Tollwut beim Menschen© Natalia Kokhanova

Tollwut (Rabies)

Symptome, Prävention & Impfungen im Überblick

Erstellt am Uhr
Von 
Text fachlich geprüft von Dr. Julia Eichhorn

Tollwut gehört zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt – doch mit dem richtigen Wissen lässt sie sich zuverlässig verhindern. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie die Krankheit übertragen wird, welche Symptome frühzeitig ernst zu nehmen sind und welche Schritte im Ernstfall lebensrettend sein können. Außerdem zeigen wir Ihnen, wie Sie sich, Ihre Familie und Ihre Haustiere durch Impfungen und umsichtiges Verhalten wirksam schützen. Informieren Sie sich genau – und seien Sie im Ernstfall bestens vorbereitet.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Tollwut ist eine gefährliche Virusinfektion.
  • Übertragung meist durch den Biss infizierter Tiere.
  • Befällt das zentrale Nervensystem und verläuft unbehandelt tödlich.
  • Erhöhtes Risiko für Tierhalter, Jäger und Reisende.

Tollwut Fakten auf einen Blick

  • Übertragung: Hauptsächlich durch den Biss oder Kratzer von infizierten Tieren (vor allem Hunde, Fledermäuse, Füchse).
  • Symptome: Zu den ersten Anzeichen zählen Fieber, Kopfschmerzen und Unwohlsein. Später können schwerwiegende neurologische Symptome wie Angstzustände, Halluzinationen und Lähmungen auftreten.
  • Prophylaxe: Eine Tollwutimpfung ist der sicherste Schutz, sowohl für Menschen als auch für Tiere. In einigen Ländern ist eine Impfung für Reisende Pflicht.
  • Behandlung: Bei Verdacht auf eine Infektion ist eine sofortige Behandlung mit einer Tollwutimpfung und gegebenenfalls einer Immunoglobulin-Gabe erforderlich. Diese Behandlung ist nur wirksam, wenn sie frühzeitig erfolgt.

Tollwut ist eine ernsthafte, aber vermeidbare Krankheit. Wer sich gut informiert und vorbeugt, schützt sich und andere vor den schweren Folgen einer Infektion.

SOS-Tipps bei Tollwuchtverdacht

Sollte es zu einem Vorfall kommen, bei dem Sie den Verdacht haben, dass Sie oder jemand anderes mit einem tollwutinfizierten Tier in Kontakt gekommen ist, ist schnelles Handeln entscheidend. Hier sind die wichtigsten Schritte, die Sie sofort unternehmen sollten:

  1. Ruhe bewahren und den Vorfall melden
    Auch wenn es beängstigend klingt, bleiben Sie ruhig. Der erste Schritt ist, den Vorfall umgehend zu melden, insbesondere wenn der Biss oder Kratzer von einem Wildtier oder einem unkontrollierten Haustier stammt. Wenden Sie sich an Ihren Hausarzt, die nächste Notaufnahme oder ein Gesundheitsamt.
  2. Die Wunde sofort reinigen
    Eine gründliche Reinigung der Wunde kann helfen, das Risiko einer Infektion zu verringern. Waschen Sie die betroffene Stelle mit viel Wasser und Seife. Desinfizieren Sie die Wunde anschließend mit einem geeigneten Antiseptikum. Vermeiden Sie es, die Wunde zu reiben, da dies die intakte Haut zusätzlich verletzen könnte.
  3. Merken Sie sich das Tier
    Falls möglich, versuchen Sie sich, das Tier, das Sie gebissen oder gekratzt hat, zu merken und auf leicht identifizierbare Merkmale zu achten. Falls es sich um ein Haustier handelt, sollte der Besitzer das Tier vom Tierarzt untersuchen lassen. Bei Wildtieren muss das zuständige Gesundheitsamt entscheiden, ob eine Untersuchung des Tieres notwendig ist und kann weitere Informationen liefern. Inbesondere bei Wildtieren sollten sich nicht versuchen, das Tier selbst zu fangen.
  4. Medizinische Hilfe suchen
    Gehen Sie schnellstmöglich zu einem Arzt oder in die Notaufnahme. Der Arzt wird entscheiden, ob Sie eine postexpositionelle Tollwutbehandlung benötigen – dies umfasst eine Tollwutimpfung und möglicherweise auch eine Immunoglobulin-Gabe. Je früher die Behandlung beginnt, desto höher ist die Erfolgschance.
  5. Beobachtung der Symptome
    Achten Sie in den kommenden Wochen genau auf mögliche Symptome der Tollwut. Zu den ersten Anzeichen gehören grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen und allgemeines Unwohlsein. Später können nervliche Störungen auftreten, wie Lähmungen oder Verwirrung. Bei diesen Anzeichen ist eine sofortige medizinische Untersuchung unerlässlich.
  6. Beratung durch den Arzt
    Ihr Arzt wird Ihnen genau erklären, welche Schritte als Nächstes notwendig sind. In den meisten Fällen ist eine Reihe von Impfungen nach einem Verdacht auf Tollwut erforderlich. Diese Impfung ist effektiv, wenn sie rechtzeitig verabreicht wird – daher ist es so wichtig, keine Zeit zu verlieren. Auch auf der Seite des Robert-Koch-Institutes finden Sie hilfreiche Informationen bezüglich Tollwut.

Was ist Tollwut?

Tollwut ist eine schwere Virusinfektion, die das zentrale Nervensystem angreift. Die Krankheit wird durch das Rabiesvirus verursacht und betrifft sowohl Tiere als auch Menschen. Die Symptome entwickeln sich in mehreren Stadien und können zu schwerwiegenden neurologischen Problemen führen, die in der Regel zum Tod führen, wenn keine Behandlung erfolgt.

Die ersten Anzeichen einer Tollwutinfektion können grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen und allgemeines Unwohlsein sein. Später können schwere neurologische Beschwerden wie Angstzustände, Halluzinationen, Krämpfe, Lähmungen und schließlich Koma auftreten. Die Krankheit endet in der Regel mit dem Tod, es sei denn, die betroffene Person erhält rechtzeitig die richtige Behandlung.

Illustration eines Schutzschildes.

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Wie wird Tollwut übertragen?

