Blutvergiftung

Blutvergiftung (Sepsis) - Ursachen, Symptome und Behandlung

Die Blutvergiftung (Sepsis) ist die häufigste Todesursache bei Infektionen und die insgesamt dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Eine Sepsis entsteht, wenn die körpereigene Abwehrreaktion gegen eine Infektion eigenes Gewebe und die Organe schädigt. Wird sie nicht rechtzeitig erkannt, kann die Blutvergiftung zu Schock, Multiorganversagen und im schlimmsten Fall zum Tod führen.


SOS: Erste Hilfe bei Blutvergiftung

Eine Blutvergiftung gilt als medizinischer Notfall, ist akut lebensgefährlich und gehört in ärztliche Behandlung!

Als Ersthelfer sollten Sie daher

  • sofort den Notruf 112 wählen
  • den Anweisungen der Notrufstelle Folge leisten

Wenn die betroffene Person bei Bewusstsein ist, können Sie zudem Folgendes tun:

  • beruhigend einwirken und dafür sorgen, dass die Umgebung möglichst ruhig ist
  • Bewusstsein sowie Atmung des Betroffenen kontrollieren und Puls fühlen

Was ist eine Blutvergiftung?

Bei einer Sepsis handelt es sich um eine sehr schwere Allgemeininfektion, die den gesamten Körper betrifft. Der Körper reagiert, ausgehend von einem Infektionsherd, mit einer das Blut über­schwemmen­den Entzündung. Auslöser können bspw. eine Schnittverletzung, ein Insektenstich, eine Verbrennung oder auch eine Lungenentzündung sein. Die Ursache liegt meistens in Bakterien, seltener Viren, Candida (Pilze) oder Einzeller. Dabei sind Bakterien im Blut allerdings nicht immer gleichbedeutend mit einer Sepsis. Erst wenn der Körper nicht mehr aus eigener Kraft in der Lage ist, die Erreger zu bekämpfen, kommt es zu einer Blutvergiftung.

Man unterscheidet zwischen schwerer Sepsis und septischem Schock.

Eine schwere Sepsis ist eine Blutvergiftung in Kombination mit dem Versagen eines essenziellen Systems im Körper oder der unzureichenden Durchblutung von Körperteilen aufgrund einer Infektion. Ohne rechtzeitige Behandlung kann das gesamte Immunsystem zusammenbrechen.

Ein septischer Schock ist ein, durch die Blutvergiftung verursachter, lebensgefährlich niedriger Blutdruck. Bei einem toxischen septischen Schock fallen gleichzeitig mehrere Organe aus (Multiorganversagen) und der Blutdruck fällt massiv ab. In diesem Stadium kommt es, ohne rechtzeitige Behandlung, in 50 Prozent aller Sepsis-Fälle zum Tod.

Blutvergiftung: Formen

Eine Sepsis kann durch einen bakteriellen Infekt, Pilz- und Virusinfektionen verursacht werden. Je nachdem, welcher Erreger beteiligt ist bzw. wo der ursprüngliche Infekt lokalisiert ist, lassen sich verschiedene Formen der Blutvergiftung unterscheiden:

Urosepsis: Blutvergiftung, die vom Urogenitaltrakt (Niere, Harnleiter etc.) ausgeht und meistens durch Giftstoff-bildende Bakterien verursacht wird. In 50 Prozent der Fälle handelt es sich dabei um Escherischia coli (E. coli) Bakterien. Die Sepsis wird ausgelöst, wenn der Urinabfluss gestört ist (z.B. durch Harnleitersteine, Harnleitertumoren), wenn Keime bei ärztlichen Eingriffen eingedrungen sind oder eine bakterielle Infektion des Nierenbeckens vorliegt.

Puerperalsepsis: Diese Art der Sepsis wird auch als Kindbett- oder Wochenbettfieber bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine bakterielle Infektion des weiblichen Geschlechtstraktes im Wochenbett, welche durch das Eindringen pathogener Keime in die Geburtswunden verursacht wird.

Neugeborenensepsis: Bei Neugeborenen ist das Immunsystem noch in der Entwicklung. Reicht der durch den Mutterkuchen und die Muttermilch übertragene mütterliche Immunschutz im ersten Lebensmonat nicht aus, kann eine Sepsis auftreten. Dabei ist das Bakterium Streptococcus agalactiae der häufigste Erreger. Je nachdem, wann die Sepsis auftritt, unterscheidet man zwischen Früh- und Spätsepsis.

