Weisheitszahn

Weisheitszahn OP: Ablauf, Besonderheiten und Kosten

Weisheitszähne tragen zwar einen vielversprechenden Namen, werden ihm aber leider nicht gerecht. Denn mit Weisheit haben sie nichts zu tun. Vielmehr wurden die Zähne so benannt, da sie tendenziell erst im Erwachsenenalter durchbrechen. Normalerweise hat jeder Mensch vier dieser Zähne. Häufig bleiben sie unbemerkt unter dem Zahnfleisch verborgen. Bereiten sie jedoch Schmerzen oder schädigen sie benachbarte Zähne, ist ihre Entfernung sinnvoll.


Was sind Weisheitszähne?

Weisheitszahn GebissVon der Zahnmitte aus gezählt, ist der Weisheitszahn der achte, jeweils am Ende einer Zahnreihe. Häufig bricht er erst im Erwachsenenalter durch, hin und wieder auch schon in der Jugend. In der Regel hat jeder vier dieser Zähne. Auf dem Röntgenbild sind sie gut sichtbar, in der Mundhöhle nur dann, wenn sie den Durchbruch durchs Zahnfleisch schaffen. Weisheitszähne müssen nicht generell entfernt werden. Eine Übersichts-Röntgenaufnahme beim Zahnarzt gibt Auskunft über ihre Lage in der Mundhöhle und hilft im Zweifelsfall bei einer Entscheidung für oder gegen den Erhalt des Zahnes.

Wann müssen die Weisheitszähne raus?

Häufig verfügen Weisheitszähne über zu wenig Platz im Gebiss, liegen schräg und können demzufolge nicht normal wachsen. Oft bleiben sie dann vollständig im Kiefer eingeschlossen (retiniert) oder können nur teilweise durchkommen (teilretiniert).

Weisheitszahn-teilretiniert

Drücken sie gegen benachbarte Zähne, können sie diese auch schädigen. Dieser Druck führt dann häufig zu Schmerzen und Entzündungen. Halten die Beschwerden an, kann u.U. sogar die Wurzel des benachbarten Zahns geschädigt werden. Besonders häufig kommt es im Unterkiefer zur Bildung einer Schleimhaut-Kapuze über dem wachsenden Weisheitszahn. Unter ihr können sich Speisereste sammeln, zu einer Schwellung und späteren Entzündung führen. Unbemerkt kann sich die Entzündung längere Zeit halten, bevor sie größere Schmerzen verursacht. Um den Prozess zu stoppen, muss der Zahnarzt die Zahntaschen reinigen. Ggf. ist es notwendig, die Schleimhaut-Kapuze mit einem Schnitt oder elektrochirurgisch zu öffnen. – Damit erst gar kein Entzündungsprozess entsteht, sollte der Weisheitszahn bei Problemen rechtzeitig gezogen werden. Dies gilt ebenso bei stark kariösen Weisheitszähnen. Da sie weit hinten im Mund liegen, lassen sie sich oft nur schlecht reinigen und Bakterien können dann den Zahnschmelz angreifen.

Eine Weisheitszahn-OP empfiehlt sich

-       wenn der Kiefer zu klein ist und Komplikationen wahrscheinlich sind

-       wenn der Weisheitszahn Kiefer oder Nerven schädigt

-       bei Entzündungsgefahr

-       bei Karies.

Welche Ärzte führen eine Entfernung durch?

Eine sog. Osteotomie (operative Entfernung) des Weisheitszahns kann man bei einem chirurgisch versierten Zahnarzt, einem Oralchirurgen oder einem Kieferchirurgen vornehmen lassen. Patienten sollten ruhig nachfragen, wie häufig ihr behandelnder Arzt den Eingriff bereits durchgeführt hat. Sollte es während der Weisheitszahn-OP zu evtl. Komplikationen kommen, kann ein Arzt mit viel Erfahrung rascher und versierter reagieren.

