatischen Behandlung. Zusätzliche Rehabilitationsmaßnahmen können helfen, Fähigkeiten wieder neu zu erlernen.

Schubtherapie

Behandlung mit Kortisonpräparaten

Bei der Behandlung eines akuten Erkrankungsschubes werden über einen Zeitraum von drei bis fünf Tagen hoch dosierte Kortisonpräparate (Kortikosteroide) als Infusion in die Vene gegeben. Die Entzündungsreaktion soll so zum Stillstand gebracht werden und Symptome sollen abklingen. Kortisonpräparate werden über diesen begrenzten Zeitraum hinweg meist gut vertragen. Es kann aber zu Nebenwirkungen wie Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, einer Erhöhung des Blutzuckers und des Blutdrucks kommen. Um möglichen Magenproblemen vorzubeugen, erhalten Patienten oft vorbeugend Magenschutzpräparate.

Sollten sich Symptome nach der Behandlung nicht zurückbilden, wird die Infusionstherapie wiederholt. Gegebenenfalls kann die Dosis dann erhöht werden. Kortison langfristig einzunehmen, ist nicht hilfreich, da der Krankheitsverlauf davon nicht beeinflusst wird. Außerdem ist mit umfassenden Nebenwirkungen zu rechnen. 

Blutwäsche (Plasmapharese)

Patienten, die nicht auf eine Kortisontherapie ansprechen, können als weitere Akuttherapie eine Blutwäsche (alternativ Immunadsorption) erhalten. Dabei werden Antikörper, die zur Schädigung der Nerven beitragen, aus dem Blut entfernt. Dem Erkrankten wird das Blut entnommen, über spezielle Filter gereinigt und wieder zurückgeführt. Von dieser Methode profitiert knapp die Hälfte der Patienten, da die Beschwerden sich bessern. Dieses Verfahren, das nur bei schweren Schüben angewandt wird,  führen spezialisierte MS-Zentren durch. Eine Blutwäsche kann zu schweren Herz-Kreislauf-Komplikationen führen. Das trifft allerdings selten ein. 

Verlaufsmodifizierte Therapie (Immunmodulation und Immunsuppression)

Der Verlauf einer Multiplen Sklerose lässt sich durch immunmodulatorische (auf das Abwehrsystem wirkende) Medikamente günstig beeinflussen. Sie unterdrücken einerseits Anzahl und Aktivität der überaktiven Immunzellen, versperren ihnen aber auch den Weg in das zentrale Nervensystem und dichten so die Blut-Hirn-Schranke ab. Entzündungen können gehemmt und sowohl Häufigkeit als auch Schwere der Schübe verringert werden.

Für einen langfristigen Therapieerfolg ist ein früher Therapiebeginn ausschlaggebend.

Eingesetzt werden zumeist Interferon-Präparate und Glatirameracetat (ein Eiweißmolekül, ähnlich den Myelinscheiden der Nerven). 

Interferon-beta-Präparate

Interferon soll die Anzahl aktiver Entzündungszellen senken und diese davon abhalten, in das zentrale Nervensystem einzudringen. Anzahl und Stärke der MS-Schübe können verringert und die Krankheitsaktivität reduziert werden. Interferone spritzt man entweder unter die Haut oder in die Muskulatur. Gerade zu Therapiebeginn kommt es oft zu Nebenwirkungen wie grippeähnlichen Symptomen (Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen). Entzündungshemmende Medikamente können dies mildern. Innerhalb der ersten Monate klingen die Nebenwirkungen meist ab.

Glatirameracetat (GLAT): Glatirameracetat ist eine Alternative zu Interferon. Das Präparat reduziert die Häufigkeit der Krankheitsschübe jährlich um zirka 30 Prozent – ähnlich wie Interferone auch. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen u.a. Hautreaktionen an der Einstichstelle wie Rötungen, Schmerzen, Quaddelbildung Juckreiz oder Entzündungen.

Teriflunomid: Der Wirkstoff ist ein Immunmodulator und wirkt entzündungshemmend. Die Schubrate wird reduziert und das Fortschreiten körperlicher Behinderungen gebremst. Die Krankheitsaktivität kann verringert werden. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Schäden an Leber und Nieren, ein erhöhtes Infektionsrisiko, Übelkeit, Schmerzen und Missempfindungen.

