Hexenschuss

Hexenschuss – Ursachen, Symptome und Behandlung

Hexenschuss zählt zu den typischen Volkskrankheiten. Bis zu 85 Prozent der Bevölkerung erwischt der akute Kreuzschmerz etwa einmal im Leben. Lumbago, so der medizinische Begriff, verschwindet in den meisten Fällen ganz von alleine.

 

 


SOS Tipps: Das hilft bei Hexenschuss

  • Wärmflasche auf den unteren Rücken legen. Das entspannt die Muskulatur und regt die Durchblutung an.
  • Rotlicht auf betroffene Stelle bringen. Die Wärme wirkt entspannend.
  • Stufenlage einnehmen: Erst flach auf den Rücken legen, dann Beine auf einen Stuhl oder Kissenstapel bringen, so dass die Knie einen rechter Winkel bilden. Diese Position entlastet die Wirbelsäule kurzfristig, die Muskeln im unteren Rücken können entspannen und heftiger Schmerz lässt nach.
  • Möglichst nicht ins Bett legen. Schonende Bewegung führt schneller zur Genesung
  • Bei Bedarf Schmerzmittel einnehmen. Empfohlen werden zum Beispiel Ibuprofen oder Diclofenac (nicht-steroidale Antirheumatiker). Das unterstützt dabei, weiter in Bewegung zu bleiben.

Was ist Hexenschuss?

Hexenschuss tritt plötzlich auf. Ein stechender Schmerz fährt dabei in den unteren Rücken und bleibt über längere Zeit bestehen. Betroffene können sich dann kaum noch bewegen, da die Muskeln in der Lendengegend stark verspannt sind. Dabei werden Nerven gereizt, die die Wirbelsäule versorgen. Hexenschuss wird auch als Lumbago  oder lokales Lumbalsyndrom (von lat. Lumbus = Lende) bezeichnet. 

Der Begriff „Hexenschuss“ stammt noch aus dem Mittelalter und der damaligen Vorstellung, dass der Schmerz durch den Pfeilschuss einer Hexe verursacht würde.

Ursachen für Hexenschuss

Wer einen Hexenschuss erleidet, hat sich zuvor meist ruckartig oder ungewohnt bewegt. Auch falsche oder verstärkte Belastung kann den akuten Schmerz auslösen. Dabei liegt das ursächliche Ereignis manchmal sogar einige Tage zurück. Der stechende Schmerz ist in einer plötzlichen Verhärtung der Muskulatur begründet. Die ist bei Betroffenen meist unterentwickelt und kann Überlastungen oder Instabilitäten entsprechend schlecht auffangen. Ebenso können psychische Belastungen oder feuchtes, kaltes, Wetter das Auftreten eines Hexenschusses begünstigen.

Symptome von Hexenschuss

Die Beschwerden werden von Betroffenen als plötzlich einschießender Schmerz beschrieben. Der erstreckt sich über den unteren Lendenwirbelbereich und das Kreuzbein (in dessen Mitte oder seitlich davon). Besonders beim Laufen oder Stehen quälen die bohrenden bzw. stechenden Schmerzen. Oft strahlen sie auch weiter aus. Die Beweglichkeit ist aufgrund der Schmerzen in der Lendenwirbelsäule stark eingeschränkt. Meist betreffen sie nur eine Körperseite zwischen Gesäß und Rumpf. Wen der Hexenschuss erwischt hat, der kann sich meist auch nicht mehr bücken. Automatisch wird eine leicht nach vorn gebeugte Position als Schonhaltung eingenommen. Etwas Linderung verschaffen das Liegen auf der Seite mit angewinkelten Beinen oder die Rückenlage mit Stufenlagerung (angewinkelte Beine auf einen Stuhl oder übereinander gestapelte Kissen legen). Ist auch die Brustwirbelsäule betroffen, kann dies zur Beeinträchtigung beim Atmen führen.

Wann sollte man bei Hexenschuss zum Arzt?