Sepsis bei MRSA-Infektion: Bei MRSA (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus) handelt es sich um ein multiresistentes Bakterium. Gelangen die Bakterien bei einer Infektion in die Blutbahn, können sie eine Sepsis auslösen.

Landouzy (Sepsis tuberculosa acutissima): Tuberkulose ist eine durch Bakterien verursachte Infektionskrankheit der Lunge. Die Sepsis, die als Folge einer Tuberkulose auftritt, wird als Landouzy oder Sepsis tuberculosa acutissima bezeichnet.

Sepsis bei Candidiasis: Candidiasis bezeichnet eine Infektionskrankheit, die durch Pilze der Gattung Candida ausgelöst wird. Die Pilze können die Schleimhäute der Mundhöhle, Speiseröhre sowie Vagina oder den gesamten Körper (Blut, Organsysteme) befallen (systemische Candidiasis). Die systemische Candidiasis kann eine Sepsis auslösen.

Virale Sepsis: In seltenen Fällen kann auch eine Virusinfektion eine Blutvergiftung auslösen.

Blutvergiftung: Ursachen

Ursache einer Sepsis muss nicht zwangsläufig eine Wunde sein. In den meisten Fällen liegt eine Infektion mit Bakterien, seltener mit Viren, Pilzen oder Parasiten vor. Normalerweise bekämpft das Immunsystem des Körpers die Erreger, so dass es bei einer begrenzten Infektion bleibt, d. h. die Infektion auf ihren Ursprungsort begrenzt bleibt. Bei einer Sepsis gelingt das dem Immunsystem nicht und die Erreger gelangen mit ihren Giftstoffen in die Blutbahn, breiten sich so aus und gelangen in andere Organe. Das Immunsystem versucht die Erreger mit Entzündungsreaktionen zu bekämpfen und bleibt oft erfolglos. In der Folge entstehen Blutgefäß- und Gewebeschäden bis hin zu Organschäden.

Prinzipiell kann jede Infektion zu einer Blutvergiftung führen. In den meisten Fällen beginnen sie jedoch in der Lunge, im Bauch oder in den Harnwegen. Wenn die ursprüngliche Infektion eine Ansammlung von Eiter (Abszess) beinhaltet, erhöht sich das Risiko für eine Sepsis. In manchen Fällen wie z. B. beim toxischen Schock-Syndrom, wird eine Sepsis durch Giftstoffe ausgelöst, die von Bakterien gebildet werden, die gar nicht in die Blutbahn gelangt sind.

Entscheidend für die Schwere einer Blutvergiftung ist nicht das Ausmaß der Entzündung am lokalen Infektionsherd, sondern das Ausmaß des Kontrollverlustes bei der Immunabwehr. Dementsprechend können auch kleine Verletzungen und leichte Infektionen zu einer schweren Blutvergiftung führen.

Mögliche Sepsis-Ursachen und Infektionsherde sind:

  • Entzündungen der Haut (Wundinfektionen)
  • Entzündungen der Harn- und Geschlechtsorgane (Urogenitaltrakt)
  • Entzündungen des Nabels bei Neugeborenen
  • Infektionen des Hals-Nasen-Ohren-Bereichs, wie eine Mandelentzündung (Tonsillitis), Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) oder Ohrentzündung (Otitis)
  • Entzündungen des Darms
  • Entzündungen der Gallenwege (Cholangitis)
  • Entzündungen des Herzens (infektiöse Endokarditis)

Blutvergiftung: Symptome

Erste Symptome:

  • Fieber (ab 38,5 Grad) oder zu niedrige Körpertemperatur (unter 36 Grad)
  • Schüttelfrost
  • Schwächegefühl
  • Erhöhte Atmung und/oder Herzfrequenz

Bei anhaltender Sepsis:

  • Verwirrtheit
  • Warme und gerötete Haut
  • Schneller, pochender Puls
  • Schnelle Atmung
  • Niedriger Blutdruck
  • Verminderter Harndrang

Bei fortschreitender Sepsis:

  • Niedrige Körpertemperatur
  • Schwer Atmung
  • Kalte, fleckige oder blaue Haut, da die Blutzirkulation reduziert ist.
  • Die reduzierte Durchblutung kann zum Absterben von Gewebe, auch von lebenswichtigen Organen (z. B. des Darmes), und zu einer Gangrän führen.