Dimethylfumarat: Dimethylfumarat ist ebenfalls ein Immunmodulator. Seit 2014 wird der Arzneistoff zur oralen Basistherapie (First-line Therapeutikum) eingesetzt. Man vermutet, dass er sich sowohl entzündungshemmend als auch nervenschützend auswirkt. Nebenwirkungen sind anfangs häufig Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen. Meist klingen die Nebenwirkungen innerhalb von vier bis sechs Wochen ab.

Alemtuzumab: Dieser monoklonale Antikörper wird gentechnisch hergestellt. Er verringert die Anzahl der an der Zerstörung der Myelinscheiden (Nervenschutzhülle) beteiligten Lymphozyten (weiße Blutzellen). Verabreicht wird Alemtuzumab über die Vene. Die Therapie gliedert sich in zwei Phasen: zuerst wird das Mittel an fünf Tagen hintereinander gegeben. Die zweite Phase beginnt nach einem Jahr: Die Infusion wird nun an drei aufeinanderfolgenden Tagen verabreicht. Die Wirkung von Alemtuzumab kann mehrere Jahre anhalten. Bekannte Nebenwirkungen sind mögliche Infusionsreaktionen wie Fieber und Ausschlag, die Reduzierung weißer Blutkörperchen, Atemwegs- und Harnwegsinfektionen, Verdauungsstörungen und sekundäre Autoimmunerkrankungen (zum Beispiel der Schilddrüse und der Niere). Bevor die Entscheidung getroffen wird, eine Therapie mit Alemtuzumab durchzuführen, sollten Risiken und Nutzen gründlich abgewogen werden.

Azothioprin: Azothioprin wird inzwischen nur noch dann gegeben, wenn Beta-Interferone oder Glatiramer-Azetat nicht infrage kommen. Das Medikament hemmt die Produktion von Abwehrzellen (B- und T-Lymphozyten) und stört außerdem Bildung und Funktion weiterer Abwehrzellen (Monozyten), die an den Entzündungsprozessen von MS beteiligt sind. Zu den Nebenwirkungen zählt unter anderem ein leicht erhöhtes Krebs- und Infektionsrisiko.

Mitoxantron: Positiv wirkt sich das Medikament in der Therapie der sekundär progredienten MS aus. In Deutschland ist es zur sogenannten Therapieeskalation zugelassen, das heißt zur Erweiterung der Immuntherapie. Wegen seiner Nebenwirkungen, wird es allerdings nur selten eingesetzt. Mitoxantron kann nach langjähriger Einnahme unter anderem zu Herzrhythmusstörungen, Herzmuskelerkrankungen oder Herzschwäche führen. Eingesetzt wird das Mittel dann, wenn es trotz anderer Alternativtherapien zu einem schnellen Fortschreiten und einem sekundär progredienten Verlauf der Multiple Sklerose kommt.

Natalizumab: Das Medikament wird zur Behandlung der hochaktiven, schubförmigen MS eingesetzt. Es verhindert, dass aktivierte Entzündungszellen in Gehirn und Rückenmark gelangen können. Natalizumab wird nur dann angewandt, wenn bisherige Therapien versagt haben. Eine schwerwiegende Nebenwirkung kann unter anderem eine Erkrankung an der progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML) sein. Diese Krankheit wird durch einen Virus ausgelöst und betrifft das Zentralnervensystem. Sie verläuft meist tödlich.

Fingolimod: Fingolimod findet ebenfalls bei der hochaktiven, schubförmigen Multiple Sklerose Anwendung. Das Immunsuppressivum (die Funktion des Immunsystem verminderndes Medikament)  reduziert die Zahl der Lymphozyten und so gelangen weniger dieser weißen Blutzellen ins Gehirn, um sich an der Zerstörung der Myelinscheiden zu beteiligen. Die Schubrate bei MS-Patienten sinkt. Als Nebenwirkung sind vor allem in den sechs Stunden nach der ersten Einnahme eine Verlangsamung der Herzfrequenz sowie unregelmäßiger Herzschlag bekannt. Daher sollte die Einnahme nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Des Weiteren sind auch hier PML-Fälle aufgetreten (wie bei der Einnahme von Natalizumab). 

