Zöliakie© Quality

Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) Ursachen, Symptome, Therapie

Wird die Diagnose „Zöliakie“ gestellt, ist damit eine entzündliche Darmerkrankung gemeint. Betroffene leiden unter einer Unverträglichkeit gegenüber dem Eiweiß Gluten. Eine Ernährungsumstellung hilft dabei, die Beschwerden zu stoppen und mögliche Komplikationen zu vermeiden.

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Fachlich geprüft von Dr. med. Noelle-Dominique Albrecht
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Das Wichtigste in Kürze

  • Zöliakie ist eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der Gluten eine Entzündung im Dünndarm auslöst.
  • Sie führt zu Bauchschmerzen, Durchfall und Mangelerscheinungen.
  • Ursache ist eine genetisch bedingte Fehlreaktion des Immunsystems.
  • Nur eine strikt glutenfreie Ernährung verhindert Beschwerden und Folgeschäden.

Was ist Zöliakie?

Bei einer Zö­lia­kie e­ntzü­ndet sich der Dünndarm. Grund ist das ei­ge­ntlich ha­rmlo­se Kle­be­rei­weiß Gluten, denn das kö­rpe­rei­ge­ne A­bwe­hrsy­stem stuft es als schädlich ein. I­nfo­lge­de­ssen zeigt das I­mmu­nsy­stem bei Be­tro­ffe­nen eine Ü­be­rrea­ktion, sobald glu­te­nha­lti­ge Nahrung verzehrt wird. Gluten findet sich in Ge­trei­de­so­rten wie Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und Grünkern. Das I­mmu­nsy­stem von Menschen mit einer Gluten-U­nve­rträ­gli­chkeit reagiert zudem auf das kö­rpe­rei­ge­ne Enzym „Ge­we­be­tra­nsglu­ta­mi­na­se“. Bei ge­su­nden Menschen spaltet dieses Enzym das Gluten. – Sowohl Gluten als auch das Enzym Ge­we­be­tra­nsglu­ta­mi­na­se be­fi­nden sich auf der Da­rmschlei­mhaut. Durch A­ngri­ffe des I­mmu­nsy­stems wirken beide e­ntzü­ndu­ngsfö­rdernd. Wird nicht auf Gluten ve­rzi­chtet, führt dies zu einer chro­ni­schen E­ntzü­ndung und die Au­sstü­lpu­ngen der Dü­nnda­rmschlei­mhaut (Zotten), bilden sich a­llmä­hlich zurück. Dadurch ve­rri­ngert sich die O­be­rflä­che der Da­rmschlei­mhaut und es können immer we­ni­ger Nä­hrsto­ffe aus der Nahrung vom Darm ins Blut ge­la­ngen.

Die Da­rmschlei­mhaut ist in Falten au­fge­wo­rfen und bildet so­ge­na­nnte Zotten. Durch diese Struktur stellt sich die O­be­rflä­che des Darms größer dar und Be­sta­ndtei­le aus der Nahrung können rascher vom Darm ins Blut ü­be­rtre­ten. Leidet jemand an Zö­lia­kie, dann werden diese Au­sstü­lpu­ngen durch Auto-A­nti­kö­rper zerstört. Dies führt mit der Zeit zu schweren Ma­nge­le­rschei­nu­ngen, da zur Na­hru­ngsau­fna­hme nur noch eine deutlich ve­rklei­ne­rte Fläche ve­rfü­gbar ist.

Gibt es einen Unterschied zwischen Zöliakie und Glutenunverträglichkeit?

Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung, bei der Gluten zu Entzündungen und Schädigungen der Darmschleimhaut führt. Sie wird durch Antikörpertests und oft eine Dünndarmbiopsie diagnostiziert. Die einzige Therapie ist eine lebenslange, streng glutenfreie Ernährung, um Symptome und Folgeschäden zu vermeiden. Im Unterschied dazu verursacht die Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität Beschwerden ohne Darmschädigung oder Autoimmunreaktion, während bei einer Weizenallergie meist allergische Symptome auftreten. Eine genaue medizinische Abklärung ist für die richtige Diagnose entscheidend.

Zöliakie – Ursachen

Die Entstehung von Zöliakie ist komplex und beruht meist auf dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Entscheidend ist vor allem eine genetische Veranlagung in Kombination mit einer fehlgeleiteten Immunreaktion auf Gluten.

