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Papierverbrauch in Deutschland: Fakten & Tipps

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227 Kilogramm Papier verbraucht jeder Mensch in Deutschland pro Jahr. Woher rührt der enorme Verbrauch und wie kann ich selbst daran etwas ändern? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema und geben Tipps für einen bewussteren Umgang mit der wertvollen Ressource.


Wie viel Papierindustrie gibt es in Deutschland?

19 Tonnen: So viel verbrauchen die Deutschen jährlich an Papier. Sie ahnen es, das ist kein Pappenstiel. Im Gegenteil, im EU-weiten Vergleich macht uns dies zum absoluten Spitzenreiter unter den Papierverbrauchern. Weltweit gesehen belegt Deutschland nach den großen Industriestaaten China, USA und Japan hier sogar den vierten Platz. Der Pro-Kopf-Jahresverbrauch in Afrika dagegen liegt mit sieben Kilogramm weit unter der von der UNESCO definierten Bedarfsgrenze.

Übrigens, für 1 Kilogramm Papier werden in etwa 2,2 Kilogramm Holz benötigt.

5 Fakten zum Thema Papier in Deutschland:

  • Deutschland ist nach China, USA und Japan auch der viertgrößte Produzent von Papier.
  • Kein anderes Land importiert oder exportiert so viel Papier wie wir.
  • 78 % des Papiers in Deutschland wird aus Altpapier hergestellt. Ein großer Teil wird exportiert.
  • So bestehen lediglich 59 % der hier genutzten Papierprodukte aus Altpapier.

Wofür brauchen wir das ganze Papier?

Papier ist aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Und etwa 90 % davon ist im wahrsten Sinne des Wortes für die Tonne. Denn: Über die Hälfte des Materials wird allein für Verpackungen verarbeitet. Die andere Hälfte geht drauf für Schreib- oder Zeitungspapiere sowie für Einmalprodukte wie Klo- und Küchenpapier, Taschen- und Feuchttücher. Allen gemein ist also, dass sie nur von kurzer Lebensdauer sind und in vielen Fällen nicht wiederverwertbar. Welch eine Verschwendung natürlicher Ressourcen – vor allem angesichts der hohen Umweltbelastung, die mit der Herstellung von Papier einhergeht.

Diagramm Papierverbrauch

42 % …

… zugenommen hat der Pro-Kopf-Verbrauch an Hygienepapier seit dem Jahr 2000. Das hat zwei Gründe:

  • Die Deutschen setzen vermehrt auf dickeres, mehrlagiges Toilettenpapier.
  • Die Bevölkerung wird älter, sodass auch die Nachfrage nach Inkontinenzprodukten steigt.

Und was ist mit der Digitalisierung?

Unser Leben wird immer digitaler, doch der Papierverbrauch steigt weiter. Wie kann das sein? Ganz einfach: Mit der Digitalisierung verschiebt sich unser Verbrauch nur. So hat die E-Mail zwar den Brief abgelöst und der Katalog wurde vom Online-Shop verdrängt, die Nachfrage an Verpackungsmaterial wird infolgedessen jedoch auch immer größer und größer. Ein Ende ist nicht in Sicht. Und das, obwohl die Ressourcen sichtlich knapper werden und die Umwelt unter dem Massenkonsum leidet.

Warum ist unser Papierverbrauch so problematisch?

Kurz gesagt:Unser Papierkonsum zerstört Lebensräume auf der ganzen Welt – und damit letztendlich auch die Umwelt. Ein großer Teil des Holzbedarfs für unser Papier stammt nicht aus Deutschland, nur etwa ein Fünftel hat seinen Ursprung in unseren heimischen Wäldern.  Der Löwenanteil kommt aus anderen Teilen der Erde:

  • Den meisten Zellstoff beziehen wir aus Südamerika wie Brasilien oder Uruguay.
  • Skandinavien beliefert uns mit Fichten und Kiefern aus extra dafür gezüchteten Wirtschaftsforsten.
  • Aus russischen Urwäldern kommen – häufig illegal – Holzrohstoffe nach Deutschland.  
  • Einiges an Holzerzeugnissen kommt auch aus Indonesien, wo es nicht selten illegal abgeholzt wird.