Weitere Wirkstoffe

Nur in Ausnahmefällen erhalten Multiple Sklerose-Patienten auch Medikamente, die eigentlich nicht für diese Krankheit zugelassen sind. Zum Beispiel

Intravenöse Immunglobuline:  Voraussetzung zur Gabe des Mittels sind gut begründete Einzelfälle, bei denen Basistherapeutika wie beispielsweise Beta-Interferone nicht wirksam sind oder zu starken Nebenwirkungen führen. Eingesetzt wird intravenöses Immunglobulin bei mild beziehungsweise moderat verlaufender MS. 

Cyclophosphamid und Methotrexat: Die Immunsuppresiva werden eigentlich in der Krebstherapie eingesetzt. In einigen Fällen werden sie auch als Reservemittel bei Multiple Sklerose verordnet.

Kortisonpräparate: Einige MS-Patienten erhalten Kortisonpräparate in der Langezeittherapie. Die Mittel sind eigentlich nur in der Schubtherapie zugelassen, jedoch gibt es Fälle, in denen der längere Einsatz begründet ist.

Symptomatische Behandlung

Die Symptome und Folgeerscheinungen von Multiple Sklerose verursachen unterschiedliche Beschwerden. Diese zu lindern ist das Ziel der symptomatischen Behandlung. Die Therapien helfen Patienten bei Schmerzen, Sprech- und Schluckstörungen, Spastiken (verkrampfte Muskulatur), Blasenfunktionsstörungen, Fatigue-Syndrom (schnelle Ermüdbarkeit) sowie Depressionen.

Multiple Sklerose-Erkrankte erhalten daher häufig physiotherapeutische und psychotherapeutische Behandlungen, aber auch logopädische, ergotherapeutische und medikamentöse Therapien. Wichtig ist bei der Erkrankung auch die Vorbeugung von Komplikationen wie Osteoporose, Thrombosen, Lungenentzündung, Versteifung von Gelenken sowie Harnwegsinfektionen.

Linderung von chronischen Schmerzen

Mehr als die Hälfte der MS-Patienten leiden unter Schmerzen. Dabei ist die Behandlung jedes Patienten individuell anzugehen. Bei chronischen Schmerzen erhalten Betroffene meist nicht die üblichen freiverkäuflichen Schmerzmittel, sondern solche mit den Wirkstoffen Amitriptylin, Carbamazepin oder Gabapentin.

Behandlung von Spastiken

Zur Lockerung verkrampfter und versteifter Muskulatur ist Physiotherapie gut geeignet. Aber auch Medikamente, sogenannte Muskelrelaxanzien, wie beispielsweise Baclofen, Tizanidin und Gabapentin helfen bei der Entspannung der Muskulatur. Auch Spritzen mit Botulinumtoxin können verordnet werden.

Therapie bei Zittern

Physio- und Ergotherapie helfen gegen das Zittern beim Krankheitsbild MS. Ebenso Medikamente wie unter anderem Antiepileptika, Beta-Rezeptorenblocker, Dopaminagonisten oder Anticholinergika. Sind die Beschwerden besonders stark ausgeprägt und lassen sich nicht durch Medikamente lindern, dann hilft manchmal eine „tiefe Hirnstimulation“. Durchführen kann die Behandlung ein spezialisiertes medizinisches Zentrum. Dabei wird eine Art elektrischer Schrittmacher im Gehirn eingebaut. 

Behandlung von Blasenfunktionsstörungen

Symptome der Funktionsstörung sind Harndrang und Inkontinenz. Hier können Beckenbodengymnastik, regelmäßiges Ableiten des Harns über eine Katheter, aber auch Medikamente helfen. Leiden Betroffene öfter unter Harnwegsinfekten, müssen diese insbesondere dann konsequent behandelt werden, wenn Immunsuppressiva (die Funktion des Immunsystems mindernde Medikamente) eingenommen werden.

Behandlung von Depressionen und Fatigue-Syndrom

Nicht selten leiden Multiple Sklerose-Patienten auch an Depressionen. Hierbei sind sowohl psychotherapeutische Begleitung als auch Medikamente wie Antidepressiva hilfreich.

Zur Behandlung des Fatigue-Syndroms können unterschiedliche Medikamente verordnet werden. Viele Betroffene erleben auch ein moderates Ausdauertraining im Freien als positiv.