UrsacheFaktorenEinordnung / Bedeutung
Genetische Voraussetzungen & Immunreaktion- genetische Veranlagung (HLA-DQ2 oder HLA-DQ8) - familiäre Häufung - fehlgeleitete Immunreaktion auf Gluten (Autoimmunreaktion)Zentrale Grundlage für die Entstehung von Zöliakie
Begünstigende Umwelt- und Einflussfaktoren- früher oder intensiver Glutenkontakt im Säuglingsalter - Magen-Darm-Infektionen - veränderte Darmflora - psychosoziale BelastungenKönnen die Erkrankung auslösen oder verstärken
Risikofaktoren durch Begleiterkrankungen- Typ-1-Diabetes - andere Autoimmunerkrankungen - Down-Syndrom - Turner-Syndrom - IgA-MangelDeutlich erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Zöliakie
Illustration eines Schutzschildes.

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Zöliakie – Symptome

Cha­rak­te­ris­ti­sche Be­schwer­den bei Zö­li­a­kie sind Bauch­schmer­zenBlä­hun­gen und fet­ti­ger Durch­fall. Diese Symp­to­me treten meist un­mit­tel­bar nach dem Ver­zehr glu­ten­hal­ti­ger Nah­rungs­mit­tel auf. Lang­fris­tig wird bei Be­trof­fe­nen durch die ent­ste­hen­de Ent­zün­dung die Darm­schleim­haut ge­schä­digt. In­fol­ge­des­sen werden Nah­rungs­be­stand­tei­le schlech­ter auf­ge­nom­men und Man­gel­zu­stän­de, wie etwa Ei­sen­man­gel, können auf­tre­ten. Das führt dazu, dass der Kör­per Was­ser schlech­ter in den Ge­fä­ßen hal­ten kann. Es la­gert sich statt­des­sen im Ge­we­be ein und Öde­me bil­den sich. Häu­fig ver­lie­ren Men­schen, die an Zö­li­a­kie lei­den, auf­grund der Ma­gen-Darm-Be­schwer­den auch an Ge­wicht.

Aty­pi­sche Symp­to­me bei Zö­li­a­kie:

Nicht immer zeigt sich eine Zö­li­a­kie mit den be­schrie­be­nen ty­pi­schen Symp­to­men. Ei­ni­ge Be­trof­fe­ne lei­den an aty­pi­schen Be­schwer­den, die nicht di­rekt mit der Darm­funk­tion zu­sam­men­hän­gen. Es kann dann bei­spiels­wei­se zu Haut­pro­ble­men kom­men. Das führt dazu, dass die Dia­gno­se „Zö­li­a­kie“ dann oft erst spät fest­steht, da die Krank­heit nicht gleich er­kannt wurde. Häu­figs­te aty­pi­sche Symp­to­me sind:

  • Haut­ent­zün­dung mit jucken­den röt­lich er­ho­be­nen Blä­sch­en
  • Er­kran­kung der Leber mit teils leicht er­hö­hten Le­ber­wer­ten
  • Blut­ar­mut, Zun­gen­bren­nen, Fau­l­ecken am Mund (als Fol­ge von Ei­sen­man­gel)
  • Os­teo­po­ro­se, Mu­skel­schwä­che, Mu­skel­krämp­fe, Ko­chen­schmer­zen (auf­grund eines Kal­zi­um­man­gels)
  • Nacht­blind­heit durch Vi­ta­min-A-Man­gel
  • Blutun­gen, u. a. in der Haut (durch Vi­ta­min-K-Man­gel)
  • Schild­drü­sen­funk­tions­stö­rung­en
  • Ent­zün­dung der Ni­eren­kör­per­chen
  • Ge­lenk­be­schwer­den
  • Epi­lep­ti­sche An­fäl­le
  • Koor­di­na­tions­stö­rung­en
  • Ner­ven­stö­rung­en
  • Stim­mungs­schwan­kun­gen
  • De­pres­sio­nen

Zö­li­a­kie mit ge­rin­gen oder gar kei­nen Symp­to­men:

Es gibt Pa­tien­ten, die an Zö­li­a­kie er­krankt sind, An­ti­kör­per im Blut und eine ver­än­der­te Dü­nndar­mschleim­haut ha­ben, und die den­noch symp­tom­frei sind oder nur mit ge­rin­gen, aty­pi­schen Be­schwer­den le­ben. Oft tre­ten le­dig­lich Ab­ge­schla­gen­heit oder Mü­dig­keit auf. Ihre Glu­ten­un­ver­träg­lich­keit wird meist erst im Rah­men einer Scree­ning-Un­ter­su­chung ent­deckt, wenn nahe Ver­wand­te er­krankt sind. In ei­ni­gen Fäl­len lassen sich An­ti­kör­per einer Zö­li­a­kie schon nach­wei­sen, bevor es zu einer Schä­di­gung der Dü­nndar­mschleim­haut kommt. Es kann sein, dass im Lau­fe der Zeit noch Symp­to­me auf­tre­ten. Be­trof­fe­ne können aber e­benso symp­tom­frei blei­ben. Bei fest­ste­hen­der Dia­gno­se sollte le­bens­lang auf eine strikt glu­ten­freie Er­näh­rung ge­ach­tet wer­den. Dies gilt auch, wenn nur ge­rin­ge oder kei­ne Symp­to­me vor­han­den sind. Sonst be­steht die Ent­zün­dung der Dü­nndar­m­schleim­haut wei­ter und es dro­hen Kom­pli­ka­tio­nen wie ein Nähr­stoff­man­gel.

Zöliakie – Verlauf

Zö­li­a­kie ist zwar nicht heil­bar, aller­dings können Be­trof­fe­ne, bei Ein­hal­tung einer glu­ten­freien Diät, meist völ­lig symp­tom­frei le­ben. Dies stellt an­fangs einen Ein­schnitt im ge­wohn­ten Ess­ver­hal­ten dar. Es gibt je­doch eine große Viel­falt an Nah­rungs­mit­teln, die kein Gluten ent­hal­ten. An Zö­li­a­kie Er­krank­te können sich also auch wei­ter­hin sehr ab­wechs­lungs­reich er­nä­hren.

Wurde eine Zö­li­a­kie erst spät dia­gnos­ti­ziert, be­steht ein er­höh­tes Ri­si­ko für die Er­kran­kung an be­stimm­ten Krebs­ar­ten im Ma­gen-Darm-Trakt (in­tes­ti­na­les T-Zell-Lym­phom, Ade­no­kar­zi­nom). Zu­dem können durch die Ent­zün­dung im Darm ern­ste Man­gel­zu­stän­de an Vi­ta­mi­nen, Spu­ren­ele­men­ten und anderen Nähr­stof­fen ent­ste­hen. Au­ßer­dem sind zu­sätz­li­che Stö­rung­en der Ver­dau­ung mög­lich, bei­spiels­wei­se Lak­to­se­in­to­le­ranz. Dabei führt die Darm­ent­zün­dung zu einem Man­gel am Milch­zu­cker spal­ten­den En­zym La­kta­se, das sich im Be­reich der Dü­nndar­m-Schleim­haut be­fin­det. Somit kann der Milch­zu­cker nicht mehr ver­daut wer­den und Lak­to­se­in­to­le­ran ent­steht. In man­chen Fäl­len tritt sie aller­dings nur zeit­wei­se auf. Wird eine Zö­li­a­kie recht­zei­tig er­kannt und stellen Be­trof­fe­ne ihre Er­näh­rung auf glu­ten­freie Le­bens­mit­tel um, können sie sich vor den Fol­gen der Krank­heit schüt­zen.

Zöliakie – Diagnose

Im Ge­spräch mit dem be­han­deln­den Haus­arzt oder einem Gas­tro­en­te­ro­lo­gen werden die ak­tu­el­len Be­schwer­den, aber auch mög­li­cher­wei­se be­reits vor­lie­gen­de Er­kran­kungen the­ma­ti­siert (zum Bei­spiel Dia­be­tes Typ 1 oder IgA-Man­gel). Be­steht der Ver­dacht auf eine Zö­li­a­kie, sind u. a. fol­gen­de Fra­gen re­le­vant:

  • Treten Durch­fall und Bauch­schmer­zen häu­fig auf?
  • Kam es in letz­ter Zeit zu einem deut­li­chen Ge­wichts­ver­lust?
  • Wurden – bei Kin­dern und Ju­gend­li­chen – Wachs­tums­stö­rung­en be­merkt? Ver­zö­gert sich der Ein­tritt in die Pu­ber­tät?
  • Wurden Ver­än­de­rung­en an der Haut fest­ge­stellt?
  • Lei­det ein naher Ver­wand­ter an Zö­li­a­kie?
  • Gab es be­reits einen Zö­li­a­kie-Test oder wurde ge­ge­be­nen­falls ein Selbst­test durch­ge­führt?

