Plötzlich Pflegefall© Agenturfotografin

Plötzlich Pflegefall Was ist jetzt zu tun?

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Ein Pfle­ge­fall trifft die An­ge­hö­ri­gen fast im­mer un­er­war­tet. Wenn plötz­lich die Pfle­ge ei­nes ver­trau­ten Men­schen in den Mit­tel­punkt des ei­ge­nen Le­bens rückt, wir­belt das den All­tag ge­hö­rig durch­ei­nan­der und führt oft zu er­heb­li­chen or­ga­ni­sa­to­ri­schen, fi­nan­zi­el­len und psy­chi­schen Her­aus­for­de­run­gen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Eine plötzliche Pflegebedürftigkeit kann durch Unfall, Krankheit oder Alter eintreten – dann gilt es, schnell und überlegt zu handeln.
  • Wesentliche erste Schritte: Pflegegrad beantragen, Leistungen der Pflegeversicherung prüfen, Hilfsmittel beantragen.
  • Vollmachten, Patientenverfügung, Betreuungsverfügung klären – idealerweise schon vorher, spätestens aber nach Eintritt der Pflegebedürftigkeit.
  • Finanzierung der Pflege berücksichtigen: Eigenanteile, Leistungen der Pflegekasse, ggf. Sozialhilfe und Eltern-/Kinderunterhalt prüfen.
  • Pflegezusatzversicherung kann helfen, Versorgungslücken abzufedern, damit Finanzierung und Betreuung stabiler werden.

Plötzlicher Pflegefall - Anlaufstellen zur Erstberatung

Da­mit Sie in die­ser Si­tu­a­ti­on nicht al­lei­ne sind, gibt es ei­ne gro­ße An­zahl an An­lauf­stel­len, die Sie bei plötz­li­cher Pfle­ge­be­dürf­tig­keit be­ra­ten und in der neu­en Le­bens­si­tu­a­ti­on un­ter­stüt­zen.

  • Haus­arzt oder be­han­deln­de Kli­nik
  • Ge­setz­li­che oder pri­va­te Kran­ken­kasse / Pfle­ge­kasse
  • Pfle­ge­stütz­punk­te
  • Se­nio­ren­be­ra­tung, kom­mu­na­le Be­ra­tungs­stel­len und So­zi­al­sta­ti­o­nen
  • Bür­ger­te­le­fon des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Ge­sund­heit
  • So­zi­al­amt
  • Selbst­hil­fe­grup­pen

Welche Schritte sind bei Eintritt eines Pflegefalles zu beachten?

1. Den Pfle­ge­be­darf er­fas­sen

Seit Ja­nu­ar 2017 gibt es im Rah­men des Zwei­ten Pfle­ge­stär­kungs­ge­set­zes (PSG II) fünf Pfle­ge­gra­de, statt bis­her nur drei Pfle­ge­stu­fen. Die neu­en Pfle­ge­gra­de 1 bis 5 er­set­zen die bis­her vor­han­de­nen Pfle­ge­stu­fen 1 bis 3 so­wie die Pfle­ge­stu­fe 0. Wie er­fas­se ich aber, wel­cher Pfle­ge­grad für mei­nen An­ge­hö­ri­gen den Pfle­ge­be­darf ad­äquat er­fasst?

Pfle­ge­grad 1: Un­ter An­ge­hö­ri­gen des Pfle­ge­grad 1 fasst der Ge­setz­ge­ber die noch weit­ge­hend selbst­stän­di­gen ge­ring­fü­gig Pfle­ge­be­dürf­tigen zu­sam­men.

Pfle­ge­grad 2: Hier­un­ter fal­len pfle­ge­be­dürf­tige An­ge­hö­ri­ge, die in ih­rer Selbst­stän­dig­keit er­heb­lich be­ein­träch­tigt sind.

Pfle­ge­grad 3: Für Pfle­ge­grad 3 muss ei­ne schwe­re Be­ein­träch­ti­gung der Selbst­stän­dig­keit vor­lie­gen.

Pfle­ge­grad 4: Um un­ter den Pfle­ge­grad 4 zu fal­len, müs­sen schwers­te Be­ein­träch­ti­gun­gen der Selbst­stän­dig­keit vor­lie­gen.

Pfle­ge­grad 5: Für den höchs­ten Pfle­ge­grad müs­sen die Be­trof­fe­nen un­ter schwers­ten Be­ein­träch­ti­gun­gen der Selbst­stän­dig­keit lei­den und ei­nen sehr ho­hen Pfle­ge­be­darf ha­ben.