Behandlung von Gangstörungen

Kaliumkanalblocker 4-Aminopyridin können die Muskelkraft bei MS verbessern. Das Medikament  Fampridin kann bei erwachsenen MS-Patienten mit Gehbehinderung (EDSS 4-7) die Gehfähigkeit verbessern.

Therapie bei sexuellen Funktionsstörungen

Häufig sind die Einschränkungen in der Sexualität auf psychische Ursachen zurückzuführen. In diesem Fall kann eine Psychotherapie hilfreich sein. Liegen den sexuellen Störungen physische Ursachen zugrunde, erfolgt eine symptomatische Therapie. Die Störungen können auch als Nebenwirkung von Medikamenten auftreten.

Rehabilitation

Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft empfiehlt, möglichst einmal im Jahr eine vier- bis sechswöchige Rehabilitation durchzuführen. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn sich nach einem akuten Schub die Symptome nicht ausreichend zurückgebildet haben. Aber auch im chronischen Verlauf der Erkrankung kommt es vor, dass sich die körperliche Situation trotz ambulanter Therapien verschlechtert. Mit einem auf die individuelle Situation angepassten Training, ist es oftmals möglich, verlorengegangene Fähigkeiten teilweise neu zu erlernen. Eine wichtige Rolle nimmt während der Rehabilitation die Physiotherapie ein. Je eher man damit beginnt, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Verspannte Muskeln können durch Bewegungsübungen gelockert werden. Das Training hilft ebenso bei Aufbau von Koordination und Gleichgewichtssinn. Wenn jemand an Blasenstörungen leidet, kann dank eines gezielten Trainings die Beckenbodenmuskulatur gestärkt werden. In der Ergotherapie lernt man, seine Feinmotorik zu schulen und somit die Selbstständigkeit so lange wie möglich zu erhalten.

Eine Rehabilitation kann bei leichten Fällen auch ambulant durchgeführt werden. Leidet jemand unter größeren Beeinträchtigungen, empfiehlt sich ein stationärer Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik.

Alternative Heilmethoden

Bei chronischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose können auch sogenannte alternative Heilverfahren zu einer Linderung der Beschwerden beitragen. Ideal ist es, wenn sich der behandelnde Neurologe und der Spezialist des komplementären Verfahrens austauschen. Komplementäre Behandlungsmethoden sind beispielweise

  • Homöopathie
  • Akupunktur
  • Akupressur
  • Osteopathie
  • Entspannungstechniken

Homöopathie bei Multiple Sklerose

Ein erfahrener Homöopath kann entsprechende Wirkstoffe empfehlen, die einige der Beschwerden von Multiple Sklerose lindern. Beispielsweise lassen sich Symptome wie Schwindel, Blasenstörungen, Probleme beim Stuhlgang und Konzentrationsmangel mit homöopathischen Medikamenten bessern.

Akupunktur bei Multiple Sklerose

Untersuchungen haben gezeigt, dass Akupunktur insbesondere bei Muskelkrämpfen, aber auch bei Schmerzen, hilfreich sein kann. Dazu bringt der Akupunkteur die Nadeln sanft an bestimmten Körperstellen ein, um sogenannte Leitbahnen zu aktivieren. Sie verbleiben zwischen 20 und 30 Minuten in der Haut. Von den leichten Einstichen spürt man in der Regel nur wenig.

Akupressur bei Multiple Sklerose

Bei dem therapeutischen Heilverfahren wird meist mit Daumen, Handballen, Ellenbogen oder technischen Hilfsmitteln stumpfer Druck auf bestimmte Körperstellen ausgeübt. Positive Erfahrungen liegen auch hier insbesondere bei der Bekämpfung von Schmerzen und Muskelkrämpfen vor.

Osteopathie bei Multiple Sklerose

Dieses manuelle Behandlungsverfahren kann dabei helfen, Bewegungseinschränkungen zu korrigieren. Mittels cranio-sacraler Therapie kann der behandelnde Osteopath häufig auch Schmerzen und Muskelkrämpfe verringern.

Entspannungstechniken bei Multiple Sklerose

Entspannungstechniken helfen vielen an Multiple Sklerose-Erkrankten bei der Verbesserung ihres Allgemeinbefindens. Zahlreiche Symptome lassen sich zudem lindern. Es wird empfohlen, Techniken wie zum Beispiel Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Taichi oder Meditation zu erlernen.