Tollwut wird hauptsächlich durch den Biss oder Kratzer eines infizierten Tieres übertragen. Das Virus befindet sich in der Regel im Speichel des erkrankten Tieres und gelangt über offene Wunden in den Körper. Auch die Schleimhäute (z. B. im Auge oder Mund) können eine Eintrittspforte für das Virus sein, wenn sie mit infiziertem Speichel in Kontakt kommen.  In Gebieten, in denen die Krankheit weit verbreitet ist, ist die Wahrscheinlichkeit einer Tollwut-Infektion höher, da infizierte Tiere ohne Symptome lange Zeit das Virus verbreiten können.

Die Übertragung erfolgt in den meisten Fällen durch den Biss eines infizierten Tieres. Auch ein Kratzen durch ein infiziertes Tier oder der Kontakt mit dessen Speichel auf offenen Wunden oder Schleimhäuten kann das Virus übertragen. In den meisten europäischen Ländern wird Tollwut jedoch durch regelmäßige Impfungen von Haustieren und Wildtieren, insbesondere Füchsen, effektiv kontrolliert. Weltweit ist Tollwut vor allem in Asien und Afrika ein Problem.

So stecken sich Mensch und Tier an

Tollwut kann sowohl von Tieren auf Menschen als auch von Menschen auf Tiere übertragen werden.

  • Tollwutübertragung durch den Hund
    Der Hund ist weltweit der Hauptüberträger der Tollwut. In vielen Teilen der Welt, besonders in Afrika und Asien, sind Hunde die häufigsten Tiere, die das Virus auf den Menschen übertragen. Ein Hund, der mit dem Tollwutvirus infiziert ist, kann das Virus durch seinen Speichel weitergeben, wenn er beißt oder kratzt. In entwickelten Ländern, wie Deutschland, sind Hunde in der Regel gegen Tollwut geimpft, was die Verbreitung dieser Krankheit stark reduziert hat.
  • Tollwutübertragung durch Fledermaus
    Fledermäuse sind in vielen Ländern ein wichtiger Überträger der Tollwut. Das Virus kann über den Speichel der Fledermaus in die Wunde gelangen, wenn ein Mensch oder ein Tier von einer infizierten Fledermaus gebissen oder gekratzt wird. In einigen Regionen, insbesondere in den USA und in Südamerika, stellen Fledermäuse eine häufige Quelle der Infektion dar. In den meisten Fällen sind die Symptome bei Fledermäusen selbst schwer zu erkennen, was die die Wahscheinlichkeit der Übertragung für den Menschen erhöht.
  • Tollwutübertragung durch andere Tiere
    Auch andere Wildtiere wie Füchse, Waschbären und Schakale können Träger des Tollwutvirus sein. Diese Tiere übertragen das Virus in der Regel durch Bisse oder Kratzer. In Regionen, in denen die Tollwutkontrolle noch nicht umfassend etabliert ist, stellen diese Tiere eine erhebliche Gefahr für Menschen und Haustiere dar.

Symptome und Krankheitsverlauf beim Menschen

Die Symptome entwickeln sich schrittweise und können, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt werden, lebensbedrohlich werden. In diesem Kapitel erklären wir Ihnen, wie sich die Krankheit beim Menschen zeigt und worauf Sie besonders achten sollten.

Erkennen Sie die Symptome rechtzeitig!

Die Krankheit durchläuft mehrere Stadien, die sich deutlich voneinander abgrenzen lassen. Je schneller Sie die Symptome erkennen, desto schneller können Sie die richtigen Maßnahmen ergreifen. Achten Sie besonders auf frühe Anzeichen wie Grippe-Symptome oder ungewöhnliche Verhaltensänderungen – dies könnte auf eine Tollwut-Infektion hindeuten.

Symptome und Phasen von Tollwut im Überblick

Phase

Symptome

Prodromalstadium

Fieber, Kopfschmerzen, Unwohlsein, Schmerzen an der Bissstelle, Reizbarkeit

Erregte Form

Angstzustände, Halluzinationen, Hydrophobie, vermehrter Speichelfluss, Krämpfe

Lähmende Form

Muskelschwäche, Lähmungen, Atemprobleme, langsame Symptomverschlechterung

Endphase

Bewusstseinsverlust, Atemstillstand, Herzversagen, Koma, Tod

1. Das Prodromalstadium: Die ersten Anzeichen

Das Prodromalstadium ist die Anfangsphase der Tollwut. In dieser Zeit sind die Symptome noch unspezifisch und ähneln einer normalen Grippe oder Erkältung. Daher wird die Krankheit in diesem Stadium oft nicht sofort erkannt.

Typische Symptome:

  • Fieber und Kopfschmerzen
    Wie bei einer Grippe fühlen sich Betroffene oft schwach und müde, mit Kopf- und Gliederschmerzen.
  • Allgemeines Unwohlsein und Übelkeit
    Sie könnten sich insgesamt unwohl fühlen, manchmal kommt auch Übelkeit hinzu.
  • Schmerzen an der Bissstelle
    Wenn Sie gebissen oder gekratzt wurden, kann die Wunde plötzlich schmerzen, brennen oder jucken. Auch Kribbeln oder Taubheitsgefühl sind häufig.
  • Verhaltensänderungen
    Zu den frühen Anzeichen gehören auch Reizbarkeit und eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und Wind.

Wichtig:
In dieser Phase ist die Tollwut noch gut behandelbar. Eine sofortige ärztliche Behandlung mit einer Impfung kann den Krankheitsverlauf stoppen und die Infektion verhindern.

2. Die akute neurologische Phase: Erregung und Lähmung

Sobald sich das Virus im Nervensystem ausbreitet, beginnt die akute neurologische Phase. In dieser Phase treten die klassischen Symptome der Tollwut auf und werden zunehmend schwerwiegender. Die Krankheit wird nun durch zwei Formen unterteilt: die „erregte“ Form und die „lähmende“ Form.

Erregte (furiose) Form

Diese Form der Tollwut ist die häufigste und zeichnet sich durch extreme Erregung und Unruhe aus.