Wenn sich ein septischer Schock entwickelt, bleibt der Blutdruck trotz Behandlung niedrig.

Achtung: An dem bekannten roten Strich, der von einer Wunde zum Herzen führt, kann man keine Blutvergiftung erkennen. Das ist ein Irrglaube. Er zeigt eine Lymphbahnen-Entzündung an. Wird diese nicht behandelt, kann sich daraus eine Blutvergiftung entwickeln.

Blutvergiftung: Diagnose

Besteht der Verdacht auf eine Sepsis, führt der Arzt zunächst eine gründliche körperliche Untersuchung durch. Um den genauen Krankheitserreger zu ermitteln, wird Blut entnommen und eine Blutkultur angelegt. Bis das Bakterium konkret feststeht, vergehen Stunden oder Tage. In dieser Zeit erhalten Patienten ein Breitbandantibiotikum.

Sobald der Krankheitserreger feststeht, können die Bakterien mit passenden Antibiotika gezielt bekämpft werden. Zusätzlich ermittelt der Arzt den Entzündungsherd im Körper, um diesen zu therapieren. Die Dauer der ursächlichen Therapie liegt zwischen sieben und zehn Tagen.

Blutvergiftung: Verlauf

Ohne Behandlung verschlimmert sich eine Blutvergiftung kontinuierlich und lässt sich in verschiedene Stadien einteilen:

Sepsis: Das Immunsystem reagiert auf die infektionsbedingte Entzündung im gesamten Körper. Sie zeichnet sich durch das Auftreten von mindestens zwei der folgenden Symptome aus:

  • Fieber oder Unterkühlung
  • Beschleunigte Herzfrequenz
  • Beschleunigte Atmung oder Hyperventilation
  • Erhöhte oder verminderte Zahl der weißen Blutkörperchen (Leukozytose/Leukopenie)

Schwere Sepsis: Es kommt zum Blutdruckabfall, wodurch sich der Blutfluss verändert und das Blut leichter gerinnt. In der Folge entstehen kleine Verstopfungen in den Gefäßen (Thromben). Diese sorgen dafür, dass Organe nicht mehr genügend Sauerstoff erhalten und somit in ihrer Funktion geschädigt werden, denn die Zellen können ohne Sauerstoff nicht überleben und sterben ab. Bei einer schweren Sepsis ist per Definition mindestens ein Organ in seiner Funktion eingeschränkt.

Septischer Schock: Wenn der Blutdruck trotz Behandlung zu niedrig bleibt und die Pumpkraft des Herzens nicht mehr ausreicht, um die Organe mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen, kommt es zum septischen Schock. Dieses Stadium ist akut lebensbedrohlich. Es kann zu Kreislaufversagen sowie Koma führen und langfristig erhebliche Schäden an mehreren Organen verursachen. 60 % aller Betroffenen überleben einen septischen Schock nicht.

Verlauf und Prognose einer Blutvergiftung sind davon abhängig, wie viel Zeit bis Behandlungsbeginn verstreicht. Eine rechtzeitig erkannte Blutvergiftung ist in den meisten Fällen gut mit Antibiotika behandelbar. Wurde die Blutvergiftung nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann sie sich rasch zu einer schweren Sepsis und einem septischen Schock entwickeln und damit lebensbedrohlich werden.

Eine Blutvergiftung kann rasch zu schwerwiegenden Komplikationen führen! Da sie sich über die Blutbahnen ausbreitet, erreicht die Infektion schnell lebenswichtige Organe. Innerhalb weniger Stunden können Lunge, Herz und Leber befallen sein. In der Folge kommt es zu:

  • Kreislaufschock
  • Nierenversagen
  • Lungenversagen
  • Leberversagen

Ein Großteil der Intensivtherapie konzentriert sich nicht nur auf die Bekämpfung der Infektion, sondern auch auf die Unterstützung der Organfunktionen. Währenddessen wird der Patient oft in ein künstliches Koma versetzt.

Selbst wenn es gelingt, die Sepsis zu bekämpfen, leiden viele Patienten unter dauerhaften, späteren Einschränkungen.

Blutvergiftung: Folgen

Nach dem Aufwachen aus einem mehrwöchigen künstlichen Koma sind viele Patienten zunächst bewegungsunfähig. Jede einzelne Bewegung des Körpers muss wieder erlernt werden, geschädigte Organe müssen langsam wieder ihre Funktionsfähigkeit gewinnen.