Schwangerschaft mit Multiple Sklerose

Eine Schwangerschaft wirkt sich nicht ungünstig auf die MS-Erkrankung aus. Es ist sogar so, dass viele Frauen in dieser Zeit weniger Schübe erleiden. Jedoch kommt es meist nach der Entbindung zu einer Erhöhung der Schubrate (während der ersten drei Monate). Grundsätzlich empfehlen Ärzte vor Beginn einer Schwangerschaft mit der Basistherapie auszusetzen. Es wird aber als unproblematisch gesehen, sollte es während der Therapie mit Interferon oder Glatirameracetat zu einer Schwangerschaft kommen. Nach aktuellem Wissensstand wirken sich die Mittel nicht fruchtschädigend aus. Die Basistherapie sollte aber unmittelbar unterbrochen werden, sobald eine Schwangerschaft bestätigt wurde.

Von Fingolimod und anderen unspezifischen Immunsuppressiva ist bekannt, dass sie zu Missbildungen oder Erbgutschädigungen beim Kind führen können. Das Medikament sollte im Vorfeld der Schwangerschaft, also bei einem Kinderwunsch, ebenso vom Mann abgesetzt werden.

Die Behandlung eines möglichen Schubs kann ab dem zweiten Drittel der Schwangerschaft mit einem Kortisonpräparat erfolgen. Um eine Schädigung des Kindes zu verhindern, sollte das Präparat nur eingenommen werden, wenn es unbedingt notwendig ist.

Multiple Sklerose – ICD-Code

Jeder Krankheit ist in der Medizin ein eigener ICD-Code zugeordnet. Die Abkürzung ICD (englisch) steht dabei für International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems. Das Klassifizierungssystem ist weltweit anerkannt und eines der wichtigsten für medizinische Diagnosen. So wird beispielsweise Multiple Sklerose unter dem ICD-Code „G35“ erfasst. Häufig hilft die Eingabe dieser Codes auch bei der Recherche im Internet weiter.

Multiple Sklerose – Wie finde ich das richtige Krankenhaus?

Auf der Suche nach einem passenden Krankenhaus, das sich mit der Behandlung von Multiple Sklerose gut auskennt erhält man über die Webseite www.aerzteblatt.deeinige hilfreiche Verlinkungen. Unter anderem zu www.weisse-liste.de, www.kliniken.deund www.krankenhaus.de. Eine besonders umfassende Übersicht bietet die Seite www.kliniken.de. Hier sind aktuell 3.846 Krankenhäuser aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gelistet. Zusätzlich gibt es detaillierte Informationen zu Fachabteilungen der Kliniken sowie Qualitätsberichte. 

Auf die Startseite von www.kliniken.degehen: Unter dem Menüpunkt „Top-10“ kann man speziell nach Krankheiten und Diagnosen suchen. Für Krankheiten des Nervensystems hier in der linken Spalte (unter „Krankheiten und Diagnosen nach ICD10“) auf das Feld „VI Krankheiten des Nervensystems“ klicken. Dann darunter auf das Feld „G35-G37 Demyelinisierende Krankheiten des Zentralnervensystems“ klicken. Nun erscheinen rechts davon die gesuchten Krankenhäuser, sortiert nach dem Ranking ihrer Fallzahlen. Auf Platz 1 findet sich das Behandlungszentrum in Berg-Kempfenhausen, auf Platz 2 die Fachklinik für Neurologie in Schwendi und Platz 3 belegt die DRK Kamillus Klinik in Asbach, usw.

Multiple Sklerose – Was bezahlt die Krankenkasse und was muss man selbst bezahlen?

Angehörige einer gesetzlichen Krankenversicherung haben grundsätzlich ein Recht auf stationäre sowie ambulante Versorgung, auf Arzneimittel und weitere Leistungen. In aller Regel sind jedoch bestimmte Eigenleistungen (Zuzahlungen) gesetzlich festgeschrieben. Diese Zuzahlungen betragen 10 Prozent der Kosten, pro Zuzahlung aber maximal 10 Euro. Kostet die Leistung weniger als 5 Euro, hat der Versicherte den tatsächlichen Preis zu entrichten.