Kör­per­li­che Un­ter­su­chung

Im Rah­men der nun fol­gen­den kör­per­li­chen Kon­tro­lle schaut sich der Arzt ins­be­son­de­re Haut und Zun­ge an, horcht mit dem Ste­tho­skop am Bauch nach Darm­ge­räu­schen und tastet ihn auch ab, um mög­li­cher­wei­se ver­mehr­te Luft darin, Flüs­sig­keit oder Darm­ver­di­ckun­gen fest­stel­len zu können. Zur si­che­ren Dia­gno­se­stel­lung sind wei­te­re Un­ter­su­chun­gen wich­tig:

Der Zö­li­a­kie-Test

Bei dem Test wird das Blut des Pa­tien­ten im La­bor ana­ly­siert. Be­fin­den sich darin die für Zö­li­a­kie ty­pi­schen An­ti­kör­per, ist dies der Nach­weis für eine Glu­ten­un­ver­träg­lich­keit. E­benso ist ein Test über die Atem­luft mög­lich (H2-Atem­test). Auch ein Selbst­test wird häu­fig von Be­trof­fe­nen durch­ge­führt. Aller­dings ist er nicht so zu­ver­läs­sig wie die Tests, die der Arzt vor­neh­men kann.

Er­gän­zend zum Zö­li­a­kie-Test kann aus dem Dü­nndarm eine Ge­we­be­pro­be (Bio­p­sie) ent­nom­men wer­den. Cha­rak­te­ris­ti­sche Zö­li­a­kie-Ver­än­de­rung­en be­stä­tigen dann den Krank­heits­ver­dacht. Auf diese Bio­p­sie kann man aller­dings ver­zich­ten, wenn Be­trof­fe­ne an den ty­pi­schen Symp­to­men lei­den, wenn sehr hohe An­ti­kör­per­wer­te vor­lie­gen und wenn eine ge­ne­ti­sche Dis­po­si­tion für die Krank­heit be­steht. Sollte trotz aller Un­ter­su­chun­gen kei­ne si­che­re Dia­gno­stik mög­lich sein, wird Be­trof­fe­nen emp­foh­len, sich acht Wo­chen lang glu­ten­frei zu er­näh­ren. An­schlie­ßend können nach einer ge­ziel­ten Glu­ten­be­las­tung die Ge­we­be­pro­be und die Blut­un­ter­su­chung wie­der­holt wer­den.

Da bis zu 90 Pro­zent der an Zö­li­a­kie Er­krank­ten le­dig­lich unter un­ty­pi­schen Symp­to­men lei­den, ist eine Dia­gno­se nicht immer ein­fach zu stel­len. Im Durch­schnitt dau­ert es vier Jah­re, bis die Krank­heit er­kannt wird.

Zöliakie – Behandlung

Zöliakie ist eine lebenslange Erkrankung ohne Heilung. Durch eine konsequent glutenfreie Ernährung verschwinden die Beschwerden meist vollständig, und der Darm kann sich erholen. Mangelzustände sind in der Regel gut behandelbar. In seltenen Fällen (refraktäre Zöliakie) bessern sich die Symptome trotz Diät nicht und müssen medikamentös behandelt werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Zöliakie?

BetrifftBeispielHinweis
Erkrankung & BehandlungGlutenfreie Ernährung als zentrale MaßnahmeSymptome bilden sich meist vollständig zurück, Darm regeneriert sich
Folgen der ErkrankungNährstoffdefizite durch geschädigten DarmIn der Regel gut therapierbar
Sonderform (refraktäre Zöliakie)Beschwerden trotz strenger Diät über ≥12 MonateBehandlung nur medikamentös möglich
Zu vermeidende GetreideWeizen, Roggen, Gerste, Dinkel, Grünkern, Einkorn, Emmer, Kamut, Triticale, ggf. HaferHafer individuell verträglich
Typische glutenhaltige ProdukteBrot, Nudeln, Pizza, Müsli, Kekse, paniertes Fleisch/Fisch, Bier, SojasoßeNur glutenfreie Varianten geeignet
Geeignete GetreidealternativenReis, Mais, Hirse, Buchweizen, Amaranth, Quinoa, Wildreis, TeffGroße Auswahl an Ersatzprodukten verfügbar
Natürlich glutenfreie LebensmittelObst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte, Milchprodukte, Nüsse, Öle, GetränkeNur unverarbeitet bzw. ohne Zusätze sicher
Kennzeichnung & Orientierung„Glutenfrei“ ≤ 20 ppm, Symbol: durchgestrichene ÄhreZutatenliste nennt Getreidearten, nicht zwingend „Gluten“