Typische Symptome:

  • Angstzustände und Halluzinationen
    Betroffene fühlen sich zunehmend unruhig und haben oft Halluzinationen oder Wahnvorstellungen.
  • Hydrophobie (Angst vor Wasser)
    Ein sehr typisches Zeichen für Tollwut ist die extreme Angst vor Wasser. Schon der Gedanke, etwas zu trinken, löst unkontrollierbare Krämpfe und Erstickungsgefühle aus.
  • Vermehrter Speichelfluss
    Die Betroffenen haben oft vermehrten Speichelfluss, der sich in Form von Schaum vor dem Mund äußern kann.
  • Krampfanfälle und Lähmungen
    Diese beginnen häufig mit Zuckungen und Muskelkrämpfen. Später kann es zu vollständigen Lähmungen kommen, vor allem in den Beinen.

Lähmende (paralytische) Form

Etwa 20 % der Menschen entwickeln die lähmende Form. Diese verläuft langsamer, doch auch hier können die Symptome tödlich sein, wenn keine Behandlung erfolgt.

Typische Symptome:

  • Muskelschwäche
    Im Gegensatz zur erregten Form, bei der es zu unkontrollierten Bewegungen kommt, beginnt die lähmende Form mit zunehmender Muskelschwäche, die sich zunächst in den Beinen zeigt und sich dann auf den gesamten Körper ausbreitet.
  • Lähmungen der Atemmuskulatur
    In fortgeschrittenen Stadien kommt es oft zu Lähmungen der Atemmuskulatur, was zu Atemnot und sogar zum Atemstillstand führen kann.

3. Endphase: Koma und Tod

Die Endphase der Krankheit ist die letzte und schwerwiegendste. Sobald die Tollwut das zentrale Nervensystem vollständig befallen hat, führt dies in der Regel zu einem Koma und schließlich zum Tod. Dies kann innerhalb weniger Tage nach dem Auftreten der ersten Symptome geschehen.

Symptome der Endphase:

  • Bewusstseinsverlust
    Zu Beginn der Endphase verlieren die Betroffenen das Bewusstsein und fallen ins Koma.

Atemstillstand und Kreislaufversagen
Atemnot, Herzstillstand und Kreislaufversagen führen schließlich zum Tod der betroffenen Person.

Verlauf und Prognose: Was passiert, wenn man Tollwut hat?

In diesem Abschnitt erfahren Sie, wie sich die Krankheit weiterentwickelt, welche neurologischen Auswirkungen sie hat und wann eine Behandlung noch effektiv sein kann.

Wie verläuft Tollwut beim Menschen?

Tollwut hat eine klare Struktur im Krankheitsverlauf. Die Krankheit entwickelt sich über mehrere Phasen, die sich vor allem durch die neurologischen Auswirkungen unterscheiden. Ohne rechtzeitige Behandlung schreitet die Erkrankung schnell voran.

Die typischen Phasen im Schnellüberblick

PhaseTypische Merkmale / Symptome
Inkubationsphase (frühe Phase)Keine Symptome, Betroffene fühlen sich gesund; Virus wandert über Nerven zum zentralen Nervensystem
ProdromalphaseFieber, Kopfschmerzen, Unwohlsein, erste unspezifische Beschwerden
Akute neurologische PhaseAngst, Unruhe, Verwirrung, Aggressivität, Hydrophobie, starker Speichelfluss, Krämpfe, beginnende Lähmungen
Paralytische PhaseZunehmende Lähmungen, Muskelschwäche, Atemprobleme
EndphaseKoma, Atemstillstand, Kreislauf- und Herzversagen, Tod

1. Frühe Phase: Unauffällige Symptome

Nachdem das Virus über den Biss oder Kratzer in den Körper gelangt ist, beginnt es sich zu verbreiten. Die Inkubationszeit kann unterschiedlich lang sein, meist beträgt sie jedoch 2 bis 3 Monate. Zu Beginn sind keine Symptome sichtbar – der Betroffene fühlt sich zunächst ganz normal.

Was passiert im Körper?
Das Virus breitet sich vom Biss aus über die Nervenbahnen aus und erreicht das zentrale Nervensystem. In dieser Zeit gibt es keine Beschwerden.

Was bedeutet das für die Prognose?
Während der Inkubationszeit besteht noch die Chance, mit einer postexpositionellen Behandlung (Impfung) die Infektion zu stoppen. Sobald jedoch die ersten Symptome auftreten, wird die Krankheit schwieriger zu behandeln.

2. Akute neurologische Phase: Die ersten gravierenden Symptome

Nach der Inkubationszeit folgt die prodromale Phase, in der unspezifische Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen und allgemeines Unwohlsein auftreten. Doch sobald das Virus das zentrale Nervensystem erreicht, treten spezifische neurologische Symptome auf:

  • Psychische Veränderungen: Der Betroffene kann ängstlich, unruhig oder sogar aggressiv werden. Angstzustände und Verwirrung sind häufig.
  • Hydrophobie (Wasserangst): Ein sehr typisches Zeichen für Tollwut ist die extreme Angst vor Wasser, selbst der Versuch zu trinken kann starke Krämpfe auslösen.
  • Vermehrter Speichelfluss und Krämpfe: Es kommt zu starkem Speichelfluss, was häufig mit unkontrollierbaren Zuckungen oder Muskelkrämpfen einhergeht.
  • Lähmungen: In diesem Stadium beginnen die ersten Anzeichen einer Lähmung, meist in den Extremitäten. Dies ist ein Zeichen dafür, dass das Virus die Nervenbahnen weiter befällt und die Muskulatur schädigt.

3. Endphase: Koma und Tod

In der letzten Phase, auch als paralytische Phase bezeichnet, versagen die Körperfunktionen. Die Lähmungen breiten sich aus und betreffen schließlich auch die Atemmuskulatur, was zu Atemnot und Atemstillstand führen kann. Der Körper verliert die Kontrolle über grundlegende Funktionen, und der Betroffene fällt ins Koma.

Neurologische Auswirkungen in der Endphase:

  • Koma: Der Betroffene verliert vollständig das Bewusstsein und kann nicht mehr auf äußere Reize reagieren.
  • Atemnot und Kreislaufversagen: Durch die Lähmung der Atemmuskulatur wird die Atmung zunehmend schwerer, was schließlich zum Atemstillstand führt.
  • Herzversagen: Wenn das Herz nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, kommt es zum Kreislaufversagen.