Weisheitszähne ziehen – OP-Möglichkeiten

Wie einfach bzw. komplex der Eingriff zur Entfernung der Weisheitszähne verläuft, hängt davon ab, ob sie bereits richtig herausgewachsen oder noch im Kiefer verborgen sind. Ist der Zahn schon ein wenig bis komplett durchgebrochen, dann kann der Zahnarzt ihn in der Regel einfach und schnell ziehen. Dies erfolgt, sobald die örtliche Betäubung wirkt und der Patient nichts mehr spürt.

Liegt der Weisheitszahn noch im Kiefer verborgen oder wächst er schräg, sollte die OP von einem Oral- oder Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgen durchgeführt werden. Der Eingriff gestaltet sich dann etwas komplexer, denn bevor der Zahn entfernt werden kann, muss man erst Schleimhaut und Knochen abtragen. Selbstverständlich erfolgt auch diese etwas längere OP unter örtlicher Betäubung.

Eine Weisheitszahn-OP kann aber auch unter Vollnarkose erfolgen. Dies ist der Fall bei sehr aufwändigen Eingriffen oder bei Angstpatienten. Welche Narkose der Chirurg als sinnvoll erachtet, wird er mit dem Patienten vorab erörtern.

Steht die Entfernung mehrerer Weisheitszähne an, sollten Patienten abwägen, ob sie alle vier Zähne auf einmal entfernen lassen oder einige Wochen Zeit dazwischen belassen. Dann könnten beim ersten Eingriff die beiden Zähne einer Seite entfernt werden und bei der nächsten OP die beiden Zähne der anderen Seite.

Welches Vorgehen das passende ist – auch in Bezug auf die Schmerzen nach der OP – sollte mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Ablauf einer Weisheitszahn-OP

Die meisten Weisheitszahnoperationen erfolgen unter Lokalanästhesie, aber auch Lachgas oder eine Vollnarkose sind möglich. Ist der Zahn noch nicht durch das Zahnfleisch gebrochen, wird es im nächsten Schritt durch einen Schnitt geöffnet und vom Knochen gelöst. Der Chirurg kann den Zahn nun ziehen. Geht dies nicht ohne weiteres, da der Zahn verlagert ist oder eine abweichende Form hat, wird er entweder schichtweise abgetragen oder zerteilt und dann Stück für Stück entfernt. Anschließend kann die Wunde vernäht werden. Die Fäden werden nach ca. sieben bis zehn Tagen gezogen.

Schmerzen nach der Weisheitszahn-OP?

Nicht jeder Patient hat nach der Entfernung eines Weisheitszahns Beschwerden. Ist der Eingriff größer steigt damit auch die Wahrscheinlichkeit, nach der OP unter Schmerzen zu leiden. Zur Schmerzlinderung eignen sich Ibuprofen oder auch Paracetamol. Keinesfalls sollte Aspirin eingenommen werden. Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure wirkt nämlich blutverdünnend und erhöht damit das Risiko für Nachblutungen. Die Schmerzen klingen normalerweise in den  Tagen nach der OP ab. Wenn nicht, sollte der behandelnde Arzt konsultiert werden.

Worauf muss man nach der Weisheitszahn-OP achten?