The­ra­pie von Man­gel­erschei­nun­gen

Lei­den Be­trof­fe­ne be­reits län­ge­re Zeit an einer Zö­li­a­kie, ohne dass es zu einer Er­näh­rungs­um­stel­lung kam, dann können sich be­reits Man­gel­zu­stän­de er­ge­ben ha­ben. Durch den Ent­zün­dungs­pro­zess im Dü­nndarm wird näm­lich auch die Auf­nah­me von le­bens­wich­ti­gen Vi­ta­mi­nen und Spu­ren­ele­men­ten ins Blut ge­stört. Häu­fig kommt es daher zu einem Man­gel an Vi­ta­min A, Vi­ta­min B6 und B12, an Fo­l­säu­re und Vi­ta­min K. Wich­tige Spu­ren­ele­men­te, die oft nur noch un­zu­rei­chend auf­ge­nom­men wer­den, sind Ei­sen, Ma­gne­si­um und Kal­zi­um. Fol­gen sol­cher Man­gel­zu­stän­de können Blut­ar­mut (A­nä­mie), schwe­re Blu­tun­gen oder Mu­skel­krämp­fe sein. – Feh­len­de Vi­ta­mi­ne und Spu­ren­ele­men­te können je­doch künst­lich zu­ge­führt wer­den. In den meis­ten Fäl­len reicht es, Ta­blet­ten ein­zu­neh­men. Ist der ent­zün­de­te Darm schon stark be­ein­träch­tigt, ist es nö­tig, eine In­fu­sion über die Vene oder eine In­jek­tion in den Mus­kel zu ge­ben, denn die zu­ge­führ­ten Vi­ta­mi­ne und Spu­ren­ele­men­te können sonst nicht um­fas­send auf­ge­nom­men wer­den.

Alternative Zusatztherapien

TherapieformAnsatz / AnwendungBeispieleBesonderheiten / Hinweise
HomöopathieIndividuell abgestimmte, konstitutionelle Behandlung zur Linderung der BeschwerdenKalium sulfuricum, Nux vomicaNur ergänzend zur glutenfreien Ernährung; Erfolg abhängig von Krankheitsdauer, Darmschädigung und Mangelzuständen
Akupunktur (TCM)Regulation des Immunsystems und Harmonisierung des EnergieflussesBehandlung nach TCM-Prinzipien (z. B. Ausgleich eines Yin-Mangels)Ergänzende Therapie; zielt auf Stabilisierung der Abwehrkräfte, nicht auf Heilung der Ursache

Zöliakie bei Babys und Kindern

Be­steht bei Ba­bys oder Kin­dern der Ver­dacht einer Glu­ten­un­ver­träg­lich­keit, sollte dies um­ge­hend vom Arzt un­ter­sucht wer­den. Es gilt, die Fol­gen einer nicht er­kann­ten Zö­li­a­kie zu ver­mei­den. Un­be­han­delt kann es durch den Man­gel an Vi­ta­mi­nen, Spu­ren­ele­men­ten und ande­ren Nähr­stof­fen zu schwe­ren Ent­wick­lungs­stö­rung­en kom­men.

Bei klei­nen Kin­dern kann eine Glu­ten­un­ver­träg­lich­keit Ver­dau­ungs­stö­rung­en aus­lösen. Diese zeigen sich dann in einem auf­ge­trie­be­nen Bauch, vo­lu­mi­nö­sem, stark rie­chen­dem Durch­fall oder in der Ver­wei­ge­rung von Es­sen. Auf­fal­lend können zu­dem Wachs­tums­stö­rung­en sein oder ein ver­zö­ger­ter Ein­tritt in die Pu­ber­tät. Au­ßer­dem tritt oft Ei­sen­man­gel auf. Einen Hin­weis auf Zö­li­a­kie können e­benso We­sens- und Ver­hal­tens­än­de­run­gen ge­ben. Kin­der sind dann sehr wei­ner­lich, miss­mutig oder apa­thisch. Bei Kin­dern äu­ßern sich die ers­ten Zö­li­a­kie-Symp­to­me ge­gen Ende des ers­ten Le­bens­jah­res, etwa drei bis sechs Mo­na­te nach dem Ver­zehr der ers­ten glu­ten­hal­ti­gen Ge­trei­de­mahl­zeit.