Prognose in dieser Phase:
Ohne medizinische Intervention ist der Tod in der Endphase unvermeidlich. Der Krankheitsverlauf ist in dieser Phase nicht mehr behandelbar, und die Patienten sterben meist innerhalb von 7 bis 10 Tagen nach dem Auftreten der ersten neurologischen Symptome.

Wann ist eine Behandlung noch wirksam?

Die Behandlung einer Tollwutinfektion ist nur in der frühen Phase der Erkrankung wirksam, vor allem wenn postexpositionelle Impfungen sofort nach einem möglichen Kontakt mit einem infizierten Tier verabreicht werden.

Frühe Behandlung entscheidend:

  • Sobald erste Symptome wie Fieber und Unwohlsein auftreten, ist eine Behandlung mit Impfung und Immunoglobulinen noch möglich. Diese kann verhindern, dass sich das Virus weiter ausbreitet und das zentrale Nervensystem befällt.

Was passiert, wenn keine Behandlung erfolgt?
Wenn keine frühzeitige Behandlung erfolgt und das Virus das zentrale Nervensystem erreicht, sind die neurologischen Schäden irreversibel. Die Krankheit schreitet dann schnell fort und endet meist mit dem Tod in der Endphase.

Wie kann ich mich vor Tollwut schützen?

Tollwut ist eine vermeidbare Krankheit, die mit den richtigen Maßnahmen und einer frühen Reaktion erfolgreich abgewehrt werden kann. In diesem Abschnitt erfahren Sie, wie Sie sich vor Tollwut schützen können, welche Schutzmöglichkeiten es gibt und wie Sie bei einem möglichen Kontakt richtig reagieren. Wir geben Ihnen einen praktischen Leitfaden zur Tollwut-Impfung, sowohl vorbeugend als auch nach einem Kontakt mit einem potenziell infizierten Tier.

1. Vorbeugende Maßnahmen: Schützen Sie sich von vornherein

Der wichtigste Schritt, sich vor Tollwut zu schützen, ist die präventive Impfung. Diese sollte insbesondere dann in Betracht gezogen werden, wenn Sie sich in Gebieten aufhalten oder mit Tieren in Kontakt kommen, bei denen das Risiko einer Tollwutübertragung besteht.

Wer sollte sich impfen lassen?

  • Reisende in Risikogebiete: Wenn Sie in Länder reisen, in denen Tollwut noch verbreitet ist (z. B. Asien, Afrika, Südamerika), sollten Sie eine vorbeugende Impfung in Erwägung ziehen.
  • Personen mit erhöhtem Tierkontakt: Dazu gehören Tierärzte, Jäger, Tierhalter und Personen, die in Zirkussen oder Wildparks arbeiten, sowie Reisende, die mit Tieren in Kontakt kommen (z. B. bei Trekkingtouren in ländlichen Gebieten).
  • Personen, die mit potenziell infizierten Tieren in Kontakt kommen: In Gebieten mit vielen streunenden Hunden und Wildtieren ist eine Impfung besonders wichtig.

Wie funktioniert die Tollwut-Impfung?

Die Tollwut-Impfung wirkt vorbeugend und schützt Sie, bevor eine Infektion durch ein infiziertes Tier auftreten kann. Die Impfung regt Ihr Immunsystem dazu an, Antikörper gegen das Tollwutvirus zu bilden, sodass Ihr Körper im Fall eines Kontakts mit dem Virus sofort reagieren kann.

2. Was passiert bei einem möglichen Kontakt mit einem infizierten Tier?

Wenn Sie von einem Tier gebissen oder gekratzt werden, das möglicherweise Tollwut trägt, sollten Sie sofort handeln, um eine Infektion zu verhindern. Auch hier spielt die postexpositionelle Impfung eine entscheidende Rolle.

Postexpositionelle Impfung:

Die postexpositionelle Impfung wird nach einem möglichen Kontakt mit einem Tollwut-übertragenden Tier durchgeführt und ist sehr effektiv, solange sie schnell verabreicht wird. Sie besteht aus einer Reihe von Impfungen, die in einem bestimmten Zeitraum nach dem Vorfall gegeben werden.

Wichtig: Die postexpositionelle Impfung besteht aus mehreren Dosen des Impfstoffs und muss innerhalb von 24 Stunden nach dem Vorfall beginnen, um den bestmöglichen Schutz zu bieten.

Impfschema:

  • Tag 0: Erste Dosis der Tollwutimpfung
  • Tag 3: Zweite Dosis
  • Tag 7: Dritte Dosis
  • Tag 14: Vierte Dosis (in bestimmten Fällen)
  • Tag 28: Fünfte Dosis (in speziellen Fällen, abhängig vom Risiko)

Bei besonderem Risiko (z. B. bei besonders tiefen Bissen oder vielen Kratzern) wird auch eine Immunoglobulintherapie in Erwägung gezogen. Hierbei handelt es sich um Antikörper, die sofort wirken und das Virus bekämpfen, bevor der Körper die eigene Immunantwort aufbaut.

3. Welche Rolle spielt die Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO)?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt in Deutschland die Tollwutimpfung für bestimmte Risikogruppen, wie beispielsweise für Reisende in Tollwutgebiete und Menschen, die häufig mit Tieren in Kontakt kommen. Diese Empfehlungen basieren auf aktuellen Studien und Beobachtungen zu den Risiken einer Tollwut-Infektion.

Wenn Sie sich in einem Risikogebiet aufhalten oder beruflich viel mit Tieren zu tun haben, ist es ratsam, sich an die STIKO-Empfehlungen zu halten und frühzeitig eine Impfung durchzuführen.

4. Weitere Schutzmöglichkeiten: Orale Immunisierung von Tieren

Die Immunisierung von Tieren ist ein weiterer wichtiger Schritt, um Tollwut zu verhindern. In vielen Ländern wird die orale Impfung von Wildtieren, insbesondere von Füchsen, durchgeführt. Diese Impfung erfolgt durch die Ausbringung von Futter, das den Impfstoff enthält. Tiere, die dieses Futter fressen, werden immunisiert.

