Patientenverfügung

Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht

Eine schwere Krankheit oder ein Unfall können das Leben jederzeit schlagartig verändern. Doch wer entscheidet über ärztliche Maßnahmen, wenn Sie dazu nicht mehr fähig sind? Mit einer schriftlichen Patientenverfügung legen Sie im Voraus fest, ob und in welchem Fall Sie medizinische Behandlungen wünschen oder ablehnen.


Was ist eine Patientenverfügung?

Eine Patientenverfügung ist eine Willenserklärung einer Person für den Fall, dass sie ihren Willen nicht mehr (wirksam) erklären kann. Sie steht meistens im Zusammenhang mit der Verweigerung lebensverlängernder Maßnahmen. Damit können Patientinnen und Patienten vorsorglich festlegen, dass bestimmte medizinische Maßnahmen durchzuführen oder zu unterlassen sind, falls sie nicht mehr selbst entscheiden können. Die Patientenverfügung dient also der Umetzung des Patientenwillen, auch wenn er diesen in der aktuellen Situation nicht mehr selbst äußern kann. Eine solche Verfügung muss bestimmte Kriterien erfüllen und im Notfall schnell verfügbar sein. Die gesetzliche Grundlage dafür besteht seit dem 18. Juni 2009 mit dem Paragraphen 1901a des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Der Paragraph regelt die Rahmenbedingungen für den Umgang mit einer Patientenverfügung.

Warum braucht man eine Patientenverfügung?

Die Patientenverfügung dient als verlässliche Orientierungshilfe für Angehörige und Ärzte. Auf diese Weise können Verantwortliche im Sinne des Patienten handeln und Angehörigen wird die Last einer schwerwiegenden Entscheidung genommen. Zusätzlich wahren Sie mit einer Patientenverfügung Ihr Recht auf Selbstbestimmung. Sie stellen sicher, dass die von Ihnen gewünschten Behandlungen durchgeführt bzw. gewisse Behandlungen wie lebenserhaltende Maßnahmen nicht durchgeführt werden.

Wer darf eine Patientenverfügung verfassen?

Jede volljährige Person kann eine Patientenverfügung verfassen und diese auch jederzeit wieder formlos widerrufen. Kompetente Beratung finden Sie beim Arzt Ihres Vertrauens. Treffen die Festlegungen in einer Patientenverfügung auf die aktuelle medizinische Situation des Patienten zu, sind sowohl Ärzte als auch die Vertreter (Betreuer oder Bevollmächtigte) daran gebunden.

Was müssen Sie beachten?

In der Patientenverfügung beschreiben Sie zunächst die Situationen, in der diese geltend gemacht wird. Anschließend legen Sie fest, welche medizinischen Behandlungen Sie wünschen bzw. untersagen (z.B. künstliche Ernährung oder Beatmung). Ihre Verfügung ist für Ärzte und Angehörige bindend und tritt in Kraft, sobald Sie nicht mehr in der Lage sind, Ihren eigenen Willen zu äußern.

Sollten Sie keine oder nur eine unwirksame Patientenverfügung besitzen, müssen andere Personen Ihren Willen ermitteln und nach eigenem Ermessen entscheiden. Das bringt Angehörige in eine schwere Konfliktsituation – daher ist es so wichtig, eine Patientenverfügung zu besitzen. Sollten sich Vertreter und behandelnde Ärzte nicht darüber einigen könne, ob die Entscheidung dem Willen des Patienten entspricht, muss der Vertreter die Genehmigung des Betreuungsgerichts einholen.

Muss eine Patientenverfügung notariell beglaubigt sein?

Bei der Erstellung einer Patientenverfügung ist ein Notar grundsätzlich nicht erforderlich. Ein eigenhändig unterschriebenes Dokument verleiht der Patientenverfügung, laut deutscher Gesetzgebung, volle Gültigkeit.

Ein weiteres Dokument: Die Vorsorgevollmacht

In einer Vorsorgevollmacht legen Sie fest, wer Entscheidungen für Sie treffen soll, wenn Sie dies selbst nicht mehr können. Hierzu zählen neben medizinischen auch wirtschaftliche und rechtliche Angelegenheiten. Mit einer Vorsorgevollmacht stellen Sie sicher, dass nach Ihrem Willen gehandelt wird, denn Sie bestimmen eine Vertrauensperson als Ihren Vertreter.