Be­hand­lung einer Glu­ten­un­ver­träg­lich­keit beim Baby

Ist eine Schwan­ge­re an Zö­li­a­kie er­krankt oder de­ren nahe Ver­wand­te, wird emp­foh­len, das Baby mög­lichst lan­ge zu stil­len. Mut­ter­milch übt näm­lich einen schüt­zen­den Ef­fekt ge­gen die Zö­li­a­kie aus. E­benso vor­beu­gend können im mitt­le­ren Säug­lings­al­ter ge­rin­ge Men­gen glu­ten­hal­ti­ger Nah­rungs­mit­tel sein. Am deut­lichs­ten wirkt sich diese pro­phy­lak­ti­sche Maß­nah­me vom fünf­ten bis sieb­ten Le­bens­mo­nat aus. Stu­di­en ha­ben er­ge­ben, dass Kin­der dann sel­te­ner an Zö­li­a­kie lit­ten. Ka­men Kin­der hin­ge­gen frü­her mit Gluten in Kon­takt, wurde ein er­höh­tes Zö­li­a­kie-Ri­si­ko nach­ge­wie­sen.

Zöliakie – ICD-Code

Je­der Krank­heit ist in der Me­di­zin ein ei­ge­ner ICD-Code zu­ge­ord­net. Die Ab­kür­zung ICD steht für In­ter­na­tio­nal Sta­tis­ti­cal Clas­si­fi­ca­tion of Di­sea­ses and Re­la­ted Health Pro­blems. Das Klas­si­fi­zie­rungs­sys­tem ist welt­weit an­er­kannt und eines der wich­tigs­ten für me­di­zi­ni­sche Dia­gno­sen. So wird bei­spiels­wei­se „Zö­li­a­kie“ unter dem ICD-Code „K90.0“ er­fasst. Häu­fig hilft die Ein­ga­be dieses Codes auch bei der Re­cher­che im In­ter­net wei­ter.

Zöliakie – Wie finde ich den richtigen Arzt?

Im In­ter­net gibt es vie­le An­bie­ter von Arzt­por­ta­len. Eines ist bei­spiels­wei­se die Arzt-Aus­kunft der Stif­tung Ge­sund­heit. Sie be­in­hal­tet teil­wei­se einen Pa­ti­en­ten­zu­frie­den­heits­score und ver­fügt in der Re­gel über ak­tu­el­le po­sta­li­sche Da­ten. Ein­zu­se­hen ist sie unter www.arzt-auskunft.de. Auf der Su­che nach einem Arzt, der sich mit der Be­hand­lung einer Zö­li­a­kie (Glu­ten­un­ver­träg­lich­keit) aus­kennt und des­sen Pra­xis in Wohn­ort­nä­he ist, kann man hier ziel­füh­rend re­cher­chie­ren.

Zöliakie – Was bezahlt die Krankenkasse und was muss man selbst bezahlen?

Gesetzlich Versicherte haben Anspruch auf umfassende medizinische Leistungen. In vielen Fällen müssen sie jedoch Zuzahlungen leisten.

  • Zuzahlung: 10 % der Kosten, mindestens 5 €, maximal 10 € pro Leistung
  • Arzneimittel: gleiche Regelung; bei besonders günstigen Präparaten entfällt die Zuzahlung
  • Festbeträge: Krankenkassen erstatten oft nur einen festgelegten Betrag; Mehrkosten müssen selbst getragen werden
  • Krankenhaus: 10 € pro Tag, maximal 28 Tage pro Jahr
  • Häusliche Krankenpflege: zusätzliche Zuzahlungen, ebenfalls mit jährlichen Obergrenzen

Zöliakie – Was übernimmt die DFV?

Die am­bu­lan­te Kran­ken­zu­satz­ver­siche­rung DFV-Am­bu­lant­Schutz er­stat­tet Ihnen ge­setz­lich vor­ge­se­he­ne Zu­zah­lun­gen für Arz­nei-, Ver­bands-, Heil- und Hilfs­mit­tel sowie Fahrt­kos­ten im Rah­men einer am­bu­lan­ten Be­hand­lung. Der DFV-Am­bu­lant­Schutz bie­tet zu­dem er­wei­ter­te Vor­sor­ge­leis­tun­gen und steht fi­nan­zi­ell zur Seite, wenn eine schwe­re Krank­heit fest­ge­stellt wird.

Mit der Kran­ken­haus­zu­satz­ver­siche­rung DFV-Kli­nik­Schutz er­hal­ten Sie u. a. Chef­arzt­be­hand­lung, Ein­bett­zim­mer und freie Kran­ken­haus­wahl.