  • Impfung von Haustieren: Wenn Sie Hunde oder Katzen halten, sollten Sie sicherstellen, dass diese regelmäßig gegen Tollwut geimpft werden. In vielen Ländern ist dies gesetzlich vorgeschrieben.
  • Schutz vor streunenden Tieren: In Risikogebieten sollte der Kontakt zu streunenden Tieren vermieden werden, da diese häufig nicht gegen Tollwut geimpft sind.

Woran erkenne ich ein tollwütiges Tier?

Tollwut kann bei Tieren ganz unterschiedlich aussehen – von plötzlicher Aggressivität bis hin zu ungewöhnlicher Zähmung oder Lethargie. Das macht es manchmal schwer, ein tollwütiges Tier eindeutig zu erkennen. Dennoch gibt es typische Anzeichen, an denen Sie sich orientieren können. Der folgende Abschnitt hilft Ihnen, Warnsignale frühzeitig zu erkennen und gefährliche Situationen zu vermeiden.

1. Auffällige Verhaltensänderungen (zentrales Warnsignal)

VerhaltensauffälligkeitBeschreibung
Unerklärliche AggressivitätPlötzliche Angriffe, Zähne fletschen, Schnappen oder Beißen ohne Anlass
ÜberreaktionStark gereiztes Verhalten bei Geräuschen oder Berührungen
Ungewöhnliche ZutraulichkeitWildtiere verlieren Scheu, wirken zahm oder orientierungslos
MerksatzSowohl extreme Aggression als auch auffällige Freundlichkeit können auf Tollwut hindeuten

2. Körperliche Symptome

SymptomTypische AnzeichenUrsache / Hinweis
Starker SpeichelflussSchaum vor dem MundSchlucklähmung in späteren Krankheitsstadien
SchluckbeschwerdenWürgen, häufiges SchluckenLähmung der Schluckmuskulatur
BewegungsstörungenTorkeln, unsicherer Gang, SchwächeBeginnende oder fortschreitende Lähmung
LähmungenZiehende Hinterbeine, UmfallenFortgeschrittene Krankheitsphase
Krämpfe / ZuckungenUnkontrollierte MuskelbewegungenNervensystem betroffen

3. Typische Anzeichen nach Tierart

TierartAuffällige Symptome
Hunde & KatzenAggressives Verhalten, Beißen ohne Auslöser, Orientierungslosigkeit, Zerstörungsdrang, schaumiger Speichel
Füchse & andere WildtiereAktiv am Tag, geringe Scheu, torkelnder Gang, laute oder ungewöhnliche Laute
FledermäuseTaumelnder Flug, Liegen am Boden, kein Fluchtverhalten bei Annäherung
Wichtiger HinweisFledermausbisse sind oft klein und unbemerkt – jeder Kontakt gilt als Risiko

4. Abgrenzung: Nicht jedes auffällige Verhalten ist Tollwut

  • Auffälliges Verhalten bei Tieren bedeutet nicht automatisch Tollwut.

  • Auch andere Erkrankungen (z. B. Staupe, Vergiftungen oder Parasitenbefall) können ähnliche Symptome verursachen.

  • Eine sichere Einschätzung ist für Laien nicht möglich.

  • Eigene Diagnosen sind daher unzuverlässig und können gefährlich sein.

  • Nur zuständige Fachstellen (z. B. Veterinäramt, Tierärzte, Behörden) können eine verlässliche Beurteilung vornehmen.

5. Richtiges Verhalten bei Verdacht auf Tollwut

MaßnahmeEmpfehlung
Abstand haltenTier nicht anfassen, nicht füttern und keinen Annäherungsversuch unternehmen
Kein EinfangversuchNiemals versuchen, ein verdächtiges Tier zu fangen, zu verscheuchen oder einzusperren
Schutz für Kinder & HaustiereKinder und eigene Tiere konsequent fernhalten
Behörden informierenVeterinäramt, Polizei oder örtlichen Jäger kontaktieren
BeobachtungVerhalten, Ort und Uhrzeit aus sicherer Entfernung merken
Haustiere sichernEigene Tiere nicht hinter dem Tier herlaufen lassen

Wann ist eine Impfung sinnvoll?

Eine Tollwut-Impfung ist eine effektive Methode, sich vor dieser gefährlichen Virusinfektion zu schützen. Es gibt zwei wichtige Situationen, in denen eine Impfung sinnvoll ist: präventiv, bevor es zu einem möglichen Kontakt mit dem Virus kommt, und postexpositionell, nachdem ein Kontakt mit einem potenziell infizierten Tier stattgefunden hat. In diesem Abschnitt erfahren Sie, in welchen Fällen die Tollwut-Impfung empfohlen wird und für wen sie besonders wichtig ist.

Präventive Impfung: Wer sollte sich vorab impfen lassen?

Die präventive Tollwut-Impfung wird vor einer möglichen Exposition gegenüber dem Virus durchgeführt. Sie schützt vor einer Infektion, bevor der Kontakt mit einem infizierten Tier stattgefunden hat.

Wann ist eine präventive Impfung sinnvoll?

Die präventive Impfung ist insbesondere für Menschen sinnvoll, die ein höheres Risiko haben, mit dem Tollwutvirus in Kontakt zu kommen. Hierzu gehören:

  • Reisende in Risikogebiete
    Wer in Länder reist, in denen Tollwut noch weit verbreitet ist – insbesondere in Asien, Afrika und Südamerika – sollte sich präventiv impfen lassen. Besonders in ländlichen oder abgelegenen Gegenden, in denen der Kontakt zu streunenden Hunden oder anderen Tieren häufig ist, steigt das Risiko einer Ansteckung.
  • Personen mit erhöhtem Tierkontakt
    Dazu gehören Tierärzte, Tierehalter, Jäger, Wildparkmitarbeiter und Reisende, die in engem Kontakt mit Tieren stehen. Auch Personen, die häufig im Ausland mit Tieren in Verbindung kommen (z. B. Trekkingtouristen oder freiwillige Helfer in ländlichen Gebieten), sollten eine präventive Impfung in Betracht ziehen.
  • Personen, die in Gebieten mit unzureichender Tollwutbekämpfung leben
    In Regionen, in denen keine regelmäßige Impfprogramme für Haustiere und Wildtiere durchgeführt werden, sollte eine präventive Impfung besonders bei Kontakt mit streunenden Tieren erwogen werden.