Dauern Hexenschuss-Beschwerden länger als drei Tage an und haben die eigenen Bemühungen zur Linderung nicht angeschlagen, sollte eine Arzt aufgesucht werden. Kommen zum Rückenschmerz weitere Symptome hinzu wie Kribbeln, Empfindungsstörungen an den Beinen oder Lähmungserscheinungen wird geraten, sofort zum Orthopäden oder Hausarzt zu gehen. Der behandelnde Arzt wird sich dann ein genaues Bild von der Erkrankung machen. Bei der Untersuchung geht es darum, Ursachen wie zum Beispiel einen Bandscheibenvorfall auszuschließen. Die Haltung des Rückens wird genauer angesehen und die Beweglichkeit der Wirbelsäule geprüft. Durch Abtasten der Muskulatur sucht der Arzt unter anderem nach schmerzhaften Verspannungen. Strahlen die Schmerzen bis ins Bein hinunter, wird er auch die Sensibilität im Bein, Muskelkraft und Reflexe kontrollieren.

In einigen Fällen stecken hinter den Beschwerden auch andere Erkrankungen. Dies können Harnsteine (Urolithiasis), Nierentumore, Endometriose, Gallenblasenentzündung (Cholezystitis) oder Bauchspeichelentzündung (Pankreatitis) sein. Der Arzt wird dann zur genauen Diagnose zusätzlich Blut und Urin untersuchen und bei Bedarf auch Röntgen, eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder eine Computertomografie (CT) erstellen.

Behandlung von Hexenschuss

Bei akutem Hexenschuss gilt: Keinesfalls eine Schonhaltung einnehmen und weiter aktiv bewegen. Lassen Schmerzen das nicht zu, können rezeptfreie Schmerzmittel helfen. Die Medikamenteneinnahme möglichst auf zwei bis drei Tage beschränken. In der Regel gehen die Kreuzschmerzen von selbst weg. Unterstützen kann man den Heilungsprozess unter anderem durch Wärmeanwendungen: Wärme regt die Durchblutung an und das entspannt die Muskulatur. Darüber hinaus können noch weitere Mittel und Methoden die Beschwerden reduzieren.

Therapeutische Sofortmaßnahmen

Wärmflasche, Heiz- oder Kirschkernkissen auf die schmerzende Stelle auflegen. Auch eine Wärmesalbe oder ein Wärmepflaster tun in der akuten Schmerzsituation gut. Ebenso werden Infrarotlicht oder ein heißes Bad empfohlen. Sind die Schmerzen unerträglich, helfen Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac (nicht-steroidale Antirheumatiker).

Akupunktur

Rund zehn Sitzungen sind zur Besserung der Symptome angezeigt. Bei der traditionellen chinesischen Heilmethode werden spezielle Nadeln sanft an bestimmte Stellen des Körpers gestochen, um sogenannte Leitbahnen zu aktivieren. Von dem leichten Einstich spürt man nur wenig. Die Nadeln verbleiben in der Regel zwischen 20 und 30 Minuten in der Haut. Untersuchungen haben gezeigt, dass Akupunktur vielen Betroffenen bei Hexenschuss helfen kann. Die Methode bieten eigens dafür qualifizierte Ärzte und auch Heilpraktiker an.

Manuelle Medizin

Ein manueller Therapeut kann auf schonende Weise die durch den Hexenschuss gestörte Beweglichkeit wiederherstellen. Sind die Muskeln verspannt, tastet er die Wirbelsäule ab, um Blockaden aufzuspüren. Gezielte Mobilisation verschafft rasche Schmerzlinderung und verbessert die Beweglichkeit. Die Behandlung ist sanft und erfolgt ohne ruckartige Manipulation. Eine der empfohlenen Techniken ist die arthrokinematische-Hakata-Methode.

Stufenlagerung

Vielen Betroffenen verhilft die Stufenlagerung zu einer kurzfristigen Symptomlinderung. Dazu flach auf den Rücken legen und Beine hoch lagern (z.B. auf einem Kissenstapel), so dass die Knie einen rechten Winkel bilden. Die Oberschenkel befinden sich in fast senkrechter Stellung und zeigen nach oben. Knie und Unterschenkel ruhen waagerecht auf der erhöhten Unterlage. – In dieser Position kann sich die Rumpfmuskulatur entspannen.

Lidocain-Pflaster

Das Pflaster mit dem Lokalanästhetikum (Betäubungsmittel) Lidocain wird in der Regel gegen chronischen Nervenschmerz empfohlen. Bei Hexenschuss findet es häufig Einsatz. Allerdings haben Studien ergeben, dass eine medikamentöse Therapie mit Lidocain nicht wirkungsvoller ist, als die mit Placebo-Wirkstoffen.