Klinik und Arzt selbst wählen

Das Leben mit Zöliakie ist an einigen Stellen mit Einschränkungen verbunden. Umso besser, wenn Sie zur besseren Behandlungen Ihre Klinik samt Arzt selbst wählen können. Wie das geht? Mit dem DFV-KlinikSchutz:

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Eine Ärztin mit Stethoskop und verschränkten Armen. © Artmim

FAQ zum Thema Zöliakie Häufige Fragen

  • Zö­li­a­kie ver­eint sowohl E­le­men­te einer Al­ler­gie als auch einer Au­to­im­mu­ner­kran­kung. Bei einer Al­ler­gie reagiert das Im­mun­sys­tem auf an sich harm­lo­se Stoffe. Das trifft bei Zö­li­a­kie zu, denn auf das ei­gent­lich un­schäd­li­che Glu­ten gibt der Kör­per eine ü­ber­schie­ßen­de Im­mun­ant­wort. – Zö­li­a­kie erfüllt aber auch die De­fi­ni­tion einer Au­to­im­mu­ner­kran­kung, denn das Im­mun­sys­tem bildet An­ti­kör­per ge­gen das kör­per­ei­ge­ne En­zym Ge­we­be­trans­glu­ta­mi­na­se. Nach ak­tu­el­lem Stand der Wis­sen­schaft ist Zö­li­a­kie am ehes­ten eine Misch­form aus Al­ler­gie und Au­to­im­mu­ner­kran­kung. Al­ler­dings konnte sich die Be­zeich­nung der Glu­ten­al­ler­gie in der Wis­sen­schaft nicht durch­set­zen und ist daher nicht ge­bräuch­lich.

  • Bei Zö­li­a­kie kommt es zu einer Ent­zün­dung der Dünn­darm­schleim­haut. Wenn diese Ent­zün­dung län­ger dau­ert, weil Be­trof­fe­ne sich nicht glu­ten­frei er­näh­ren, bil­den sich die Aus­stül­pungen der Dünn­darm­schleim­haut (Schleim­haut­zotten) all­mäh­lich zu­rück. Die Ober­flä­che der Darm­schleim­haut ver­ring­ert sich und es kön­nen we­ni­ger Nähr­stof­fe aus der Nah­rung auf­ge­nom­men wer­den. Bei schwe­ren Ver­läu­fen ist es dem Kör­per nicht mehr mög­lich, Nah­rungs­be­stand­tei­le wie Fet­te, Ei­weiß, Milch­zu­cker, le­bens­wich­ti­ge Vi­ta­mi­ne, Kal­zi­um und auch Ei­sen aus­rei­chend zu ver­wer­ten. Dies kann un­ter an­de­rem zu Man­gel­er­schei­nun­gen wie Blut­ar­mut oder Kno­chen­schwund füh­ren.

  • Wer an Zö­li­a­kie lei­det, soll­te sich kon­se­quent glu­ten­frei er­näh­ren. Zu den ge­eig­ne­ten Nah­rungs­mit­teln zäh­len bei­spiels­wei­se Ge­trei­de­ar­ten und auch so­ge­nan­nte Pseu­do­ge­trei­de, die kein Glu­ten ent­hal­ten, wie Reis, Mais, Hir­se, Buch­wei­zen, Ama­ranth, Qui­noa und Wild­reis. Ebe­nso sind al­le Le­bens­mit­tel er­laubt, die von Na­tur aus frei von Glu­ten sind. Un­ter an­de­rem Obst und Ge­mü­se, Fleisch und Fisch, Hül­sen­früch­te, Milch und Milch­pro­duk­te, Nüs­se und Öle. Be­trof­fe­ne soll­ten beim Ein­kauf den­noch ge­nau auf die Zu­ta­ten­lis­te ach­ten, um wirk­lich si­cher zu sein, dass ei­nem Pro­dukt kein Glu­ten zu­ge­setzt wur­de.

  • Zö­li­a­kie ist nicht heil­bar. Die Krank­heit be­glei­tet Be­trof­fe­ne ein Le­ben lang. Ach­ten Pa­tien­ten je­doch dis­zi­pli­niert auf eine glu­ten­freie Er­näh­rung, kön­nen sie meist völ­lig symp­tom­frei wer­den.

  • Eine Glu­ten­un­ver­träg­lich­keit kann sich bei Kin­dern durch Ver­dau­ungs­stö­rung­en äu­ßern. Oft zei­gen sich zu­dem ein auf­ge­trie­be­ner Bauch so­wie vo­lu­mi­nö­ser und übel­rie­chen­der Durch­fall. Ei­nige Kin­der ver­wei­gern ihr Es­sen. Wachs­tums­stö­rung­en oder eine Ver­zö­ge­rung der Pu­ber­tät kom­men e­be­nso vor, wie deut­li­che Ver­hal­tens­än­de­rung­en. Häu­fig tritt Ei­sen­man­gel auf. – Eine glu­ten­freie Er­näh­rung sorgt in der Re­gel für die Auf­lö­sung die­ser Be­schwer­den. Un­ter Um­stän­den ist eine zu­sätz­li­che Be­hand­lung mög­li­cher Man­gel­er­schei­nun­gen durch den Arzt nö­tig.