2. Wel­che Form der Pfle­ge ist für mei­nen An­ge­hö­ri­gen die rich­tige?

Nach­dem der Pfle­ge­be­darf des zu pfle­gen­den An­ge­hö­ri­gen er­fasst wur­de, stellt sich für die meis­ten Men­schen die schwie­ri­ge Fra­ge, wie die­se Pfle­ge aus­se­hen soll? Kann Ihr An­ge­hö­ri­ger zu Hau­se ge­pflegt oder in am­bu­lan­ter Pfle­ge ver­sorgt wer­den oder ist ein Pfle­ge­heim oder ei­ne ähn­li­che sta­tio­nä­re Pfle­ge­form ei­ne sinn­vol­le Op­ti­on? Sind Sie not­falls be­reit zu ak­zep­tie­ren, dass sich Ihr Le­bens­stil än­dern wird? Füh­len Sie sich in der La­ge, die men­ta­len Her­aus­for­de­run­gen zu meis­tern, wel­che die Pfle­ge be­trof­fe­ner An­ge­hö­ri­ger zu Hau­se von Ih­nen ab­ver­langt? Seien Sie ehr­lich zu sich selbst und zie­hen Sie da­her auch die voll­sta­tio­nä­re Pfle­ge in ei­nem Pfle­ge­heim in Be­tracht.

Vor­tei­le der häus­li­chen Pfle­ge:

  • Der Pfle­ge­be­dürf­tige wird nicht sei­ner ge­wohn­ten Um­ge­bung ent­ris­sen.
  • Meis­tens sind die Kos­ten et­was ge­rin­ger als in der sta­tio­nä­ren Pfle­ge.
  • Die Pfle­ge kann höchst­in­di­vi­du­ell an­ge­passt wer­den.
  • Der Pfle­ge­be­dürf­tige hat mehr Raum zur Ver­fü­gung.

Nach­tei­le der häus­li­chen Pfle­ge:

- Die An­ge­hö­ri­gen müs­sen un­ter Um­stän­den ih­ren Be­ruf auf­ge­ben oder re­du­zie­ren.
- Die Spon­ta­ni­tät der An­ge­hö­ri­gen geht ver­lo­ren.
- Es kann zu ei­ner gro­ßen emo­tio­na­len Be­las­tung kom­men.
- Un­ter Um­stän­den sind Um­bau­ten er­for­der­lich.

Vor­tei­le der sta­tio­nä­ren Pfle­ge:

  • Bes­tes me­di­zi­ni­sches Um­feld.
  • Bar­rie­re­frei­er All­tag ent­spre­chend der Pfle­ge­be­dürf­tig­keit.
  • An­ge­hö­ri­ge kön­nen in ih­ren Be­ru­fen blei­ben.
  • Der Pfle­ge­be­dürf­tige ist in ein so­zia­les Um­feld in­te­griert.

Nach­tei­le der sta­tio­nä­ren Pfle­ge:

- Ho­he Kos­ten (mehr als 3.000 Euro/mo­nat­lich).
- We­ni­ger Kon­takt zur Fa­mi­lie.
- Nur ein ein­zi­ges Zim­mer als Rück­zugs­ort.
- Kei­ne ge­wohn­te Um­ge­bung.

Wei­te­re For­men der Pfle­ge: Am­bu­lan­te Pfle­ge durch Pfle­ge­diens­te; Häus­li­che Be­treu­ung durch Pfle­ge­per­son; Be­treu­tes Woh­nen; Ge­mein­schaft­li­ches Woh­nen in so­ge­nan­nten Se­nio­ren-WGs; Pfle­ge­wohn­grup­pen; Al­ten­hei­me; Se­nio­ren­re­si­den­zen

3. Be­an­tra­gung des Pfle­ge­grads

Nach­dem Sie sich für ei­ne Form der Pfle­ge ent­schie­den ha­ben, gilt es schnellst­mög­lich für Ih­ren An­ge­hö­ri­gen ei­nen An­trag auf Pfle­ge­grad bei der Pfle­ge­kasse zu stel­len. An­schlie­ßend wird ein Gu­tach­ter die Si­tu­a­ti­on des pfle­ge­be­dürf­tigen An­ge­hö­ri­gen vor Ort be­gut­ach­ten. Die Be­wer­tung der Pfle­ge­be­dürf­tig­keit er­folgt seit 2017 nach dem neu­en Be­gut­ach­tungs­as­ses­ment (NBA). Im An­schluss wird das Gu­tach­ten an die Pfle­ge­kasse wei­ter­ge­lei­tet, die wie­der­um über die Ge­neh­mi­gung oder Ab­leh­nung des Pfle­ge­grads ent­schei­det. Die Kos­ten, die bis zur Ge­neh­mi­gung des An­trags an­ge­fal­len sind, kön­nen rück­wir­kend ab An­trags­stel­lung er­stat­tet wer­den.