Nicht selten werden, durch die Sauerstoff-Unterversorgung während der Sepsis, Gliedmaßen so stark beschädigt, dass das Gewebe abstirbt und operativ entfernt werden muss. Dies kann eine Amputation zur Folge haben. Häufiger treten jedoch Langzeitfolgen der Sepsis auf, deren Ursachen sich nicht immer eindeutig bestimmen lassen. Dazu gehören Gewichts- und Leistungsverlust, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie kognitive Störungen. Einige Sepsis-Überlebende leiden unter Konzentrationsschwäche, Gedächtnisverlust, Taubheit und Lähmungen. Vermutlich sind die während der Sepsis auftretende Schädigungen von Neuronen durch Toxine, Blutdruckabfall oder den Übertritt entzündlicher Stoffe in das Gehirn dafür verantwortlich.

Manche Patienten leiden nach einem Koma unter dem posttraumatischen Belastungssyndrom, welches mit Angstzuständen, Halluzinationen und Albträumen einhergeht.

Blutvergiftung: Therapie/Behandlung

Was kann der Arzt machen?

Medikamente

Medikamente, die bei einer Sepsis eingesetzt werden, sollen Erreger im Blut abtöten. Sind Bakterien die Verursacher, verschreibt der Arzt Antibiotika. Betroffene Patienten erhalten zunächst ein Breitbandantibiotikum, da zu Beginn der Behandlung der genaue Erreger meistens noch nicht identifiziert ist. Das Breitbandantibiotikum wirkt gegen viele verschiedene Bakterienstämme. Die Antibiotika werden meist hochdosiert über eine Infusion verabreicht. Schätzungsweise sinkt die Sterblichkeit mit jeder Stunde, die Patienten das Antibiotikum früher erhalten, um bis zu acht Prozent.

Im Verlauf der Behandlung sollte die Wirkung der eingesetzten Mittel alle zwei bis drei Tage neu bewertet werden. So wird die Therapie gezielter auf bestimmte Erreger abgestimmt und das Risiko, dass sich eine Widerstandsfähigkeit (Resistenz) gegen die Antibiotika entwickelt, reduziert.

Wenn sich die Blutvergiftung durch die Behandlung mit Antibiotika nicht bessert, ist die Blutbahn womöglich durch Pilze der Gattung Candida infiziert. Dann werden Mittel gegen Pilzerkrankungen (sog. Antimykotika) notwendig.

Konservative Therapie

Bei einer schweren Sepsis oder einem septischen Schock müssen noch vor Beginn der ursächlichen Therapie, die Sauerstoffversorgung und der Blutdruck ausreichend hoch sein. Zu diesem Zweck wird Flüssigkeit über eine Infusion (sog. Volumentherapie) verabreicht. Bleibt der Blutdruck dennoch zu niedrig oder ist die Organdurchblutung nicht gewährleistet, erhalten Betroffene bestimmte Hormone, sogenannte Katecholamine (wie Noradrenalin, Dopamin), um das Herz-Kreislauf-System anzuregen.

Folgende Therapie-Maßnahmen können evtl. zusätzlich notwendig sein:

  • Nierenersatzverfahren (Dialyse, Hämofiltration)
  • Beatmung
  • Ersatz von Blutzellen und -stoffen

Bei einer schweren Sepsis oder einem septischen Schock kann die Therapie nur erfolgreich sein, wenn es gelingt, die verantwortliche Infektionsquelle (z.B. Katheter- oder Wundinfektion, Harnwegsinfekt oder Lungenentzündung) vollständig zu heilen.

OP

In den meisten Fällen wird der Infektionsherd chirurgisch entfernt. Der Operateur ersetzt kontaminierte Implantate, öffnet Wunden und entfernt entzündete oder abgestorbene Gewebeanteile. Infizierte Bereiche werden gespült und das Wundsekret mittels Drainage abgeleitet.

Wenn unklar ist, wo die Infektion ihren Ausgang genommen hat, können bildgebende Verfahren wie Sonografie oder Computertomografie die Suche unterstützen. Auch wenn der Herd ausfindig gemacht wurde, kann eine Operation unter Umständen nicht möglich sein, weil der Patient sich in sehr schlechtem Zustand befindet. 