Unmittelbar nach einer Weisheitszahn-OP unter Betäubung, sollte man nicht selbst Auto fahren. Wichtig ist in den nächsten zwei bis drei Tagen Ruhe. Bei Schmerzen und Schwellungen ist es ratsam, mit einem kühlen feuchten Tuch, jedoch nicht mit Eiswürfeln, zu kühlen. Ärzte raten häufig auch zur Einnahme von Schmerzmitteln, die gleichzeitig entzündungshemmend wirken (kein Aspirin). Rauchen sollte in den Tagen nach dem Eingriff unterlassen werden, da Nikotin die Blutgefäße verengt und somit die Wundheilung stört. Ebenso nachteilig sind starke körperliche Belastung, wie Sport oder Hausarbeit. Für die nächsten Tage wird der Verzicht auf sehr heiße Suppen und Getränke nahegelegt. Flüssige, breiförmige Nahrung ist nun am besten. Nüsse und andere krümelige Speisen sind vorübergehend tabu, da sich Reste in der Wunde absetzen und zu einer Entzündung führen können. Alkohol, Kaffee, Cola, schwarzer Tee und andere anregende Getränke sollten frühestens ab dem dritten Tag nach der OP konsumiert werden. Milchprodukte sind nur mit Einschränkungen erlaubt. Wer auf homöopathische Mittel setzt, kann nach Rücksprache mit dem Arzt oder Heilpraktiker bereits vorab Arnika einnehmen. Zur Reinigung der Zähne empfiehlt sich nun erst einmal eine besonders weiche Zahnbürste.

Nach der Weisheitszahn-OP erhalten Patienten ein Verhaltensmerkblatt von ihrem Zahnarzt. Werden die Empfehlungen eingehalten, ist mit einer guten Wundheilung zu rechnen.

Kann man sich für diese Zeit krankschreiben lassen?

Eine Weisheitszahn-OP ist ein chirurgischer Eingriff und daher für den gesamten Organismus belastend. Für den Tag der Operation wird man daher krankgeschrieben. In der Regel müssen Patienten am Folgetag noch einmal zur Nachkontrolle. Wenn es für den Verlauf der Heilung wichtig ist, wird der Zahnarzt die Krankschreibung entsprechend verlängern.

Entfernung der Weisheitszähne – welche Kosten entstehen?

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten einer Weisheitszahn-OP, wenn die Extraktion vom Zahnarzt als medizinisch notwendig erachtet wird. Entscheidet sich ein Patient nicht für die übliche lokale Betäubung, sondern für eine Vollnarkose oder eine Lachgas-Behandlung, kommt die GKV dafür nicht zwingend auf. Die Mehrkosten sind in der Regel privat zu tragen. Sie bewegen sich im Rahmen zwischen rund 100 und 200 Euro. Eine Ausnahme ist dann gegeben, wenn der behandelnde Zahnarzt eine Vollnarkose für angezeigt hält. Patienten wird empfohlen, vor dem Eingriff bei ihrer Krankenkasse nachzufragen, welche Kosten übernommen werden.

Alle vier Weisheitszähne auf einmal entfernen?

Häufig wird Patienten empfohlen, gleich alle vier Zähne auf einmal ziehen zu lassen. Das bedeutet aber auch: vier Wunden im Mund, Schmerzen beim Kauen auf beiden Seiten und eine stärkere Einschränkung bei der Nahrungsaufnahme während des Heilungsprozesses. Allerdings kann man die Beschwerden durch geeignete Schmerzmittel und die Verwendung selbstauflösender OP-Fäden minimieren.

Werden die vier Zähne in zwei Etappen entfernt, haben Patienten immer noch eine Seite, mit der sie uneingeschränkt kauen können. Dann werden entweder links oder rechts beide Weisheitszähne im oberen und unteren Quadranten entfernt. Und erst einige Wochen später die anderen beiden. Der Nachteil hierbei: Die Wundheilungszeit wird durch zwei Operationen entsprechend verlängert.

Was tun bei einer Nachblutung?

Nach einer Weisheitszahn-OP kann es zu Nachblutungen kommen. Ist sie nur schwach oder der Speichel ein wenig rötlich verfärbt, besteht kein Grund zur Sorge. Bei einer stärkeren Blutung am besten fest auf eine Mullbinde oder ein sauberes Stofftaschentuch beißen. Der Druck kann ruhig über eine Stunde aufrechterhalten werden – ohne zwischendurch nachzusehen, ob die Wunde noch blutet. Betroffene sollten dann auch gut kühlen und den Kopf hochlagern. Beruhigt sich die Blutung nicht, ist der behandelnde Zahnarzt aufzusuchen.

 

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