Gute Pflege nur mit Privatvorsorge

n-tv FinanzPort, 4.2.2014: Kommentar von Philipp Vogel, Vorstand der Deutschen Familienversicherung, zu den Bemühungen der Politik um eine bessere Pflegevorsorge.


Demografischer Wandel und Pflegevorsorge

Angesichts des dramatischen demografischen Wandels wird die private Pflegevorsorge in Deutschland immer mehr zu einer der größten sozialpolitischen Herausforderungen. Denn die gesetzliche Pflegeversicherung gerät gleich von zwei Seiten unter Druck: durch die bis 2050 prognostizierte Verdoppelung der Pflegefälle auf rund 4,5 Millionen und die bis dahin zu erwartende Abnahme der erwerbstätigen Bevölkerung um etwa 30 Prozent. Wenn eine deutlich schrumpfende Beschäftigtenzahl in einem umlagefinanzierten System für eine derart stark wachsende Anzahl Pflegebedürftiger finanziell aufkommen muss, kann das generationengerecht nicht funktionieren.

Zu Recht war die Pflege daher eines der zentralen Themen der vergangenen Bundestagswahl. Die Politik erkennt zunehmend die Brisanz des Problems. Mit der 2013 eingeführten staatlich geförderten Pflegezusatzversicherung hat sie einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Kritiker mögen dabei auf die strukturellen Grenzen des „Pflege-Bahrs“ verweisen.

Gleichwohl verfügt das Konzept über wertvolle Bausteine. Und es war ein wichtiger Impulsgeber dafür, dass in der breiten Öffentlichkeit zunehmend ein Bewusstseinswandel in puncto privater Pflegevorsorge eingesetzt hat: Nie zuvor war das Interesse am Thema Pflege so groß. Eine Entwicklung, die wir mit Blick auf die vielen Beratungsgespräche deutlich wahrnehmen – sicher auch unterstützt durch die zahlreichen Auszeichnungen, die wir für unsere Pflege-Tarife in den maßgeblichen Tests unabhängiger Analyseinstitute erhalten haben. 

Allerdings ist die Politik noch immer zu wenig bereit, öffentlich einzugestehen, wie es tatsächlich um die gesetzliche Pflegeversicherung steht. Dabei sind die Bemühungen der Großen Koalition durchaus zu begrü.en. Ich sehe aber die Gefahr, dass sie von vielen als „ausreichend“ verstanden werden. Doch die aktuellen Pläne zurErhöhung der Beitragssätze um 0,5 Prozentpunkte oder 24 Prozent (!) und zum Aufbau eines bis 2035 auf 22 Milliarden Euro anwachsenden Pflegefonds können die finanziellen Probleme nicht nachhaltig lösen: Bei dann 3,4 Millionen Pflegebedürftigen entspricht der Betrag gerade einmal 6470 Euro für jeden. Stattdessen sollte die Politik den mit dem Pflege-Bahr eingeschlagenen Weg konsequent ausbauen, um den Bewusstseinswandel hin zu mehr Eigenvorsorge weiter zu fördern. Mit den geplanten Mitteln könnte sie ein Vielfaches dessen bewirken, was sie durch Pflegezwangssparen niemals erreicht.

Es betrifft jede zweite Frau

Vor diesem Hintergrund wird die zusätzliche private Pflegevorsorge eines der zentralen Vorsorgethemen bleiben und sollte fester Bestandteil jedes Vermögens- und Vorsorgeplans sein. Denn um die nackten Tatsachen kommt niemand herum: dass nämlich jede zweite Frau und jeder dritte Mann im Alter pflegebedürftig wird. Soll dies für die Betroffenen selbst sowie deren Familien und Angehörige keine unüberwindlichen finanziellen Belastungen mit sich bringen, ist private Pflegevorsorge unerlässlich. Und je früher damit begonnen wird, desto attraktiver ist sie.