Skandal Pflegenotstand (Experten.de)

Pflegezusatzversicherung: die meisten Bundesbürger haben davon schon einmal gehört – die wenigsten aber eine abgeschlossen.


Pflegezusatzversicherung: die meisten Bundesbürger haben davon schon einmal gehört – die wenigsten aber eine abgeschlossen. Nur rund 2,5 Millionen Deutsche sorgen laut Stiftung Warentest vor.

Seit 2006 konnte zwar ein Zuwachs von rund 50 Prozent erzielt werden, dennoch wird Pflegevorsorge in der Versicherungsberatung und privaten Altersvorsorge viel zu stark vernachlässigt.

Dr. Stefan M. Knoll, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Familienversicherung, hierzu:

„Weniger als 4 Prozent der deutschen Bevölkerung haben eine private Pflegezusatzversicherung abgeschlossen und das obwohl bereits im Jahr 2015 die gesetzliche Pflegeversicherung, Rente und Vermögen bei jedem vierten Pflegebedürftigen nicht mehr gereicht hat, um die Kosten zu tragen.

Somit besteht die Gefahr, dass ein Großteil der Deutschen im Falle einer Pflegebedürftigkeit „Hilfe zur Pflege“ beim Sozialamt beantragen müssen, es droht massenhafte Altersarmut!“

Das Pflegemärchen: es war einmal…

Die verantwortlichen Politiker sind dazu angehalten, Aufklärung zu betreiben. Beispielsweise hat die Einführung der PSG-II-Reform zum 01.01.2017 dazu geführt, dass der Vertrieb der privaten Pflegezusatzversicherungen zurückgegangen ist.

Dr. Stefan M. Knoll mahnt an:

„Es ist ein Skandal, dass das CDU- Bundesgesundheitsministerium, aufgrund der vergangenen Bundestagswahl, die Bürgerinnen und Bürger im Glauben ließ, dass private Pflegevorsorge, wegen des PSG II, weniger notwendig ist, als dies bisher der Fall war.

Doch gerade der Eigenanteil bei der stationären Pflege zwingt zur Eigenvorsorge, weil die damit verbundene finanzielle Belastung aus einer Durchschnittsrente nicht finanziert werden kann.“

Diese Argumentation unterstützen die von Finanztest (11/17) veröffentlichten Zahlen, welche besagen, dass in den vergangen zwei Jahren 450.000 Menschen Sozialhilfe beantragen mussten, weil diese durch ihre Pflegebedürftigkeit finanziell nicht mehr für ihren Lebensunterhalt aufkommen konnten. Ein ausführlicheres Statement gab der Frankfurter Direktversicherer bereits gegenüber dem Fernsehsender Phoenix ab:

https://www.youtube.com/watch?v=v21myW1FSF0

Tatort Pflegeheim ist kein Ammenmärchen

Der Pflegeberuf solle attraktiver werden. Mehr Gehalt. Mehr Personal. Zukunftsvisionen, die schön klingen – Realität ist hingegen: Das Pflegepersonal wird schon seit Jahren allein gelassen. Mangelnde Ausbildung, geringe Wertschätzung, Überstunden und fachfremdes Personal führen zu massiven Missständen in der Pflege.

Eine Studie des „Deutschen Institutes für angewandte Pflegeforschung e.V.“ hat vor kurzem herausgefunden, dass jeder dritte Pflegebedürftige Formen von Gewalt erleben muss und über 29 Millionen Menschen über 60 Jahre Opfer psychischer Gewalt sind.

Dr. Stefan M. Knoll betont:

„Die Zahlen zeigen, das System ist überlastet. Zusätzlich ist es unwahrscheinlich schwierig sich ein klares Bild von der Pflegewirklichkeit in Deutschland zu machen, weil es in jedem Bundesland andere Personalschlüssel gibt.“

 

Hier finden Sie den vollständigen Beitrag "Skandal Pflegenotstand" auf experten.de vom 20.10.2017.