Erste Hilfe nach einem Unfall

Erste Hilfe nach einem Unfall – worauf müssen Sie als Ersthelfer achten

Rechtlich gesehen ist es unterlassene Hilfeleistung, wenn man als Ersthelfer an einem Unfallort nichts tut. Sie wird mit bis zu einem Jahr Gefängnis bestraft. Bei Unfallflucht sind es sogar bis zu drei Jahre. Aber was ist, wenn ich helfe und dabei Schaden anrichte? Kann ich dafür bestraft werden?


Kann ein Ersthelfer bei einem Unfall zur Rechenschaft gezogen werden?

Ersthelfer können nur dann zur Rechenschaft gezogen werden, wenn sie entweder grob fahrlässig oder vorsätzlich durch ihr Handeln eine Verschlimmerung der Verletzung herbeiführen oder es zum Tode des Verletzten führt. Grob fahrlässig sind Verstöße gegen einfachste Regeln der Ersten Hilfe, zum Beispiel wenn die Unfallstelle ungesichert bleibt und der nachfolgende Verkehr hineinfährt. Vorsatz ist eine absichtliche Schädigung.

Auf jeden Fall kann an einen Ersthelfer kein Schadensersatzanspruch gestellt werden, wenn er zur Versorgung eines Verletzten die Kleidung zerschneidet. Gleiches gilt für ungewollt zugefügte Körperverletzung wie ein Rippenbruch bei der Herzdruckmassage. Wenn Erste-Hilfe-Maßnahmen schließlich erfolglos bleiben, kann das dem Ersthelfer nicht zum Verhängnis werden. In einem solchen Fall kann auch die privaten Unfallversicherung des Unfallopfers greifen. Sinnvoll ist eine private Absicherung des Unfallrisikos daher auch für Verletzungen und alle Komplikationen, die sich erst im Anschluss an ein Unfallereignis ergeben.

Welche Reihenfolge der Erste-Hilfe-Maßnahmen ist sinnvoll?

  • Sicherheit herstellen: Warnblinker anschalten, Warndreieck aufstellen und Warnweste anziehen
  • Überblick verschaffen, Notruf (112) wählen und falls erforderlich, lebensrettende Maßnahmen einleiten
  • das Versorgen von Schwerverletzten kann unter Umständen auch vor oder zeitgleich mit dem Absetzen eines Notrufs erfolgen – delegieren Sie den Notruf, organisieren Sie weitere Helfer
  • Sofortmaßnahmen bei Schwerverletzten, Betreuen der Verletzten

Welche Angaben sind beim Notruf in der Rettungsleitstelle wichtig?

  • Wo ist der Unfall passiert?
  • Was ist geschehen?
  • Wie viele Verletzte gibt es?
  • Welche Verletzungen weisen diese Personen auf?
  • Warten Sie auf Rückfragen!

Sie können aber auch selbst Fragen stellen, wenn Sie sich zum Beispiel über die weiteren Schritte oder die Versorgung der Verletzten unsicher sind.

Wie kann der Zustand des Verletzten am besten eingeschätzt werden?

Sprechen Sie die Person am besten in ruhigem Ton an. Ist sie ansprechbar und bei Bewusstsein, fragen Sie, wo der Verletzte Schmerzen hat. Fragen Sie nach dem Namen und sprechen Sie weiter mit der betroffenen Person, um sie von den Schmerzen abzulenken.

Die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen

Bewusstlose lagern

Reagiert jemand nicht auf Ansprechen und äußere Reize wie ein vorsichtiges Rütteln an der Schulter, dann ist diese Person bewusstlos. Die Gefahr bei einer Bewusstlosigkeit ist, dass die Schutzreflexe ausgeschaltet sind und die Muskulatur erschlafft. Dadurch kann die Zunge die Atemwege verschließen und zum Ersticken führen.

Atmung prüfen

Prüfen Sie deshalb die Atmung, indem Sie den Kopf des Bewusstlosen leicht in den Nacken legen, das Kinn anheben und den Mund öffnen. Befinden sich Fremdkörper im Mund, entfernen Sie diese. Legen Sie Ihre Wange an Nase und Mund des Bewusstlosen. Ob die Atmung funktioniert, erkennen Sie unter anderem an den Atemgeräuschen. Können Sie die Atmung feststellen, bringen Sie die Person in die stabile Seitenlage.