Wie funktioniert die präventive Impfung?
Die Impfung erfolgt in mehreren Dosen. Der typische Impfplan umfasst in der Regel:

  • Tag 0: Erste Dosis
  • Tag 7: Zweite Dosis
  • Tag 21 oder 28: Dritte Dosis

Die Schutzwirkung hält mehrere Jahre an. In besonders risikobehafteten Berufen oder bei längeren Auslandsaufenthalten kann die Impfung nach einigen Jahren aufgefrischt werden.

Diagnose und Behandlung bei Tollwutverdacht

Tollwut ist eine äußerst gefährliche Virusinfektion, die, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird, fast immer tödlich endet. Daher ist es entscheidend, sofort zu handeln, wenn der Verdacht auf eine Tollwut-Infektion besteht. In diesem Kapitel erfahren Sie, welche Sofortmaßnahmen Sie nach einer potenziellen Risikoexposition ergreifen sollten und wie die medizinische Behandlung aussieht.

Ist Tollwut heilbar? Was ist im Ernstfall zu tun?

Tollwut zählt zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt – nicht, weil sie häufig auftritt, sondern weil sie fast immer tödlich verläuft, sobald sich erste Symptome zeigen. Umso wichtiger ist es, genau zu wissen, wann eine Behandlung möglich ist und welche Schritte im Ernstfall lebensrettend sein können. Tollwut ist nicht heilbar, sobald Symptome ausgebrochen sind.

Das Tollwutvirus befällt das zentrale Nervensystem. Wenn es einmal Gehirn und Rückenmark erreicht hat, kann es durch Medikamente oder Impfungen nicht mehr gestoppt werden. Aus diesem Grund endet eine Tollwutinfektion nach Beginn der Symptome fast immer tödlich.

Warum ist das so?

  • Das Virus wandert über die Nervenbahnen ins Gehirn.
  • Dort zerstört es Nervenzellen und verursacht schwere neurologische Schäden.
  • Das Immunsystem hat in diesem Stadium kaum noch Zugang zum Virus – und auch Impfstoffe wirken dann nicht mehr.

Tollwut ist daher eine der wenigen Infektionskrankheiten, bei der Prävention und frühzeitige Behandlung entscheidend sind – nicht die Heilung, denn eine Heilung gibt es im späten Stadium nicht.

Wann ist eine Behandlung möglich?

Eine Behandlung ist nur dann wirksam, wenn sie sofort nach einem möglichen Kontakt mit dem Virus beginnt – also bevor neurologische Symptome auftreten.

Behandlung ist sinnvoll und wirksam:

  • Nach einem Biss oder Kratzer, wenn das Tier Tollwut haben könnte.
  • Nach Kontakt mit Speichel eines potenziell infizierten Tieres, z. B. bei Lecken über offene Wunden.
  • Wenn ein unbekanntes oder wildes Tier ungewöhnlich aggressiv oder zahm war.

Der entscheidende Zeitraum ist die Zeit bevor das Virus das Nervensystem erreicht – und genau hier setzt die wirksame Behandlung an.

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie mit Tollwut in Kontakt gekommen sind, zählt jede Minute. Gehen Sie folgendermaßen vor:

Wunde sofort auswaschen

  • Waschen Sie die Stelle mindestens 15 Minuten lang mit Wasser und Seife.
  • Spülen und desinfizieren Sie gründlich.
  • Dieser Schritt kann bereits die Menge des Virus deutlich reduzieren.

Sofort medizinische Hilfe aufsuchen

  • Warten Sie nicht ab, bis Symptome auftreten – dann ist es zu spät.
  • Gehen Sie direkt in eine Arztpraxis, Notaufnahme oder einen ärztlichen Bereitschaftsdienst.

Postexpositionelle Impfung beginnen

  • Die Behandlung besteht aus mehreren Impfungen (z. B. an Tag 0, 3, 7, 14 – je nach Schema).
  • Beginnen Sie damit sofort nach dem Vorfall, idealerweise innerhalb weniger Stunden.

Es gibt auch die Möglichkeit das Zagreb-Schema beim Impfen anzuwenden. Das Zagreb-Schema ist ein verkürztes Impfschema für die postexpositionelle Tollwutimpfung – also die Impfung nach einem möglichen Kontakt mit einem tollwütigen Tier.

So funktioniert das Zagreb-Schema

Es besteht aus insgesamt vier Impfstoffdosen, verteilt auf drei Termine:

  • Tag 0: Zwei Impfstoffdosen an unterschiedlichen Injektionsstellen (z. B. in beide Oberarme)\
  • Tag 7: Eine Dosis
  • Tag 21: Eine Dosis

Damit ist das Zagreb-Schema schneller abgeschlossen als andere Impfschemata und wird in manchen Ländern genutzt, wenn eine rasche Immunantwort besonders wichtig ist oder wenn Impfstoff sparsam eingesetzt werden muss.

Wofür wird es verwendet?

Es ist ein alternatives, international anerkanntes Schema für:

  • Postexpositionsprophylaxe (PEP) nach einem Tollwutverdacht
  • Situationen, in denen Patienten schwer erreichbar sind
  • Länder, in denen knappe Ressourcen eine Rolle spielen

Wichtig zu wissen

Das Zagreb-Schema wird nicht in allen Ländern standardmäßig verwendet, da die Impfempfehlungen je nach Gesundheitssystem variieren.

Tollwut-Immunglobulin erhalten (falls nötig)

  • Bei schweren Bissen oder tiefen Wunden wird zusätzlich Immunglobulin direkt in die Wunde injiziert.
  • Diese Antikörper wirken sofort, noch bevor der Körper selbst Schutz aufbauen kann.

Das weitere Vorgehen mit Ärztinnen und Ärzten abstimmen

  • Folgen Sie strikt dem Impfplan.
  • Keine Impfdosis auslassen – das kann lebensgefährlich sein.

Warum ist sofortiges Handeln lebensrettend?