4. Häus­li­che oder sta­tio­nä­re Pfle­ge - Auf­ga­ben ver­tei­len

Wer­den Sie sich in­ner­halb der An­ge­hö­ri­gen und Freun­de des zu Pfle­gen­den dar­über ei­nig, wer Auf­ga­ben wie Arzt­be­su­che, Be­hör­den­gän­ge oder die täg­li­che Ver­so­rung über­neh­men kann. Am bes­ten ver­tei­len Sie die Auf­ga­ben auf meh­re­ren Schul­tern.

5. Ge­setz­li­che Ver­tre­tun­gen für Pfle­ge­be­dürf­tigen re­geln

Wenn Ihr pfle­ge­be­dürf­tiger An­ge­hö­ri­ger wich­tige Ent­schei­dun­gen nicht mehr selbst tref­fen kann, müs­sen Sie sich als ge­setz­li­cher Ver­tre­ter un­ter Um­stän­den schwie­ri­gen Fra­gen stel­len. Klä­ren Sie recht­li­che Vor­aus­set­zun­gen da­her am Bes­ten schon im Vor­aus, spä­tes­tens aber nach Ein­tritt ei­ner plötz­li­chen Pfle­ge­be­dürf­tig­keit – zum Bei­spiel durch Vor­sor­ge­voll­mach­ten, ei­ne Be­treu­ungs­ver­fü­gung und ei­ne Pa­tien­ten­ver­fü­gung.

6. Fi­nan­zie­rung der Pfle­ge – Leis­tun­gen der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung

Ei­nes der schwie­rigs­ten The­men ist si­cher­lich die Fi­nan­zie­rung der Pfle­ge. Je nach ge­neh­mig­tem Pfle­ge­grad ste­hen Ih­nen bei ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung zu­nächst Pfle­ge­geld und Pfle­ge­sach­leis­tun­gen der Kran­ken­kasse zu. Dar­über hi­naus kön­nen auf An­trag auch Hilfs­mit­tel für die Pfle­ge über­nom­men wer­den. Wer­den die ei­ge­nen El­tern zum Pfle­ge­fall, ist für die An­ge­hö­ri­gen al­ler­dings zu be­ach­ten, dass Sie bis zu ei­ner be­stimm­ten Hö­he ge­setz­lich für die Kos­ten mit­ver­ant­wort­lich sind. Reicht das Ver­mö­gen der pfle­ge­be­dürf­tigen El­tern nicht aus, um für die Pfle­ge­kos­ten auf­zu­kom­men, sind die Kin­der im Rah­men des El­tern­un­ter­halts un­ter­halts­pflich­tig.

7. Leis­tun­gen der Pfle­ge­zu­satz­ver­si­che­rung

Da­mit bei Ein­tre­ten ei­nes Pfle­ge­fal­les die El­tern nicht zur fi­nan­zi­el­len Bür­de ih­rer Kin­der wer­den, ren­tiert sich da­her oft­mals ei­ne Pfle­ge­zu­satz­ver­si­che­rung, um ei­ne Ver­so­r­gungs­lücke zwi­schen tat­säch­li­chen Pfle­ge­kos­ten und dem ge­setz­lich zu­ge­si­cher­ten Pfle­ge­geld zu ver­mei­den. Die Pfle­ge­zu­satz­ver­si­che­rung min­dert die fi­nan­zi­el­len Ein­schnit­te der An­ge­hö­ri­gen ab und sorgt so da­für, dass sich die Fa­mi­lie dar­auf kon­zen­trie­ren kann, was jetzt  am meis­ten not­wen­dig wird: die Zu­wen­dung zum Pfle­ge­be­dürf­tigen, kom­plett ohne Ab­len­kung.

Über­sicht der Leis­tun­gen ei­ner Pfle­ge­zu­satz­ver­si­che­rung:

  • Bis zu 2.000 EURO für die Pfle­ge zu Hau­se und Pfle­ge im Heim
  • Bei­trags­be­frei­ung im Pfle­ge­fall (ab Pfle­ge­grad 5)

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Fazit Pflege

Fazit

Wenn ein Pflegefall plötzlich eintritt, ist es wichtig, schnell Struktur in die Situation zu bringen: Pflegebedarf erfassen, Beratungsstellen einbinden und zeitnah den Pflegegrad bei der Pflegekasse beantragen, um Leistungen und Hilfsmittel in Gang zu setzen. Parallel sollte entschieden werden, ob die Versorgung zu Hause (ggf. mit ambulanten Diensten) oder stationär erfolgen soll, und Aufgaben sollten innerhalb der Familie klar verteilt werden.

  • Alle Angaben ohne Gewähr.

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