Diese systematische Abholzung ist eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit. So roden wir jedes Jahr durchschnittlich ganze 158.000 Quadratkilometer des tropischen Regenwaldes. Davon wird knapp jeder fünfte Baum zur Herstellung von Papier genutzt. Die Folgen? Verheerend! Werden Bäume abgeholzt, gelangt Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre. Das wiederum begünstigt den Klimawandel. Gleichzeitig verlieren Tiere und Pflanze an Lebensraum, sodass die Artenvielfalt abnimmt. Auch Dürreperioden werden immer häufiger – und damit auch die Menge und Intensität von Waldbränden weltweit.  

Wie genau wird Papier hergestellt?

Sind die Bäume abholzt, werden sie zu Zellstoff weiterverarbeitet. Dazu wird zunächst die Rinde entfernt und das restliche Holz in ganz kleine Stücke gehackt. Diese kocht man dann in einer schwefelhaltigen Lauge oder einer Säure, um die Fasern herauszulösen. Das Ergebnis: Aus der breiartigen Masse entsteht am Ende dann sogenanntes holzfreies Papier.

Der ökologische Fußabdruck dieses Prozesses ist riesig. Im Vergleich: Die Produktion einer Tonne Papier verbraucht genauso viel Energie wie die einer Tonne Stahl. Für ein Kilogramm Papier braucht man:

  • 2,2 Kilo Holz
  • 5 Kilowattstunden Energie
  • 50 Liter Wasser
  • 15 Gramm chemische Schadstoffe

Achtung!

Der Begriff „holzfreies Papier“ ist irreführend. Zwar befinden sich im Papier keine sichtbaren Holzstücke, doch für seine Herstellung werden trotzdem Bäume verarbeitet.

Wie können wir Papier im Alltag besser einsparen?

Frei nach dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist“ kann jeder einzelne von uns dazu beitragen, den Papierkonsum nachhaltig zu reduzieren. Hier sind ein paar Anregungen und Tipps, mit denen Sie Papier einfach sparen können:

Bücherschrank

Bücher tauschen

Nicht nur in Großstädten, auch in Kleinstädten sprießen sie wie Pilze aus dem Boden: Bücherschränke, die jedes Leserherz höherschlagen lassen. Das Prinzip ist denkbar einfach – stöbern, mitnehmen oder reinlegen, lesen. Und das absolut kostenfrei und mit Win-Win-Garantie. Was der eine nicht mehr will, erfreut den nächsten. Und die Tonne bleibt leer!

Stoffbeutel

Stofftasche nutzen

Stoffbeutel sind heiße Beute! Anders als solche aus Plastik oder Papier, bringen sie zahlreiche Vorteile mit:

  • Sie sind wiederwendbar und erzeugen somit keinen Müll.
  • Sie halten viel aus – auch schwere Gegenstände lassen sich sicher transportieren.
  • Wurde der Stoff unter guten ökologischen Bedingungen hergestellt? Dann gibt’s auch volle Umweltpunkte bei der Herstellung.
  • Machen was her und den Einkaufsweg zum Laufsteg: Stoffbeutel gibt es in unterschiedlichsten Designs und auch zum Selbstgestalten!

Mehrwegbecher

Mehrwegbecher statt Pappcup

Mal eben noch einen Weg-Kaffee holen und los geht’s – ja, gern, aber bitte nicht im Pappbecher. Besorgen Sie sich stattdessen einen Mehrwegbecher für die Handtasche, den Sie für Ihren täglichen Coffee-to-Go nutzen können. Eine Alternative für Vergessliche: Mittlerweile bieten viele Cafés Pfandbecher aus wiederverwendbarem Material an. Diesen können Sie für kleines Geld mitnehmen und beim nächsten Mal einfach wieder dort abgeben.

Handy statt Print

Online-Lektüre

Egal, ob Sachbuch, Roman oder Sonntagsblatt: Heutzutage gibt es das meiste Gedruckte auch in digitaler Form. Werfen Sie doch öfter mal einen Blick in die virtuelle Nachrichtenwelt oder stecken Sie Ihre Nase zur Abwechslung in ein E-Book. Schon kleine Veränderungen können auf Dauer Großes bewegen!

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