Spritze geben lassen

Der behandelnde Arzt kann Schmerzmittel, entzündungshemmende oder die Muskeln entspannende Wirkstoffe auch direkt in die Rückenmuskulatur spritzen. Eine Spritze zu geben, birgt aber auch mögliche Risiken. Allergische Reaktionen, Blutergüsse, Entzündungen bis hin zu absterbendem Muskelgewebe können die Folge sein.

Hausmittel bei Hexenschuss

Bei Hexenschuss kann man selbst einiges zur Besserung der Schmerzen unternehmen. Grundsätzlich hilft Wärme sehr gut. Sie fördert die Durchblutung, entspannt die Muskulatur und kann so den Schmerz lindern. Erste Hilfe bei Hexenschuss: 

  • Wärmflasche auf den betroffen unteren Rückenbereich auflegen.
  • Rotlicht auf die schmerzende Stelle lenken.
  • Ein heißes Bad nehmen.
  • Stufenlage einnehmen: Dazu legt sich der Patient auf den Rücken und seine Beine dann auf einen Stuhl oder einen Stapel von Kissen oder Decken. Die Knie sollten einen rechten Winkel bilden. Diese Position kann vorübergehend die Schmerzen lindern.
  • In Bewegung bleiben. Keine Schonhaltung einnehmen. Ziel ist unter anderem, die Muskulatur wieder zu entspannen.
  • Wenn nötigt und nur für kurze Zeit Schmerzmittel einnehmen. Zum Beispiel Ibuprofen oder Diclofenac.

Homöopathie bei Hexenschuss

Zur Linderung der akuten Schmerzen werden bei Hexenschuss unter anderem diese Mittel empfohlen:

  • Arnica: Wird unter anderem nach körperlicher Überanstrengung und anschließendem Schmerz in der Rückenmuskulatur empfohlen.
  • Belladonna: Bei starkem, meist rechtsseitigem Ischiasschmerz (Ischialgie). Wenn Beschwerden bei Bewegung, Erschütterung und längerem Sitzen zunehmen. Wenn sich der Betroffene nicht aufrichten kann.
  • Calcium carbonicum: Wenn der Hexenschuss durch geringe körperliche Anstrengung ausgelöst wurde. Bei Verschlimmerung durch feuchte Kälte.
  • Colocynthis: Wenn der Schmerz nach psychischer Belastung (Ärger, Wut, Kränkung) aufgetreten ist. Wenn Besserung durch Liegen auf der betroffenen Stelle oder Druck darauf erfolgt.
  • Rhus toxicodendron: Für Betroffene, die unter starker Unruhe leiden, sich ständig bewegen, dehnen oder herumgehen möchten. Wenn eher die linke Körperseite vom Schmerz betroffen ist.

Welche Folgen hat Hexenschuss?

Ist Hexenschuss auch noch so schmerzhaft – die Beschwerden klingen meist nach kurzer Zeitwieder ab. Einfache Hausmittel, wie Wärme und Bewegung (nicht Schonen) helfen dabei, den Schmerz zu reduzieren. Meist können sich Betroffene schon nach wenigen Tagen wieder wie zuvor bewegen.

Wie kann ich Hexenschuss vorbeugen?

Bewegung in den Alltag zu integrieren, gehört zu einem gesunden Lebensstil. Gerade nach einem erlittenen Hexenschuss (Lumbago) sollte man sich den Aufbau der Muskulatur auf die Fahnen schreiben. Grundsätzlich gilt: bei längerer Schreibtischarbeit immer mal zwischendurch aufstehen und Strecken und Dehnen. Am besten regelmäßig Sport treiben und insbesondere Bauch- und Rückenmuskulatur aufbauen. Dafür eignen sich klassische Kurse wie Rückenschule und Pilates oder Fitnesstraining im Studio. Wer auf Stress mit starken Muskelverspannungen reagiert, dem wird empfohlen, Entspannungstechniken zu lernen. Geeignet sind zum Beispiel folgende Methoden: Meditation, Yoga, Qigong oder Autogenes Training.