Weil die Behandlung nur wirkt, bevor Symptome auftreten. Sobald die ersten Anzeichen – wie Fieber, Kribbeln an der Bissstelle, Angst oder Schluckbeschwerden – beginnen, hat das Virus das zentrale Nervensystem erreicht. Ab diesem Zeitpunkt:

  • wirkt die Impfung nicht mehr
  • hilft kein Immunglobulin
  • gibt es keine verfügbare Therapie
  • verläuft die Krankheit fast immer tödlich

Nur schnelles Handeln unterbricht diesen Prozess.

Risikofaktoren bei Tollwut

Tollwut zählt zu den lebensgefährlichsten Infektionskrankheiten – und obwohl sie in vielen Ländern gut kontrolliert ist, gibt es Situationen und Umstände, die das Risiko einer Ansteckung deutlich erhöhen. In diesem Abschnitt erfahren Sie, welche Faktoren das Infektionsrisiko steigern, welche Personengruppen besonders gefährdet sind und worauf Sie achten sollten, um sich bestmöglich zu schützen.

Kontakt zu potenziell infizierten Tieren

Der größte Risikofaktor ist der direkte Kontakt mit einem Tier, das das Tollwutvirus in sich tragen könnte.

Besonders risikoreich sind:

  • Streunende Hunde – vor allem in Regionen mit unzureichender Impfkampagne
  • Fledermäuse – weltweit häufige Träger des Virus, auch in Ländern mit niedrigem Risiko
  • Wildtiere wie Füchse, Marder, Schakale oder Waschbären
  • Katzen, die im Ausland herrenlos leben und möglicherweise infiziert sind

Warum ist das gefährlich?
Das Virus befindet sich im Speichel infizierter Tiere. Es kann über folgende Wege übertragen werden:

  • Bisse
  • Kratzer
  • Lecken über offene Wunden
  • in seltenen Fällen über Kontakt mit Schleimhäuten (z. B. Augen, Mund)

Reisen in Länder mit hoher Tollwutverbreitung

Auch wenn Tollwut in Deutschland und vielen europäischen Ländern selten geworden ist, gilt das weltweit keineswegs.

Besonders gefährdete Regionen sind:

  • Teile von Asien (z. B. Indien, Indonesien, Thailand)
  • Teile von Afrika
  • einige Regionen in Südamerika

In vielen dieser Länder sind Impfprogramme für Haustiere lückenhaft und es gibt zahlreiche streunende Hunde und Katzen. Auch Fledermäuse sind dort häufig Überträger.

Was bedeutet das für Reisende?

  • Eine präventive Impfung wird empfohlen, vor allem bei Abenteuerreisen, Trekkingtouren, ländlichen Aufenthalten oder freiwilligen Einsätzen.
  • Kinder sind im Ausland besonders gefährdet, da sie Tiere eher streicheln und Bisse nicht immer melden.

Berufliche und private Tätigkeiten mit Tierkontakt

Bestimmte Berufs- und Freizeitgruppen tragen ein erhöhtes Risiko, weil sie naturgemäß häufig mit Tieren in Kontakt kommen.

Zu den Risikogruppen gehören:

  • Tierärztinnen und Tierärzte
  • Tierpfleger, Tierheimmitarbeiter, Hundetrainer
  • Jägerinnen und Jäger, Forstpersonal, Wildtierbeauftragte
  • Biologinnen und Biologen, insbesondere Fledermausforscher
  • Reisende und Expeditionsleiter in Tollwutgebiete

Auch wer privat viele Tiere hält oder häufig mit Wildtieren in Kontakt kommt, sollte sich der Risiken bewusst sein.

Fehlende oder unvollständige Impfungen bei Haustieren

Ihr persönliches Risiko steigt auch, wenn Haustiere nicht regelmäßig gegen Tollwut geimpft werden.

Warum?
Ein ungeimpfter Hund oder eine ungeimpfte Katze kann sich:

  • im Ausland
  • bei Wildtieren
  • oder durch streunende Tiere
    anstecken und das Virus weitergeben.

Daher sind regelmäßige Impfungen für Haustiere ein zentraler Bestandteil der Tollwutprävention.

Verhalten, das das Infektionsrisiko erhöht

Auch bestimmte Verhaltensweisen führen zu einem höheren Tollwutrisiko, vor allem in Risikogebieten.

Dazu gehören:

  • Nähe zu streunenden Hunden oder Katzen
  • Füttern oder Streicheln wilder Tiere
  • Wildtiere zu fangen, zu halten oder zu retten
  • Umgang mit verletzten Tieren ohne Schutzausrüstung
  • Schlafen in offenen Räumen in Regionen mit Fledermäusen (z. B. offene Hütten)

Vor allem bei Fledermäusen gilt: Schon kleine, kaum sichtbare Bisse können gefährlich sein.

Verzögerte oder fehlende Behandlung nach Kontakt

Ein oft unterschätzter Risikofaktor ist das zögerliche Handeln nach einem Biss. Viele Betroffene suchen nicht sofort medizinische Hilfe auf – oft, weil die Wunde klein ist oder harmlos erscheint.

Das erhöht das Risiko massiv, denn:

  • Tollwut ist nur vor Ausbruch der Symptome behandelbar.
  • Jede Verzögerung kann lebensgefährlich sein.

Tollwut: Risikogebiete

Tollwut kommt weltweit vor – allerdings in sehr unterschiedlicher Häufigkeit. Während die Krankheit in einigen Regionen nahezu ausgerottet ist, stellt sie in anderen Teilen der Welt weiterhin eine akute Gefahr dar. Wenn Sie wissen, in welchen Gegenden das Risiko besonders hoch ist, können Sie Reisen besser planen und geeignete Schutzmaßnahmen ergreifen.