Blutvergiftung: ICD-Code

In der Medizin ist jeder Krankheit ein bestimmter ICD-Code zugeordnet. Die Abkürzung ICD (englisch) steht für “International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems”. Das Klassifizierungssystem ist weltweit anerkannt und eines der wichtigsten für medizinische Diagnosen. So werden beispielsweise „Bakterielle Krankheiten“ unter den Codes A30-A49 erfasst. Für „Blutvergiftung (Sepsis) durch Streptokokken-Bakterien“ steht der ICD-Code A40. Häufig hilft die Eingabe dieses Codes auch bei der Recherche im Internet weiter.

Blutvergiftung vorbeugen

Ein gutes und funktionsfähiges Abwehrsystem sowie die rasche Behandlung von Infektionen können einer Sepsis vorbeugen. Folgende Tipps stärken Immunsystem und Abwehrkräfte:

  • Gesunde Ernährung, die dem Immunsystem wichtige Nährstoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente liefert
  • Ausreichend Schlaf
  • Sport und Bewegung an der frischen Luft
  • Wechselduschen
  • Überlastung vermeiden und auf Entspannung achten, da Stress die Abwehr schwächt.
  • Infektionen schnell behandeln
  • Personen mit Immunschwäche oder Konsumenten von Immunsuppressiva sollten, sobald Anzeichen einer Entzündung erkennbar sind, ärztlichen Rat einholen.
  • Impfung gegen häufig auftretende Erreger (z.B. Pneumokokken), vor allem bei Personen, deren Milz entfernt wurde.

Blutvergiftung: Risikogruppen

Für eine Blutvergiftung gibt es bestimmte Risikofaktoren und Risikogruppen. Häufig entsteht eine Blutvergiftung bei Menschen, die:

  • sehr jung (z.B. Frühgeborene) oder sehr alt sind
  • aufgrund bestimmter Behandlungen wie z. B. Chemotherapie bei Krebs oder einer hochdosierten Kortisontherapie bei Rheuma- oder bei Atemwegserkrankungen, nur über ein geschwächtes Immunsystem verfügen
  • in Folge von Verbrennungen oder Unfällen schwere innere oder äußere Verletzungen haben
  • sich aufgrund schwerer Erkrankungen bestimmten Behandlungen und Untersuchungen unterziehen müssen (z.B. Blasenkatheter oder Wunddrainagen)
  • aufgrund genetischer Faktoren dazu neigen, eine Sepsis zu entwickeln
  • z. B. von Alkohol oder anderen Drogen anhängig sind.

Blutvergiftung bei älteren Menschen

Die Diagnose einer Infektion ist bei älteren Menschen häufig schwieriger, weil Fieber im Alter seltener auftritt bzw. ältere Patienten eine weniger ausgeprägte Temperaturerhöhung entwickeln als junge Erwachsene. Auch bei der Sepsis kann Fieber fehlen. Auch wenn sie erkannt wird, bleibt der Überlebenskampf gegen die Sepsis für ältere Menschen meistens nicht ohne Folgen.

Blutvergiftung bei Kindern

In Deutschland erkranken jedes Jahr 10.000 Kinder an einer Sepsis. Im Anfangsstadium gleicht die Blutvergiftung bei Kindern einer Erkältung. In den meisten Fällen haben die Kleinen die Blutvergiftung im Krankenhaus bekommen. Gefährliche Krankenhauskeime haben bei geschwächten Patienten leichtes Spiel und Frühgeborene sind besonders gefährdet. Eine Blutvergiftung kann aber auch Folge einer Verletzung oder einer eitrigen Entzündung sein. Einer Blutvergiftung kann man auch bei Kindern nicht vorbeugen. Eine Wunde, sei sie noch so klein, sollte allerdings immer umgehend desinfiziert werden.

Auch wenn ein Kind die Sepsis überlebt, können chronische Organschäden bleiben. Bei sehr schweren Verläufen muss manchmal sogar amputiert werden. Nur eine schnelle intensivmedizinische sowie antibiotische Behandlung können das Schlimmste verhindern.

Die sogenannte Neugeborenensepsis tritt vor allem bei Frühgeborenen sowie bei Kindern mit einem sehr niedrigen Geburtsgewicht auf. Ursache ist eine noch nicht ausreichend ausgeprägte, von der Mutter übertragene Immunität. Bei der Neugeborenensepsis unterscheidet man zwischen einer Frühsepsis und einer Spätsepsis.