Bei Arzneimitteln gelten diese Grenzen ebenfalls. Wenn der Betroffene ein besonders preiswertes Präparat erhält, entfällt die Zuzahlung. Dabei dürfen die Krankenkassen feste Beträge bestimmen, die sie erstatten, sofern mehrere Präparate mit gleichem Wirkstoff erhältlich sind. Arzneimittel, deren Preis 30 Prozent unter diesem Festbetrag liegt, werden von den Krankenkassen ohne Zuzahlung erstattet.

Zudem besteht die Regelung, dass die GKV bei bestimmten Präparaten nicht mehr den Einzelpreis des jeweiligen Arzneimittels erstatten muss, sondern nur den Festbetrag, der für eine Gruppe von vergleichbaren Präparaten festgelegt wurde. Ist das verschriebene Medikament teurer, muss der Patient den Mehrpreis selbst zahlen plus der gesetzlichen Zuzahlung für den erstatteten Kostenanteil.

Zuzahlungen fallen ebenfalls bei einem Krankenhausaufenthalt an. Sie betragen 10 Euro pro Kalendertag, wobei die Zuzahlung nur für maximal 28 Tage pro Jahr geleistet werden muss. Dabei können mehrere Krankenhausaufenthalte in einem Jahr zusammengenommen werden, so dass die maximale Zuzahlung bei stationärer Behandlung 280 Euro pro Kalenderjahr beträgt.

Bei häuslicher Krankenpflege werden einmalig zehn Euro für die Verordnung fällig. Darüber hinaus sind 10 Prozent pro Tag als Eigenanteil zu tragen. Die Zuzahlung ist auf 28 Kalendertage pro Kalenderjahr begrenzt und wird nur bei Erwachsenen über 18 Jahren erhoben. Auch bei häuslicher Krankenpflege gilt die Obergrenze von 280 Euro pro Kalenderjahr. Zuzahlungen für Krankenhausaufenthalte werden bei der Obergrenze der Zuzahlung für häusliche Krankenpflege angerechnet.

Wenn die Kosten für eine Haushaltshilfe von der Krankenkasse übernommen werden, müssen Versicherte eine Zuzahlung in Höhe von 10 Prozent der anfallenden Kosten leisten. Die Grenzen liegen bei mindestens 5 und maximal 10 Euro pro Kalendertag. Diese Zuzahlungspflicht gilt für den gesamten Zeitraum, in dem eine Haushaltshilfe in Anspruch genommen wird.

Bei Hilfsmitteln müssen Versicherte eine Zuzahlung in Höhe von 10 Prozent des Abgabepreises leisten, wobei ebenfalls eine Ober- und Untergrenze von 10 und 5 Euro pro Verordnung gelten.

Die Höhe der Zuzahlungen für Rehabilitationsmaßnahmen hängt von der Maßnahme und vom jeweiligen Kostenträger ab.

Die Kosten für eine Schmerztherapie in einer Schmerzklinik übernimmt in der Regel jede gesetzliche Krankenkasse, da es sich um eine vertragsärztliche Leistung handelt. Allerdings können weitere Kosten (wie z. B. Zuzahlungen für Verordnungen) privat anfallen.

Die Kosten einer klassischen Körperakupunktur werden von allen gesetzlichen Krankenkassen, bei chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule oder bei Kniegelenkarthrose, übernommen. Der Leistung wird vorausgesetzt, dass die Schmerzen seit mindestens sechs Monaten bestehen. In solchen Fällen haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf bis zu zehn Akupunktursitzungen pro Krankheitsfall innerhalb von maximal sechs Wochen. Eine erneute Behandlung kann frühestens zwölf Monate nach Abschluss der letzten Akupunkturbehandlung erfolgen. Die Krankenkasse erstattet die Kosten nur, wenn die Behandlung von einem qualifizierten Arzt durchgeführt wird. Akupunktur bei einem Heilpraktiker wird nicht übernommen. Die Kosten sind dann privat zu leisten.

Multiple Sklerose – Was übernimmt die DFV?