Eine Vorsorgevollmacht ist auch im Sinne des Gesetzgebers erwünscht, denn dieser verlangt, dass jeder Bürger jederzeit rechtlich handeln kann. Ist dies nicht mehr der Fall und es fehlt eine Vorsorgevollmacht, wird ein Betreuer zur Wahrnehmung Ihrer Angelegenheiten durch das Betreuungsgericht bestellt. Dies ist meist eine Ihnen fremde Person, die sich nicht mit Ihrer Familie abstimmen muss.

Dokumente sicher aufbewahren

Im Ernstfall müssen Ihre Vertrauenspersonen und Ärzte schnell und unkompliziert auf die Vorsorgedokumente zugreifen können. Mit der richtigen Aufbewahrung tragen Sie dafür Sorge, dass die Unterlagen rechtzeitig gefunden werden – und Ihr Wille beachtet wird. Am besten hinterlegen Sie die fertigen Vorsorgedokumente daher in das Vorsorgeregister unseres Partners PatientenverfügungPlus. Im Zuge dessen erhalten Sie nach Registrierung auf dem Webportal von PatientenverfügungPlus einen Notfallausweis für den Geldbeutel sowie einen Notfallaufkleber für Ihre Gesundheitskarte, in denen die Zugangsdaten zum Vorsorgeregister vermerkt sind. Dort sind Ihre Dokumente bei Bedarf rund um die Uhr und von überall aus online abrufbar.

Registrieren Sie sich jetzt bei PatientenverfügungPlus und profitieren Sie von allen Vorteilen dieses anerkannten Vorsorgeportals: www.patientenverfuegungplus.de

Es ist nicht unbedingt erforderlich, aber sehr empfehlenswert, eine Patientenverfügung in bestimmten Zeitabständen (z. B. jährlich) zu erneuern oder zu bestätigen. So kann man im eigenen Interesse regelmäßig überprüfen, ob die getroffenen Festlegungen noch gelten, eventuell konkretisiert oder geändert werden sollten.

Wie bekommen behandelnde Ärzte meine Patientenverfügung?

Auf der Internetseite des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz finden Sie eine Broschüre zur Patientenverfügung. Diese enthält nützliche Beispiele und Textbausteine, die Ihnen bei der Formulierung helfen. Zudem bietet das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz in der Broschüre "Das Betreuungsrecht" Hinweise, wie Sie einen Bevollmächtigten mit einer Vorsorgevollmacht festlegen können, der anstelle eines Betreuers handelt, falls Sie es selbst nicht mehr können.

Brauche ich unbedingt eine Patientenverfügung?

Wenn Sie überlegen, ob Sie eine Patientenverfügung erstellen wollen oder nicht, empfiehlt es sich zunächst darüber nachzudenken, was Ihnen im Zusammenhang mit Krankheit, Leiden und Tod wichtig ist, wovor Sie Angst haben und was Sie sich erhoffen. Sie müssen sich mit existenziellen Fragen auseinanderzusetzen und über die Konsequenzen der eigenen Entscheidungen nachdenken. Die Bestimmungen in einer Patientenverfügung sind mit großer Verantwortung verbunden.

Wenn Sie sich für oder gegen bestimmte Behandlungen entscheiden, sollten Sie sich bewusst sein, dass Sie durch einen Behandlungsverzicht unter Umständen auf ein Weiterleben verzichten. Umgekehrt sollten Sie sich darüber klar sein, dass Sie für eine Chance, weiterleben zu können, möglicherweise Abhängigkeit und Fremdbestimmung in Kauf nehmen. Am Ende Ihrer persönlichen Willensbildung kann die Entscheidung stehen, eine Patientenverfügung zu erstellen oder der Entschluss, keine Vorsorge treffen zu wollen. Nehmen Sie sich Zeit und lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Natürlich ist niemand verpflichtet, eine Verfügung zu verfassen. Der Gesetzgeber stellt deshalb ausdrücklich klar, dass die Errichtung oder Vorlage einer solchen nicht zur Bedingung für einen Vertragsschluss gemacht werden darf.

Das könnte Sie auch interessieren


Neueste Artikel

Inhaltsverzeichnis