Bei der Frühsepsis erfolgt die Infektion des Neugeborenen vor oder während des Geburtsvorgangs von der Mutter auf das Kind. Ursprungsort der Keime ist in den meisten Fällen der Mastdarm der Mutter. Von dort wandern sie über die Scheide in die Gebärmutter. Die Symptome sind innerhalb von drei Tagen nach der Geburt erkennbar.

Bei der Spätsepsis kann der Geburtskanal Ort der Ansteckung sein. Die Keime können aber auch während der Geburt durch direkten Kontakt mit Geburtshelfern übertragen werden. Die ersten Symptome treten frühestens nach drei Tagen, meistens aber erst nach der ersten Lebenswoche auf.

Blutvergiftung in der Schwangerschaft

Frauen, die schwanger sind oder vor Kurzen entbunden haben, unterliegen einem erhöhten Risiko, eine Sepsis zu erleiden. Tritt sie während der Schwangerschaft auf, spricht man von schwangerschaftsbedingter Sepsis. Kommt es innerhalb von sechs Wochen nach einer Entbindung, Abtreibung oder Fehlgeburt zu einer Blutvergiftung, spricht man von einer postpartalen Sepsis.

Frauen im Alter unter 25 und über 40 Jahre sowie Frauen, die an Herzfehlern, Lupus, Diabetes oder Lebererkrankungen leiden, sind häufiger von schwangerschaftsbedingter Sepsis betroffen. In diesen Fällen ist das Immunsystem geschwächt und der Körper kann Erkrankungen wie bspw. Harnwegsinfektion, Grippe oder Lungenentzündung nicht mehr gut bekämpfen. 

Bei der Postpartalen Sepsis gelangen Bakterien während der Entbindung über die Scheide oder den Kaiserschnitt in den Körper der Mutter und lösen dann eine Sepsis aus.

FAQs zum Thema Blutvergiftung

Ist eine Sepsis immer tödlich?

Sie ist nicht zwangsläufig tödlich, wenn sie rechtzeitig behandelt wird. Die ersten Warnsignale müssen möglichst früh erkannt und ernst genommen werden, denn bei einer Sepsis zählt jede Minute. Beim geringsten Verdacht ist umgehend ein Arzt aufzusuchen. In Deutschland sterben jährlich ca. 60.000 Menschen an einer Blutvergiftung. Trotz intensivmedizinischer Behandlung verläuft eine Sepsis bei 40 Prozent der Patienten tödlich.

Wie fühlt man sich, wenn man eine Blutvergiftung hat?

Eine Sepsis beginnt häufig wie eine Grippe. Betroffene fühlen sich schlapp, elend, legen sich ins Bett. Als Reaktion auf die Sepsis fällt der Blutdruck und der Blutkreislauf bricht zusammen. Der Körper bekommt nicht mehr genug Sauerstoff. Symptome äußern sich in Unwohlsein, schwerer Atmung, Verwirrtheit, hohem Fieber und verfärbter Haut (bspw. schwarzverfärbte Fingerkuppen). Schüttelfrost und Schläfrigkeit sind weitere mögliche Symptome.

Wie lange krank bei Blutvergiftung?

Sind die konkreten Krankheitserreger ermittelt, lassen sie sich meistens innerhalb weniger Tage bekämpfen. Bis Patienten ihrem gewohnten Alltag wieder nachgehen können, kann es allerdings noch sehr lange dauern. Für die ursächliche Therapie geht man von einer Behandlungsdauer zwischen sieben und zehn Tagen aus.

Bei welchen Gelegenheiten kommt es besonders oft zu Sepsis?

Mehr als die Hälfte aller Blutvergiftungen entstehen durch Lungenentzündungen. Danach folgen Krankheiten im Bauchraum wie Blinddarm- oder Gallenblasenentzündungen. An dritter Stelle stehen Harnwegsinfekte. Es folgen Infekte im Krankenhaus, bspw. nach Operationen. Als Infektionsquelle kommt aber ebenfalls ein entzündeter Zahn oder eine Schnittwunde in Frage.

Hat man bei Sepsis immer einen roten Strich auf der Haut?

Nein, der rote Streifen ist kein eindeutiges Frühwarnzeichen für eine Sepsis. Er tritt lediglich in ca. ein Prozent alle Fälle auf. Oft zeigt der rote Streifen auch einfach eine Entzündung an. Allerdings kann aus einer solchen Entzündung eine Sepsis werden. Deshalb sollte man auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen.


Alle Angaben ohne Gewähr.

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