RisikostufeRegionen / Länder (Beispiele)Typische ÜberträgerBesonderheiten
Hohes RisikoAsien (z. B. Indien, Pakistan, China, Thailand, Vietnam, Indonesien, Philippinen)Vor allem streunende Hunde, auch FledermäuseSehr hohe Fallzahlen, große Populationen streunender Hunde
 Afrika (z. B. Kenia, Tansania, Äthiopien, Nigeria, Ghana)Hunde, WildtiereEingeschränkte medizinische Versorgung erschwert schnelle Behandlung
 Süd- & Mittelamerika (z. B. Bolivien, Peru, Brasilien, Haiti, Guatemala, Teile Mexikos)Hunde, FledermäuseFledermäuse spielen eine größere Rolle als Überträger
Mittleres RisikoTeile OsteuropasWildtiere (z. B. Füchse)Tollwutbekämpfung vorhanden, aber Einzelfälle
 Naher Osten (einzelne Länder)WildtiereGeringeres Risiko durch Haustiere
 Russland (abgelegene Regionen)WildtiereGroße, schwer kontrollierbare Gebiete
 Nordamerika (bestimmte Regionen)Waschbären, Stinktiere, FüchseRisiko hauptsächlich durch Wildtiere
Sehr geringes oder kein RisikoDeutschland, Österreich, EU-StaatenSelten, vereinzelt FledermäuseErfolgreiche Impfprogramme
 Schweiz, Norwegen, IslandSehr seltenStrenge Kontrollen
 Australien, NeuseelandSehr seltenKeine klassische Hundetollwut
 Japan, SüdkoreaSehr seltenHohe Impf- und Kontrollstandards
 Kanada (Ausnahme: Wildtiere)WildtiereKaum Risiko durch Haustiere

Wichtig:
Auch in tollwutfreien Ländern können Fledermäuse das Virus vereinzelt übertragen. Der Kontakt zu ihnen sollte daher immer ernst genommen werden.

Wenn Sie in ein Tollwut-Risikogebiet reisen, sollten Sie besonders aufmerksam sein und sich vorbereiten.

Das sollten Sie beachten:

  • Eine präventive Impfung wird bei Aufenthalten in ländlichen oder abgelegenen Gebieten dringend empfohlen.
  • Nähern Sie sich keinen streunenden Hunden oder Katzen.
  • Vermeiden Sie den Kontakt zu wilden Tieren – auch wenn sie zutraulich erscheinen.
  • Kinder sollten darauf hingewiesen werden, keine fremden Tiere zu streicheln.
  • Informieren Sie sich vorab über die medizinische Versorgung im Zielland.

Besonderheit: Fledermaustollwut weltweit

Während die Hundetollwut in vielen Industrieländern erfolgreich bekämpft wurde, bleibt die Fledermaustollwut ein weltweites Risiko.

  • In Nord- und Südamerika, aber auch in Europa, Asien und Afrika können Fledermäuse Tollwutviren tragen.
  • Oft sind Bisse sehr klein und werden nicht bemerkt – weshalb jeder Kontakt vorsichtshalber als Risiko behandelt werden sollte.

Tollwut? Impfung ist der beste Schutz

Nicht nur bei Impfungen: Der DFV-AmbulantSchutz ergänzt die Leistungen der GKV sinnvoll – gerade bei wiederkehrenden Beschwerden oder möglichen Risiken. Profitieren Sie von:

  • Schutzimpfungen und erweiterte Vorsorge
  • Erstattung für Arznei- und Verbandmittel
  • Zuschüsse für Heil- und Hilfsmittel
  • Sinnvolle Ergänzung zur GKV

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Beratungsgespräch zwischen einem Mann und einem Arzt. © Rowan Jordan

FAQ zum Thema Tollwut Häufige Fragen

  • Tollwut beginnt meist mit unspezifischen Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen und Unwohlsein. Danach greift das Virus das zentrale Nervensystem an. Es kommt zu neurologischen Symptomen wie Angstzuständen, Verwirrtheit, Muskelkrämpfen, vermehrtem Speichelfluss, Schluckbeschwerden und in vielen Fällen zur typischen Hydrophobie (Angst vor Wasser). Schließlich kommt es zu Lähmungen, Bewusstlosigkeit und ohne Behandlung zum Tod. Sobald die Symptome auftreten, ist die Erkrankung praktisch nicht mehr aufzuhalten.

  • Tollwut ist nicht heilbar, wenn die Symptome einmal begonnen haben. Das Virus befällt das zentrale Nervensystem, und weder Medikamente noch Impfungen können es dann noch stoppen. Die einzige wirksame Behandlung besteht darin, sofort nach einem möglichen Kontakt eine postexpositionelle Impfung (und ggf. Immunglobulin) zu erhalten – bevor sich erste Beschwerden entwickeln.

  • Ja – wenn Symptome ausgebrochen sind, verläuft Tollwut nahezu immer tödlich. Weltweit gibt es nur extrem wenige dokumentierte Überlebensfälle, und diese sind medizinische Ausnahmen. Entscheidend ist daher die Prävention: Eine rechtzeitig verabreichte Impfung nach einem Tierbiss kann die Erkrankung zuverlässig verhindern.

  • Nach dem Auftreten der ersten Symptome verläuft die Krankheit sehr schnell. In der Regel versterben Betroffene innerhalb von 7 bis 10 Tagen. Die genaue Dauer hängt vom Verlauf (erregte oder lähmende Form) und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab, aber der Ausgang bleibt fast immer gleich – weshalb schnelles Handeln nach einer möglichen Exposition lebensrettend ist.

Tipps

Fazit

Tollwut ist lebensgefährlich, aber durch Vorsorge vermeidbar. Die Übertragung erfolgt meist durch den Biss infizierter Tiere. Entscheidend: Nach Symptombeginn ist die Krankheit nicht heilbar. Nach jedem Risiko­kontakt zählt schnelles Handeln mit Wundreinigung und ärztlicher Behandlung. Schutz bieten rechtzeitige Impfungen, insbesondere für Risikogruppen, sowie regelmäßig geimpfte Haustiere.

  • Die Artikel im Ratgeber der Deutschen Familienversicherung sollen Ihnen allgemeine Informationen und Hilfestellungen  rund um das Thema Gesundheit bieten. Sie sind nicht als Ersatz für eine professionelle Beratung gedacht und sollten nicht als Grundlage für eine eigenständige Diagnose und Behandlung verwendet werden. Dafür sind immer Mediziner zu konsultieren.

    Unsere Inhalte werden auf Basis aktueller, wissenschaftlicher Studien verfasst, von einem Team aus Fachärzten und Redakteuren erstellt, dauerhaft geprüft und optimiert.

    Alle Angaben ohne Gewähr.

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