  • Nahrungsergänzungsmittel können bei Zöliakie sinnvoll sein, wenn durch die glutenfreie Ernährung Nährstoffmängel wie bei Vitamin B12, Vitamin D, Folsäure, K, Eisen, Zink oder Magnesium bestehen. Ob und welche Ergänzungen sinnvoll sind, sollte immer ein Arzt anhand von Blutwerten entscheiden. Selbstmedikation wird nicht empfohlen, da Überdosierungen schaden können. Wichtig: Nur glutenfreie Nahrungsergänzungen verwenden. Meistens ist bei ausgewogener, glutenfreier Ernährung keine regelmäßige Supplementierung nötig.

  • Wer trotz gesicherter Zöliakiediagnose weiterhin Gluten isst, löst im Dünndarm erneut eine Immunreaktion mit Entzündung aus. Typische Beschwerden sind Bauchschmerzen, Durchfall, Blähungen, Übelkeit sowie unspezifische Symptome wie Müdigkeit oder Konzentrationsschwäche. Die chronische Entzündung verschlechtert die Nährstoffaufnahme, was zu Mangelerscheinungen bis hin zu Blutarmut, Osteoporose und Muskelschwäche führen kann. Unbehandelt drohen langfristige Komplikationen, darunter ein erhöhtes Krebsrisiko. Eine strikt glutenfreie Ernährung ist daher für Betroffene unerlässlich.

Tipps

Fazit

Zö­li­a­kie er­for­dert le­bens­lan­ge Kon­se­quenz: Nur ei­ne strikt glu­ten­freie Er­näh­rung ver­hin­dert Be­schwer­den und Fol­ge­schä­den. Mit dem rich­ti­gen Wis­sen zu glu­ten­hal­ti­gen und glu­ten­frei­en Le­bens­mit­teln ist den­noch ei­ne ab­wechs­lungs­rei­che Er­näh­rung mög­lich – und Be­trof­fe­ne kön­nen in der Re­gel ein be­schwer­de­frei­es, ge­sund­es Le­ben füh­ren.

    • Deutsches Ärzteblatt. Diagnostik und Therapie der Zöliakie. (Abruf: 07.04.2026).
    • Deutsche Homöopathie-Union Karlsruhe. (2006). Homöopathisches Repetitorium.
    • Deutsche Zöliakie Gesellschaft e.V. Was ist Zöliakie? (Abruf: 30.03.2020).
    • Felber et al. (2014). Ergebnisse einer S2k-Konsensuskonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS) gemeinsam mit der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft (DZG) zur Zöliakie, Weizenallergie und Weizensensitivität. (Abruf: 30.03.2020).
    • Marien Hospital Witten. Was ist Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)? (Abruf: 07.04.2026).
    • NDR. Zöliakie: Gluten-Unverträglichkeit erkennen und behandeln. (Abruf: 02.06.2022).
    • Prof. Dr. Koletzko et al. (2017). Ratgeber Zöliakie. (Abruf: 30.03.2020)
    • Sanasearch. Zöliakie - Glutenunverträglichkeit. (Abruf: 01.04.2020)
    • Schuppan, Detlef und Gisbert-Schuppan, Kristin: Tägliches Brot: Krank durch Weizen, Gluten und ATI, Springer Verlag, 1. Auflage 2018.
    • Schuppan, Detlef und Zimmer, K.-P.: Diagnostik und Therapie der Zöliakie, in: Deutsches Ärzteblatt Ausgabe 110 in 2013.
    • Schuppan, Detlef: Zölliakie: Pathogenese, Klinik, Epidemiologie, Diagnostik und Therapie, in Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 2016 (59).
    • Wikpedia. Zöliakie. (Abruf: 07.04.2026). 
  • Die Artikel im Ratgeber der Deutschen Familienversicherung sollen Ihnen allgemeine Informationen und Hilfestellungen  rund um das Thema Gesundheit bieten. Sie sind nicht als Ersatz für eine professionelle Beratung gedacht und sollten nicht als Grundlage für eine eigenständige Diagnose und Behandlung verwendet werden. Dafür sind immer Mediziner zu konsultieren.

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