Achtsames Bewegen und keine zu schweren Dinge heben, schützt außerdem vor Hexenschuss. Vor kalter Nässe, als Auslöser für Lumbago, hilft ausreichend warme Kleidung.

Was ist der Unterschied zwischen Hexenschuss und Bandscheibenvorfall?

Die Symptome eines Hexenschusses und die eines Bandscheibenvorfalls können ähnlich sein. In beiden Fällen haben Betroffene Rückenschmerzen, die gegebenenfalls bis ins Gesäß und in die Beine ausstrahlen. Ebenfalls zum Verwechseln ähnlich: die plötzliche Schmerzattacke. Während Hexenschuss-Schmerz aber meist nach kurzer Zeit von alleine weggeht, ist ein Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps) eine Erkrankung, die unbedingt von einem Arzt behandelt werden muss. Betroffene haben häufig zusätzliche Symptome wie Kribbeln im Bein, Taubheitsgefühle oder Lähmungen. Wenn eine Bandscheibe nach vorn, in den Spiralnerven- oder Rückenmarkskanal gerutscht ist, drückt sie auf die Nerven bzw. auf das Rückenmark. Das kann sehr schmerzhaft sein. Diesen sogenannten Ischiasschmerz, der bis in die Beine ausstrahlt, bezeichnet man auch als Hexenschuss, der durch einen Bandscheibenvorfall ausgelöst wird. 

Hexenschuss bei älteren Menschen

Hexenschuss hält meist nicht lange an. Schon nach einigen Tagen ist die schmerzhafte Episode bei den meisten verschwunden. Klingen die Beschwerden dennoch nicht ab, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Denn hinter einem vermeintlichen Hexenschuss können auch andere Erkrankungen stecken. Gerade ältere Menschen, die an Osteoporose leiden, sollten bei dem Verdacht auf Hexenschuss umgehend ihren Arzt aufsuchen. Auslöser der Schmerzen könnte nämlich ein Wirbelbruch sein.

FAQs zum Thema Hexenschuss

Was ist ein akuter Lumbago?

Unter Lumbago oder Hexenschuss versteht man einen plötzlichen, stechenden Schmerz im Lendenwirbelbereich. Betroffene können sich dann meist nur noch stark eingeschränkt bewegen. Ursache ist eine Muskelverhärtung nach ruckartiger Bewegung, zu hoher Belastung oder Stress.

Was tun bei Hexenschuss?

Schmerzen, die ein Hexenschuss hervorruft, können wirkungsvoll durch Wärme und Bewegung reduziert werden. Schonhaltungen gilt es zu vermeiden. Am besten eine Wärmflasche auf den unteren Lendenwirbelbereich auflegen, die Rückenpartie mit Rotlicht bestrahlen oder ein heißes Bad nehmen. Sind die einschießenden Schmerzen so stark, dass Bewegen fast unmöglich scheint, können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac eingenommen werden. 

Wie lange dauert Hexenschuss?

Ein Hexenschuss dauert meist nicht lange an. Viele sind bereits nach einer Woche wieder beschwerdefrei, andere nach zwei Wochen. Es kann manchmal aber auch vier bis sechs Wochen dauern, ehe man sich wieder erholt hat. 

Haben die Schmerzen nach drei Tagen noch nicht nachgelassen oder sind andere Beschwerden dazugekommen, sollten Hausarzt bzw. Orthopäde aufgesucht werden. 

Welche Medikamente helfen bei Hexenschuss?

Um den akuten Schmerz zu lindern und um recht schnell wieder beweglicher zu werden, kann man bei Hexenschuss vorübergehend Schmerzmittel einnehmen. Empfohlen werden nicht-steroidale Antirheumatiker (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac. Bezüglich der richtigen Dosierung sollten der behandelnde Arzt oder Apotheker gefragt werden.

Wann kann man nach Hexenschuss wieder Sport treiben?

Sobald ein Hexenschuss-Patient schmerzfrei ist, kann das gewohnte Training wieder aufgenommen werden. Hier gilt aber ganz besonders: Vor starker sportlicher Belastung sollte man die Muskulatur gut aufgewärmen. Wann jemand nach Hexenschuss wieder Sport treibt, ist nach individuellem Ermessen und ggf. nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt zu entscheiden. 

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