Stabile Seitenlage

Strecken Sie als erstes die Arme des Betroffenen aus, sodass sie am Körper liegen. Dann nehmen Sie den Arm, der an Ihrer Seite liegt und legen ihn an Schulter und Ellenbogen so nach oben, dass er wie beim Winken rechtwinklig nach oben zeigt. Den anderen Arm legen Sie quer über die Brust, so dass die Hand an der Wange der gegenüber liegenden Körperseite anliegt. Greifen Sie das von Ihnen aus entferntere Bein und ziehen es zu sich, um die Person auf die Seite zu drehen. Das obere Bein wird in Hüfte und Knie angewinkelt. Damit die Atemwege frei bleiben, überstrecken Sie den Kopf leicht in den Nacken.

Wiederbelebung

Ist der Verletzte nicht ansprechbar und zeigt keine oder keine normale Atmung, ist eine Herz-Lungen-Wiederbelebung (kardiopulmonale Reanimation) notwendig. Dabei muss immer abwechselnd 30 mal das Herz massiert und zweimal Mund-zu-Mund beatmet werden.

Wundversorgung

Bei der Versorgung von Wunden sollten Ersthelfer Einmalhandschuhe tragen. Um zusätzliche Infektionen beim Verletzten zu vermeiden, sollten Wunden keimfrei bedeckt werden. Der in Kraftfahrzeugen gesetzlich vorgeschriebene Verbandskasten verfügt über die notwendige Ausrüstung zur sterilen Wundversorung und Ersthilfe.

Knochenbrüche

Knochenbrüche erkennt man an einer unnatürlichen Lage der Gliedmaßen oder einer Schonhaltung des Betroffenen. Bewegen Sie die Bruchstelle nicht.

Fremdkörper im Auge

Der Fremdkörper darf nicht angerührt werden. Decken Sie das Auge nur locker mit einer keimfreien Kompresse ab.

Vergiftung

Eine Vergiftung zeigt sich zum Beispiel durch Erbrechen, Bewusstseinstrübung oder Bewusstlosigkeit. Stellen Sie Hinweise auf die Art der Vergiftung sicher.

Herzinfarkt und Schlaganfall

Anzeichen für einen Herzinfarkt sind starke Schmerzen hinter dem Brustbein. Beim Schlaganfall sind es starke Kopfschmerzen, Sprachstörung und halbseitige Lähmung. Sorgen Sie für Ruhe, öffnen Sie die Kleidung und beginnen Sie bei Herz-Kreislaufstillstand unmittelbar mit der Herz-Lungen-Massage.

Schock

Ein Schock kann verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel Angst, Blutverlust oder eine allergische Reaktion. Man erkennt ihn an blasser, kühler Haut und schneller Atmung. Beruhigen Sie den Betroffenen und halten Sie ihn warm.

Insektenstich

Insektenstiche sind lebensgefährlich, wenn eine Insektengift-Allergie vorliegt. Ist kein entsprechendes Notfallset vor Ort, kühlen Sie die Einstichstelle, bis der Rettungsdienst eintrifft. Bei einem Stich im Mund lutschen Sie Eiswürfel und kühlen Sie den Hals bis zum Eintreffen der Rettungskräfte.

Sonnenstich und Hitzschlag

Ein Hitzschlag äußert sich unter anderem durch trockene, rote Haut, Kopfschmerzen und Übelkeit. Beim Sonnenstich ist der Kopf heiß und rot; der restliche Körper dagegen normal. Betroffene klagen ebenfalls über Kopfschmerzen und Übelkeit. Lagern Sie Betroffene möglichst kühl und flach auf dem Boden und versorgen Sie sie mit Flüssigkeit.

Verbrennungen

Verbrennungen zweiten und dritten Grades erkennt man an Blasenbildung und der Schädigung tiefer liegender Hautschichten. Betroffene Stellen sollten sofort gekühlt werden.

Welche Verletzungen sollten als erstes behandelt werden?

Als erstes sollten blutende Wunden versorgt werden. Wichtig ist es, Handschuhe zu tragen und frisches Verbandzeug zu verwenden.

Wie oft sollte ein Erste-Hilfe-Kurs belegt werden?

Eine Auffrischungspflicht für Erste-Hilfe-Kurse gibt es in Deutschland nicht. Dennoch empfiehlt sich eine Wiederholung des Stoffs aller vier bis fünf Jahre.

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