Die ambulante Krankenzusatzversicherung DFV-AmbulantSchutz erstattet Ihnen gesetzlich vorgesehene Zuzahlungen für Arznei-, Verbands-, Heil- und Hilfsmittel und die Fahrtkosten im Rahmen einer ambulanten Behandlung. Der DFV-AmbulantSchutz bietet Ihnen zudem erweiterte Vorsorgeleistungen und steht Ihnen auch finanziell zur Seite, wenn eine schwere Krankheit festgestellt wird.

Im Falle einer Erkrankung warten Sie mit der Krankenhauszusatzversicherung DFV-KlinikSchutz Exklusiv nicht länger als 5 Tage auf einen Termin bei einem spezialisierten Facharzt.

Sie profitieren zudem von Chefarztbehandlung, Einbettzimmer, freie Krankenhauswahl und Krankenhaustagegeld bei einem stationären Klinikaufenthalt. Der DFV-KlinikSchutz macht Sie zum Privatpatienten im Krankenhaus inkl. Auslandskrankenversicherung.

FAQs zum Thema Multiple Sklerose

Wie lässt sich Multiple Sklerose nachweisen?

Die Diagnose MS zu stellen ist nicht einfach, da die Erkrankung sehr vielschichtig ist. Es gibt kein typisches Beschwerdebild und keine allein für MS typischen Symptome. Daher müssen andere Erkrankungen immer erst ausgeschlossen werden. Die aufwendige Diagnose erfolgt in mehreren Schritten: nach Anamnese und klinisch-neurologischer Untersuchung folgt die apparative Diagnostik mit MRT und evozierten Potenzialen (u.a. Funktionsmessungen von Seh- und Hörbahn, sensiblen und motorischen Bahnen). Dem schließt sich die Laboruntersuchung mit Analyse von Blut und Nervenwasser an. 

Welcher Arzt bei Multiple Sklerose?

Die langfristige Behandlung von Patienten, die an Multipler Sklerose erkrankt sind, übernimmt der Neurologe. Da das Krankheitsbild mit vielen unterschiedlichen Beschwerden einhergeht, sind ebenso Physiotherapeuten, Logopäden, Psychotherapeuten, Ergotherapeuten und weitere in die Behandlung involviert. Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) rät, möglichst einmal jährlich eine mehrwöchige Rehabilitation durchzuführen.

Was kann man vorbeugend gegen einen Schub tun?

Die Häufigkeit und auch die Schwere von Schüben lassen sich durch immunmodulatorische Medikamente günstig beeinflussen. Diese auf das Abwehrsystem wirkenden Mittel, wie Interferon-Präparate und Glatirameracetat,  hemmen Entzündungen. Die Medikamente werden dabei selbst in den Muskel oder unter die Haut gespritzt. Reichen die Mittel nicht aus, stehen auch andere Wirkstoffe zur Verfügung, so zum Beispiel biotechnologisch hergestellte Antikörper oder Immunsuppressiva. 

Was ist ein Pseudoschub?

Auch ein Pseudoschub führt zu einer Verschlechterung des Krankheitszustandes. Auslöser ist allerdings keine neue Krankheitsaktivität, also ein akuter Entzündungsherd, sondern beispielsweise ein Infekt mit Fieber oder eine andere Erkrankung, die Schmerzen verursacht.

Kann man Multiple Sklerose durch Ernährung beeinflussen?

Es wird empfohlen, insgesamt auf eine ausgewogene Lebensweise mit ballaststoff- und vitaminreicher Ernährung zu achten. Bestimmte Ernährungsformen oder Diäten, die die MS-Symptome beeinflussen, gibt es bislang nicht. Frauen, die an Multipler Sklerose erkrankt sind und sich in den Wechseljahren befinden oder wiederholte Kortisonbehandlungen hinter sich haben, wird die zusätzliche Einnahme von Vitamin D empfohlen. Ziel ist es, einer Osteoporose vorzubeugen. Ein Einfluss auf die MS-Symptome konnte auch hier nicht festgestellt werden. 

Wo erhalte ich weitere Informationen über Multiple Sklerose?

Es gibt zahlreiche Selbsthilfegruppen und Verbände für Betroffene. Unter anderem:

  • Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft e.V. (DMSG)
  • Multiple Sklerose Gesellschaft Wien
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)
  • Krankheitsbezogenes Kompetenznetz Multiple Sklerose
  • Internationale MS Vereinigung MSIF

Alle Angaben ohne Gewähr!

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